News Bild „Nichts sehen wollen, nichts hören wollen und schreiben was man will“ - Die eigene Wahrheit des Spiegels

„Nichts sehen wollen, nichts hören wollen und schreiben was man will“ - Die eigene Wahrheit des Spiegels

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In einem Artikel zu Kürzungen von staatlichen Zahlungen an die Kirche schreibt „DER SPIEGEL“ in seiner aktuellen Ausgabe unter anderem: „Nicht zuletzt dank der üppigen Zuwendungen leisten sich manche Kirchenfürsten eindrucksvolle Projekte … Im Regensburger Dom wurde der Altarraum für immerhin 100.000 Euro neu gestaltet: aus liturgischen Gründen, heißt es im Bistum. Der Bischofssessel wurde ins rechte Licht gerückt und steht nun nicht mehr am Rand, sondern im Zentrum.“

Seit der Restaurierung des Altarraumes im Regensburger Dom im Jahr 2003 geistern immer wieder wilde Gerüchte und Falschbehauptungen durch die Medienwelt. „Regensburger Bischof lässt sich für 100.000 Euro neuen Bischofsstuhl bauen“ und ähnliches bekam die Öffentlichkeit zu hören und zu lesen. Dies führte soweit, dass auch noch heute interessierte Besucher der Regensburger Kathedrale St. Peter auf das dortige Personal zugehen und fragen, wo denn der 100.000 Euro teure goldene Stuhl des Oberhirten stehe. Kopfschüttelnd über das, was viele Medien verbreiten, drehen die Touristen wieder um, zeigt man ihnen den bescheidenen Holzstuhl mit dem gestickten Bischofswappen in der Apsis.

Diesem hartnäckigen Gerücht wollte auch Anna Catherin Loll nachgehen, die sich neben weiteren Redakteuren für den oben genannten Artikel verantwortlich zeichnet und fragte bei der Bischöflichen Pressestelle im Bistum Regensburg nach. Ein Versuch anhand von Fakten alte Falschmeldungen endlich aus der Welt zu räumen? Leider nein, blickt man auf die Berichterstattung des Spiegels und die folgenden Informationen, die Frau Loll zur Verfügung gestellt wurden:

„Im Jahr 2003 wurde festgestellt, dass das hölzerne Chorgestühl im Altarbereich des Regensburger Doms St. Peter morsch war. Nach Prüfung der Fachleute wurde festgestellt, dass die Schäden, die altersbedingt und durch starken Käferbefall entstanden waren dringend behoben werden mussten, da das Gestühl ansonsten in den Folgejahren in sich zusammengestürzt wäre. Die gesamte Renovierungsmaßnahme kostete 130.000 Euro. Darin sind die Kosten für Steinmetz-, Elektrik-, Schreinerarbeiten etc. enthalten. Der ursprüngliche steinerne Bischofsstuhl, der am linken Rand (von einer Säule verdeckt) des Altarraumes seinen Platz hatte, wurde im Zuge dieser Renovierungsmaßnahmen entfernt. Die Gläubigen sollen und wollen den Hauptzelebranten während der Gottesdienstfeier sehen. Dies ist auch in jedem anderem Gotteshaus üblich. Bei dem ursprünglichen steinernen, fest installierten Bischofsstuhl hatten lediglich Gläubige, die im vorderen Bereich des rechten (südlichen) Seitenschiffs saßen, die Möglichkeit diesen zu sehen. Daraufhin wurde ein älterer Stuhl, der sich bereits im Besitz der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg befand, restauriert und neu bezogen und in die Mitte des Altarraumes platziert. Die Kosten für den Bischofsstuhl (Restaurierung, Polstern, Sticken des Bischofswappens) beliefen sich auf 3.478,84 Euro. Die Gesamtkosten von 130.000 Euro wurden aus den Haushaltsmitteln des Domkapitels im Bistum Regensburg finanziert. Bei den Umbauten im Altarraum des Regensburger Doms St. Peter handelte es sich also um notwendige Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten, um den Erhalt der mittelalterlichen Bausubstanz zu gewährleisten. Sie stehen nicht im Zusammenhang mit der Installation des jetzigen Bischofsstuhls. Dieser hat knapp 3.500 Euro gekostet.“

Fazit: Es handelte sich bei den Baumaßnahmen um dringende und notwendige Eingriffe. Kein „eindrucksvolles Projekt“ durch „üppige Zuwendungen“ und keine „Neugestaltung des Altarraumes“. Auch wurde der Stuhl des Bischofs nicht „ins rechte Licht gerückt“ oder gar in das „Zentrum“ gestellt, denn im Zentrum eines jeden Gotteshauses steht stets der Altar. Vergleicht der Leser nun die zur Verfügung gestellten Fakten und das daraus entstandene Endprodukt so muss man unweigerlich an eine Adaption der drei bekannten Affen denken: „Nichts sehen wollen, nichts hören wollen und schreiben was man will“.

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