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Jüdische Gemeinde in Regensburg eröffnet ihre neue Synagoge

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Regensburg hat eine neue Synagoge. Die Jüdische Gemeinde von Regensburg lud heute im Rahmen eines Festaktes zur offiziellen Eröffnung ein. Zu Beginn trugen die Rabbiner in einer Zeremonie die drei Thorarollen aus dem bisherigen Gebetsraum in die neue Synagoge.

Zahlreiche Ehrengäste waren auf Einladung der Jüdischen Gemeinde gekommen, um den historischen Akt mitzufeiern. Neben dem Hausherren, Rabbiner Josef Chaim Bloch, sprachen die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger, Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo und Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Grußworte kamen von Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer, Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss und Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins neue Regensburger Synagoge. Die Festansprache hielt Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Katholische Kirche unterstützte Bau und Kauf der Menorah

Die Diözese Regensburg unterstützte den Bau der neuen Synagoge mit 50.000 Euro. Für die Bereitstellung  eines liturgischen Gegenstandes beteiligte sich die Diözese mit weiteren 10.000 Euro. Der Betrag wurde für die Anschaffung einer Menorah, dem siebenarmigen Leuchter (bzw. Chanukka-Leuchter, neunarmig) eingesetzt. Die Menorah stammt aus den Händen des Künstlers Oleg Kuzenko.

Die heutige Eröffnung fand rund 80 Jahre nach der Reichspogromnacht statt. 1938 wurde die damalige Synagoge von den Nationalsozialisten zerstört. Auf dem gleichen Grundstück, im Herzen der Regensburger Altstadt, errichtete die jüdische Gemeinde den neuen Bau. An das neue Gemeindehaus mit Gebetsraum schließt sich das alte Gemeindehaus aus dem Jahr 1912 an, das von der Zerstörung in der NS-Zeit verschont geblieben war. 500 Jahre zuvor, im Jahr 1519, wurden die Juden aus Regensburg vertrieben und die damalige Synagoge, der jüdische Friedhof und das Getto zerstört. Die Jüdische Gemeinde Regensburg ist eine der ältesten in Bayern und zählt rund 950 Mitglieder.

Bischof Voderholzer: Europäisches Abendland steht auf jüdisch-christlichem Boden

In seinem  Grußwort nahm Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Eröffnung der Synagoge zum Anlass, nicht nur den Allmächtigen, sondern auch die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde als die entfernten Nachkommen derer, die seinerzeit ihres Zuhauses und ihres Heiligtums beraubt wurden, um Vergebung zu bitten für das Leid, das ihnen von Menschen angetan wurde, die unter dem Anspruch des biblischen Liebesgebotes und der Bergpredigt gestanden hatten. Und weiter: "Wir gehören zusammen, nicht nur in einer zivilen Solidarität als Mitbürgerinnen und Mitbürger der Stadt, sondern vor allem durch die Wurzel des Glaubens. Deswegen kann und darf uns nichts trennen, gerade wenn geschichtsvergessene Kräfte und Bewegungen andeutend oder offen antisemitische Klischees bedienen. Lassen Sie es mich deutlich sagen: Das europäische Abendland steht auf jüdisch-christlichem Boden, und wer heute die einen gegen die anderen auszuspielen versucht, verkennt unsere gemeinsame Heimat und stärkt nur unsere Solidarität untereinander."

Gedicht als goldene Metallspirale empfängt die Besucher

"Gemeinsamkeit" hat die Lyrikerin Rose Ausländer eines ihrer Gedichte überschrieben, das nun als Kunstwerk den Eingangsbereich der neuen Synagoge ziert. Der bayerische Künstler Tom Kristen hat es entworfen. Auf einer goldfarbenen Metallspirale sind vier Strophen des Ausländer‐Gedichts angebracht - und zwar in der Originalhandschrift der Lyrikerin. Schauspielerin Adele Neuhauser, die bereits bei der Grundsteinlegung mitwirkte, rezitierte das Gedicht zum Ende des Festaktes.

Lesen Sie hier das gesamte Grußwort von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Bildnachweis Slider, Ansicht Synagoge innen: Foto: Marcus Ebener, Berlin