Olivia Maurel

Leihmutterschaft – die brutale Wirklichkeit

Verkannt und unterschätzt


Wien / Regensburg, 6. Oktober 2026

Eine bewegende Geschichte über Leihmutterschaft hat die US-Amerikanerin Olivia Maurel verfasst, deren Buch „Wo bist du, Mama? Die Wahrheit über Leihmutterschaft“ nun auch in deutscher Sprache zu lesen ist. Sie erzählt ihre bewegende Lebensgeschichte als Frau, die durch eine Leihmutter geboren wurde.

Ausgehend von ihren persönlichen Erfahrungen beleuchtet Maurel die ethischen Einwände gegen diese Praxis. Sie schildert sodann ihr Engagement in der internationalen Kampagne gegen die Legalisierung von Leihmutterschaft. Somit bietet das Buch einerseits ein eindringliches persönliches Zeugnis und andererseits eine kritische Auseinandersetzung mit einem drängenden gesellschaftlichen Thema.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil schildert die 1991 geborene Maurel – die zur ersten Generation von Kindern gehört, die von Leihmüttern ausgetragen wurden – ihre Lebensgeschichte. Der zweite Teil liefert umfassende Informationen zur Leihmutterschaft und zum internationalen Kampf gegen diese Praxis. Schließlich enthält das Buch zwei Anhänge, die Casablanca-Erklärung und Auszüge aus einem Leihmutterschaftsvertrag.

Olivia Maurel ist das Kind wohlhabender Eltern, die ihr Leben in Frankreich und den Vereinigten Staaten verbrachten. Schon in früher Kindheit verspürte Olivia eine tiefe, unerklärliche Leere, die sie dauerhaft unglücklich machte. Gegenüber ihrer Mutter empfand sie eine gewisse Distanz, während sie sich ihrem Vater stärker verbunden fühlte. Im Teenageralter griff sie zu Alkohol und Drogen. Sie beschäftigten viele Fragen zu ihrer frühen Kindheit, die sie ihren Eltern nicht stellen konnte.

Erster Teil: Wo bist du, Mama?

Das Alter ihrer Mutter war ihr zunächst nicht bekannt; erst später erfuhr sie, dass diese – elf Jahre älter als ihr Vater – bei ihrer Geburt bereits 49 Jahre alt war. Maurel weiß, dass sie in Kentucky zur Welt kam, doch ihre Eltern weigern sich zu erklären, warum sie dort geboren wurde, da sie doch nie in diesem US-Staat gelebt hatten.

Kurz vor Beginn ihres Studiums entdeckt Maurel im Internet eine Klinik in Kentucky, in der Kinder durch Leihmutterschaft zur Welt kommen und wo Paare mit Kinderwunsch ein Kind „bestellen“ können. Diese Entdeckung war für sie schockierend, gibt ihr aber auch die innere Gewissheit, dass sie selbst in dieser Klinik geboren wurde und die Frau, die sie großgezogen hat, nicht ihre leibliche Mutter ist.

Da sie ihrem Vater ähnelt und eine enge Bindung zu ihm verspürt, zweifelt sie nicht daran, dass er tatsächlich ihr leiblicher Vater ist. Maurel ist sie zutiefst unglücklich, leidet unter schweren Verlustängsten, hat wechselnde Beziehungen, wird vergewaltigt und lässt – wenn auch unter großem Schmerz – eine Abtreibung vornehmen. Erst durch die Begegnung mit ihrem künftigen Ehemann erfährt sie, was bedingungslose Liebe bedeutet.

Nach ihrer Heirat und der Geburt von drei Kindern erhält sie von ihrer Schwiegermutter ein DNA-Test-Set und hat die Hoffnung, ihre leibliche Mutter ausfindig machen zu können. In der Folge gelingt es ihr mit Unterstützung eines Cousins ​​und eines Halbbruders tatsächlich, ihre leibliche Mutter zu finden und Kontakt zu ihr aufzunehmen. Der emotionale Austausch – zunächst per Textnachricht – wird im Buch wörtlich wiedergegeben. Die Mutter schrieb: „Ich habe viel mit dir gesprochen, als du in meinem Bauch warst. Ich wollte, dass du weißt, wie sehr ich dich liebe, dass ich immer in Gedanken bei dir sein werde und dass ich dir ein Leben wie eine Prinzessin wünsche.“

Zweiter Teil: Öffnen wir die Augen

Im zweiten Teil schildert die Autorin ihren eigenen und den internationalen Kampf gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft. Sie beschreibt, wie sich Wunscheltern und Leihmütter zusammenfinden und wie der Prozess der Leihmutterschaft abläuft: wie sich Frauen in finanzieller Notlage über Agenturen (die für diesen Service hohe Gebühren verlangen) melden und sich bei einer Kinderwunschklinik anmelden. Auch Wunscheltern – darunter viele homosexuelle Verbindungen – gelangen häufig über gut bezahlte Vermittler an solche Kliniken.

Die Klinik profitiert erheblich, ebenso wie die beteiligten Ärzte, Vermittler für Eizell- und Samenspenden, Psychologen, Anwälte, Banken und Standesbeamte. In Kalifornien beispielsweise kostet ein Kind zwischen 110.000 und 250.000 Dollar. Von dieser Summe gehen 30.000 bis 50.000 Dollar an die Leihmutter, während der Rest an die übrigen Beteiligten fließt.

Sobald der Vertrag unterzeichnet ist und die Leihmutter ein Kind eingepflanzt bekommt, verliert sie bis zur Geburt des Kindes die Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper. Die Wunscheltern können ihre Ernährung vorschreiben, ihren Bewegungsradius einschränken, medizinische Behandlungen festlegen oder untersagen und entscheiden, ob bei einer im Ultraschall festgestellten Auffälligkeit eine Abtreibung vorgenommen werden soll. Bei der kommerziellen Leihmutterschaft wird der Körper einer Frau genutzt, um den Kinderwunsch eines wohlhabenden Paares oder sogar einer Einzelperson zu erfüllen – ohne Rücksicht auf die enorme körperliche und seelische Belastung für die Frau, die werdende Mutter.

„Am 23. April 2024 wurde die Leihmutterschaft von der Europäischen Union endgültig als eine Form des Menschenhandels anerkannt.“ Denn zweifellos ist es ein Verbrechen, einem Kind unmittelbar nach der Geburt wissentlich die Mutter zu entziehen, inddesen: „Dies war das erste Mal, dass diese Praxis in eine europäische Richtlinie aufgenommen wurde. Es handelte sich jedoch vorläufig nur um einen kleinen Schritt: Der Text verurteilte nur die erzwungene Leihmutterschaft.“ Befürworter der Leihmutterschaft lassen also nach wie vor das Kindeswohl außer Acht.

Der Kampf ist noch nicht gewonnen. Es ist mutig von Olivia Maurel, in diesem Buch so offen über ihr schwieriges Leben zu berichten. Viele durch Leihmutterschaft geborene Kinder wagen diesen Schritt nicht.

Text: CNA Deutsch

(sig)

Weitere Infos

Olivia Maurel: Wo bist du, Mama? Die Wahrheit über Leihmutterschaft; Kolek Wien 2026; 278 Seiten; 18 Euro; ISBN 9783200110878.



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