News Bild Kultur der Wertschätzung und Achtsamkeit – Pastoralbesuch von Bischof Rudolf in Kollnburg und Kirchaitnach

Kultur der Wertschätzung und Achtsamkeit – Pastoralbesuch von Bischof Rudolf in Kollnburg und Kirchaitnach

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Herrlichstes Herbstwetter und eine Pfarrgemeinde, in der klein und groß auf den Beinen war, waren der äußere Rahmen für den Pastoralbesuch von Bischof Rudolf Voderholzer in der Pfarreiengemeinschaft Kollnburg und Kirchaitnach (Landkreis Regen) am Sonntag. "Es ist so schön hier bei Ihnen, dass ich am liebsten eine Woche Urlaub dranhängen würde... Leider rufen mich andere Verpflichtungen ...", schrieb der Diözesanbischof später dann auch nach den Segenswünschen als Zusatz in das Goldene Buch der Gemeinde Kollnburg.

Pfarradministrator Pater Joseph Puthussery, Pfarrer i.R. Franz-Xaver Mader, Diakon Hans Kollmer, eine stattliche Anzahl von Ministranten aus Kollnburg und Kirchaitnach, Kirchenpfleger Karl Mühlbauer mit der Kirchenverwaltung, der Sprecher des Pfarrgemeinderates Augustin Wittenzellner mit dem Pfarrgemeinderat, Bürgermeisterin Josefa Schmid sowie die kirchlichen Verbände und Ortsvereine bildeten einen langen Kirchenzug vom Rathaus zur Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit. Einen herzlichen Willkommensgruß für den Regensburger Oberhirten hatten die Kindergartenkinder parat: Sie sangen "Gottes guter Segen sei mit dir" unter der Leitung von Claudia Lex und die kleine Verena überreichte Blumen. In der vollbesetzten Pfarrkirche begrüßte Pfarradministrator P. Joseph froh, stolz und dankbar die "liebe Pfarrfamilie" und besonders Bischof Voderholzer, den er 2015 anlässlich der Priesterweihe des Kollnburger P. Felix Biebl, eines Prämonstratensers der Abtei Windberg, zu einem Pastoralbesuch eingeladen hatte. Und Bischof Rudolf betonte bei seinen einführenden Worten, dass er jede Pfarrgemeinde im Bistum kennenlernen möchte und dankte für den überwältigenden Empfang. "Wenn ich gewusst hätte, dass es hier so schön ist, wäre ich schon längst gekommen", gestand er lachend und lobte das gute Miteinander von kirchlicher und politischer Gemeinde.

Das Sonntagsevangelium über "Gut und Böse" vom Evangelisten Markus trug Diakon Hans Kollmer vor. Und daraus zitierte Bischof Rudolf: "Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde" (Mk 9,42). Er sagte, wenn man das heutige Evangelium hört, dann zittern einem die Knie. Diese scharfen Worte Jesu hätten angesichts der furchtbaren Tatsache der MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz eine besondere Brisanz. Bischof Rudolf wies darauf hin, dass manche dieses Themas bereits überdrüssig seien, bat jedoch um ein Ohr dafür, da er den Tatsachen ins Auge sieht. Neu sei, dass diese Studie die erste und bislang einzige Untersuchung ist, mit der sich eine große Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland diesem dunklen Kapitel in umfassender Weise stellt. Sexuelle Gewalt, auch gegenüber Kindern und Jugendlichen, sei eine furchtbare Tatsache, die alle gesellschaftlichen Schichten, Gruppen und Institutionen belastet. Die Zahlen seien nicht neu, aber sehr erschreckend. "Es ist ein Verbrechen", betonte Bischof Rudolf und bedauerte, dass die Kirche sehr lange gebraucht habe, bis die Opferseite in den Vordergrund rückte. "Ich kann nur zum wiederholten Male um Vergebung bitten und Sie bitten, dies auch anzunehmen", sagte der Diözesanbischof und bat gleichzeitig um Wachsamkeit und Prävention in der Zukunft. Sein Vorschlag in Fulda für einen zertifizierten "Präventions-TÜV" sei auf offene Ohren bei Johannes-Wilhelm Rörig, dem Beauftragten der Bundesregierung für Missbrauch an Minderjährigen, gestoßen. Bischof Rudolf betonte aber auch, dass er sich ausdrücklich vor und hinter seine Priester und Diakone stellen möchte. Denn die überwältigende Mehrheit der Priester und Seelsorger sei unbescholten. Es dürfe kein Generalverdacht gegen Kirche und Seelsorger entstehen. "Glauben Sie mir, Kinder sind in der Kirche sicher" zitierte der Bischof den Jesuitenpater Hans Zollner, ein Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission.

Im weiteren Verlauf der Predigt blickte Bischof Rudolf auf Kollnburg und lobte dabei das außerordentliche Engagement des langjährigen Pfarrers Josef Renner, der seine Erfahrungen in der Missionsarbeit in die Pfarrei miteinbringen konnte und mehrere Bibelkreise gründete. Lob und Dank gab es auch für Josef Renners Nachfolger P. Joseph, der ebenfalls wachsam und realistisch die Pfarrei leite, in der über 80 Jugendliche, Frauen und Männer ehrenamtlich engagiert sind. "Viele Kleinigkeiten sind notwendig, damit es in der Kirche schön ist", betonte der Bischof. "Sie alle sind gefirmt und mit der Fülle der Gaben Gottes beschenkt", sagte er zu den Gläubigen in der Kirche und bat um eine Kultur der Wertschätzung und Achtsamkeit, um ein gutes Miteinander. Der Glaube beginne daheim, wenn Eltern und Großeltern mit den Kindern beten, ihnen Zeugnis geben und Vorbilder sind. "Sie sind die ersten Evangelisten, die ersten Boten des Glaubens", sprach der Regensburger Oberhirte seinen Dank an Eltern und Großeltern aus. Am Altar feierte Bischof Rudolf gemeinsam mit Pater Joseph und Pfarrer i.R. Franz-Xaver Mader unter der Assistenz von Diakon Hans Kollmer die Eucharistie. Den musikalischen Bestandteil der Liturgiefeier gestaltete an der Orgel Günther Kreusel.

Im Anschluss an den Festgottesdienst fand ein Stehempfang für alle Interessierten statt. Hier erklärten der Sprecher des Pfarrgemeinderates Augustin Wittenzellner und Kirchenpfleger Karl Mühlbauer die Pfarrei. Bischof Rudolf trug sich ins Goldene Buch ein. Am Nachmittag feierte der Bischof gemäß der Einladung Jesu "Lasset die Kinder zu mir kommen" in der Pfarrkirche Kirchaitnach eine Kindersegnung.