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Mitgliederversammlung des Institutum Marianum

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Zur obligatorischen Jahresversammlung trafen sich am vergangenen Samstag die Mitglieder des Institutum Marianum Ratisbonense im Diözesanzentrum Obermünster. Neben den zahlreich erschienenen Mitgliedern konnte der Vorsitzende Prälat Peter Hubbauer als besondere Gäste Prof. Dr. Manfred Haucke aus Lugano, Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie (DAM), und den früheren Oberhirten des Bistums Bamberg, Erzbischof em. Dr. Karl Braun, ein treuer Förderer des IMR, begrüßen. Neben den vereinsüblichen Regularien stand die Wahl eines Rechnung- und Geschäftsführers an. Einstimmig gewählt und mit einer großen Bereitschaft, dem Verein mit seinen theologischen und pastoralen Zielen zu dienen, wird Herr Toni Dorfinger diese Aufgabe mit Beginn des neuen Jahres übernehmen.

Den Hauptpunkt der Jahresversammlung bildete ein Vortrag von Frau Dr. Adolphine Treiber mit dem Thema: „Maria, Schutzfrau Europas, in der marianischen Geschichtstheologie Bischof Rudolf Grabers“. Mit höchster wissenschaftlicher Genauigkeit, aufbauend auf dem Wissen aus der jahrelangen Zusammenarbeit mit Bischof Dr. Rudolf Graber sowie aus dessen zahlreichen Veröffentlichungen, zeigte Frau Dr. Treiber sehr anschaulich auf, welche Zusammenhänge Bischof Graber zwischen dem sich entwickelnden Europagedanken und der Verehrung der Gottesmutter erkennen konnte. So z. B. die Tatsache, dass am 25. März 1957, damals noch Fest „Mariä Verkündigung“ genannt, der große französische Politiker und „Europabaumeister“ Robert Schuman, die sogenannten „Römischen Verträge“ als Fundament für das zukünftige Europa unterzeichnete. Er tat dies gerade an diesem Tag auch aus der Überzeugung heraus, dass die Menschwerdung Gottes durch Maria in Europa geschichtsbildend geworden ist.

Bischof Graber war es ein großes Anliegen, dass Europa nicht nur eine wirtschaftliche und politische Einheit wird, sondern auch auf einem soliden geistigen Fundament aufbaut. Einen symbolischen Akt, der in diese Richtung zeigte, sah Graber z. B. in der Errichtung der Europamadonna in 2000 Meter Höhe auf dem in Norditalien liegenden Berg Serenissima Ende der fünfziger Jahre. Im Herzen Europas, im Grenzgebiet, wo die französische, die deutschsprechende Welt und Italien zusammenstoßen, steht die zwanzig Meter hohe vergoldete Statue „Nostra Signora d’Europa, Unsere Liebe Frau und Herrin Europas“.

Der damalige Mailänder Erzbischof, Kardinal Montini, der spätere Papst Paul VI., hat sie am Fest Mariä Namen im Jahr 1958 geweiht mit dem Wunsch, dass Maria ihren mütterlichen Gnadensegen nach allen Seiten Europas hin ausströmen lassen möge. Ihr Sternenkranz, der sich strahlend vor dem blauen Himmel abhebt, ist schließlich auch das Symbol der Europafahne geworden.

In anerkennenden Worten dankte Erzbischof em. Karl Braun Frau Dr. Treiber für das hervorragende Referat und verwies auf eine sich andeutende Renaissance des theologischen Wirkens von Bischof Dr. Rudolf Graber gerade unter dem Aspekt „Maria und Europa“. Dabei betonte er die Notwendigkeit, das wirtschaftliche und politische Geschehen auch mit der Macht des Gebetes zu begleiten. Bischof Graber sah gerade im Gebet des „Engel des Herrn“ und im Rosenkranzgebet zwei typische Gebetsformen, die in allen europäischen Ländern beheimatet sind. Vielleicht können auch diese beiden Gebetsübungen eine europäische Renaissance erleben.