News Bild Ökumenischer Gottesdienst mit Bischof Gerhard Ludwig in Selb-Herz Jesu

Ökumenischer Gottesdienst mit Bischof Gerhard Ludwig in Selb-Herz Jesu

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(pdr/hs) Am vierten Tag seiner Pastoralreise besuchte Bischof Gerhard Ludwig die Pfarrei Herz Jesu in Selb. Dort feierte er einen ökumenischen Gottesdienst mit Gläubigen verschiedener Konfessionen. "Damit zeigen Sie", so Pfarrer Roman Jobst in seiner Begrüßung in der Herz Jesu-Kirche, "dass die Ortskirche nicht nur aus Regensburg, sondern aus allen Pfarreien besteht und bekunden mit der Einladung zu diesem ökumenischen Gottesdienst, dass Ihnen die Diaspora und die getrennte Christenheit sehr am Herzen liegt." Neben Regionaldekan Msgr. Johann Schober, Dekan Edmund Prechtl, Msgr. Heinrich Benno Schäffler und den geistlichen Mitbrüdern aus den Nachbarpfarreien hieß Pfarrer Jobst besonders Dekan Hermann Seißler und den Ökumenevertreter des evangelischen Dekanates, Pfarrer Andreas Münster willkommen. Dekan Seißler sprach von einem "ermutigenden Beispiel für die Ökumene", wenn der Bischof auf seinem Pastoralbesuch zu einem ökumenischen Gottesdienst einlade, "denn was könnten wir besseres tun als unsere Gemeinschaft als Christen zu feiern". Auch wenn es genug Steine aus dem Weg zu räumen gilt, "so dürfen wir nicht vergessen, dass uns als christliche Kirchen viel mehr verbindet als uns trennt. Beginnen wir im Namen unseres Herrn Jesus Christus, er ist der Anfang und das Ende, er ist das Fundament auf dem unsere beiden Kirchen stehen."

Bischof Gerhard Ludwig verglich die Trennung, die zu Beginn des 16. Jhdt. in unserer Kirche entstanden ist, mit einem Baum, durch den ein Blitzschlag gefahren ist. "Wir fragen uns, wie tief dieser Riß eigentlich ist. Ist nur ein Teil der Äste davon betroffen oder geht er durch den Stamm bis in die Wurzeln, oder ist es nicht so, dass die letzte und tiefste Wurzel noch unbeschädigt geblieben ist." Auch wenn dadurch die Einheit der Kirche, die Jesus Christus gewollt hat, nicht mehr bestehe seit 500 Jahren, das Fundament ist stehen geblieben und die einzige Wurzel, aus der heraus die Christenheit ihre Kraft bezieht, ist heil geblieben. "Diese eine Wurzel ist Jesus Christus, mit dem unser Glaube seinen Anfang genommen hat." Auch wenn heute unser Glaube nicht mehr unmittelbar durch atheistische Ideologien bedroht sei, Tatsache ist, dass durch die liberale Gesellschaft, die sich in unserem Land etabliert hat, immer mehr Menschen ohne Glauben unter uns leben und wir somit unseren christlichen Glauben in Frage gestellt sehen. Das Christentum muß sich neu in der Gesellschaft positionieren. Es geht um ein gemeinsames Zeugnis der Christen in einer säkularisierten Welt.

"Das Fundament unseres christlichen Glaubens ist, daß wir an Jesus Christus als einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen glauben. Und das hat seinen Grund darin, dass wir an die Gottessohnschaft Jesu Christi glauben."
Nur der Sohn Gottes kann die Menscheit erlösen, die Religionen sind für uns die Wegweiser, die Hinweise, so wie vor zweitausend Jahren die Weisen aus dem Morgenland sich in ihrem Suchen haben bewegen lassen von einem Stern der aufgegangen ist, dem sie nachgegangen sind bis zu dem Punkt, wo der Stern stehen geblieben ist, bei Jesus Christus. Vor ihm sind sie niedergekniet und haben ihn angebetet. "Keine Religion, und mag sie noch so überzeugend sein, nur Gott allein kann die Brücke schlagen. Und Jesus Christus ist der einzige Mittler, das ist unser Glaube."

Wenn wir uns besinnen auf Jesus Christus, so Bischof Müller, dann können wir auch gemeinsam eine Antwort finden, denn Gott will, daß allen Menschen seine Gnade zuteil wird. "Das letzte Kriterium für die Richtigkeit des christlichen Glaubens ist, daß niemand den Tod überwinden kann, außer Jesus Christus. Als Christen, katholische und evangelische, sind wir Zeugen dieser Liebe Gottes, die will, dass alle Menschen selig werden."

Der Gottesdienst, der vom Kirchenchor mitgestaltet wurde mit den Liedern "Der Herr ist mein Hirt" und "Gott ist die Liebe", endete mit dem gemeinsam gespendeten Segen von Dekan Seißler und Bischof Müller, der die vielen Christen beider Konfessionen am Kirchenportal persönlich begrüßte und mit ihnen ins Gespräch kam. Die Kollekte für die Flutopfer erbrachte 393,87 Euro.

Anschließend kamen die Ökumenebeauftragten der Region zu einem Treffen im kleinen Kreis im Pfarrhaus zusammen, um Wege für die Zukunft in der Ökumene aufzuzeigen in dem Sinne, was möglich ist und was nicht; denn in wichtigen Fragen des Amts-, des Kirchen- und des Sakramentenverständnisses ist noch Klärungsbedarf von beiden Seiten nötig, da sich die Ökumene in einem Reifungsprozeß befindet, der Geduld und Ausdauer erfordert.



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