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Zur Neuigkeit
Jan Bula und Václav Drbola im tschechischen Brünn selig gesprochen
„Treue zur Wahrheit“
Brünn, 10. Juni 2026
In Tschechien sind zwei katholische Priester seliggesprochen worden, die 1951/52 nach Schauprozessen des kommunistischen Regimes hingerichtet worden waren: Jan Bula und Václav Drbola. An ihrer Seligsprechung, die am Samstagnachmittag in Brünn stattfand, nahmen mehr als 13.000 Menschen teil. Ihr Gedenktag wird am 17. Juni begangen.
Als Voraussetzung für die Seligsprechung hatte Papst Leo XIV. die Diözesanpriester Jan Bula (1920-1952) und Vaclav Drbola (1912-1951) im Oktober als Märtyrer anerkannt, die aus „Hass auf den Glauben" zum Tode verurteilt worden seien. In frei erfundenen Anschuldigungen hatte die damalige Regierung der Tschechoslowakei die Geistlichen Bula und Drbola eine Verstrickung in ein Attentat auf kommunistische Funktionäre vorgeworfen. Beide hatten mit dem Anschlag nichts zu tun. In den 1990er Jahren rehabilitierte die tschechische Justiz die Priester. Sie sind die ersten Opfer des kommunistischen Regimes, die in dem Land seliggesprochen wurden. Für Taten, die sie nie begingen, wurden sie in Schauprozessen verurteilt und 1951 beziehungsweise 1952 hingerichtet.
Der feierlichen Seligsprechungsmesse auf dem Brünner Messegelände stand als Vertreter des Papstes der kanadische Kardinal und gebürtige Brünner Michael Czerny vor. Bereits seit dem Morgen gab es auf dem Gelände ein Rahmenprogramm für Familien mit Kindern sowie geistliche Impulse. „Mit Liebe sind selbst scheinbar verlorene Dinge unglaublich fruchtbar – wir sehen das am Tod Jesu und ebenso am Tod von Jan und Václav“, betonte P. Josef Prokeš. Liebe müsse sich konkret zeigen; große Worte allein genügten nicht. Zum Abschluss seines kurzen Vortrags sprach er über die Kraft der Vergebung – ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch den Tag zog, ebenso wie die „Treue zur Wahrheit“ und die „Kraft der Liebe“, die das Leben der beiden Märtyrer geprägt hatten.
Am Vormittag hörten die Besucher Zeugnisse über die Kraft der Vergebung sowie ein neues Lied des Liedermachers Pavel Helan, das er den beiden hingerichteten Priestern gewidmet hatte. Auch ein neues liturgisches Lied wurde vorgestellt: „Der Sieger vertreibt die Herrschaft der Finsternis“ („Vládu tmy Vítěz zahání“), dessen Text P. Petr Vrbacký zu einer Melodie von Petr Eben verfasst hat.
Priesterkragen und Adlerflügel
Der Altar und die Messgewänder der Priester waren mit dem Logo der Seligsprechung geschmückt: zwei stilisierte Priesterkragen, die zugleich an Adlerflügel erinnerten. Sie symbolisierten das öffentliche und gesellschaftliche Engagement der beiden Märtyrer. P. Václav Drbola war Mitglied der Volkspartei, und beide waren in der christlichen Sportorganisation Orel aktiv.
Der Seligsprechungsmesse stand Kardinal Michael Czerny (79) vor, dessen Familie nach den Kriegserfahrungen und der kommunistischen Machtübernahme 1948 die damalige Tschechoslowakei verließ, als er erst zwei Jahre alt war. Seitdem hat er die Tschechische Republik bereits zehnmal besucht. Vor vier Jahren war er beispielsweise Prediger bei den Cyrill-und-Methodius-Feierlichkeiten in Velehrad. Der eigentliche Akt der Seligsprechung fand zu Beginn der Liturgie statt, als der Leiter der diözesanen Prozessphase, Msgr. Karel Orlita, die Bitte um Seligsprechung vortrug und Kardinal Czerny auf Latein die Zustimmung von Papst Leo XIV. verlas. Anwesend war auch die römische Postulatorin Maria Cristina Bresciani.
„Jan Bula und Václav Drbola waren keine Revolutionäre und keine politischen Aktivisten. Sie waren Hirten, die ihrem Volk dienen, die Sakramente feiern, das Evangelium verkünden und den Menschen Freiheit in ihrem persönlichen und öffentlichen Leben bringen wollten. Gerade das war für ein Regime unannehmbar, das nicht nur äußeren Gehorsam, sondern auch innere Zustimmung verlangte. Es ging ihm um die geistige Zerstörung des menschlichen Inneren“, betonte Kardinal Czerny in seiner Predigt.
Während der Feier stand auf dem Altar ein Reliquiar mit den Reliquien der beiden Seligen, geschaffen vom Bildhauer Otmar Oliva aus Velehrad. Darüber war das offizielle Seligsprechungsbild angebracht. Zum Abschluss der Messe erhielt Kardinal Czerny ein Brustkreuz mit Reliquien, während Altbischof Vojtěch Cikrle, der den Prozess im Jahr 2004 eröffnet hatte, eine Statue der beiden Seligen überreicht bekam.
„Meine lieben Freunde, ich danke euch allen von Herzen. Es ist für mich eine große Freude, diese Eucharistie zu Hause und bei einer so außergewöhnlichen Gelegenheit feiern zu dürfen, die uns die göttliche Vorsehung geschenkt hat. Mögen uns die beiden neuen Seligen inspirieren und uns helfen, unseren Glauben zu leben und den Herausforderungen unserer Zeit treu zu begegnen. Ich hoffe, bald wiederzukommen“, schloss Kardinal Czerny auf Tschechisch.
Jan Bula
Jan Bula wurde am 24. Juli 1920 im südmährischen Lukov bei Moravské Budějovice geboren. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs empfing er am 29. Juli 1945 die Priesterweihe. Anschließend wirkte er als Kaplan und später als Pfarradministrator in Rokytnice nad Rokytnou, wo er sich besonders in der Jugendseelsorge engagierte.
Mit der kommunistischen Machtübernahme in der Tschechoslowakei 1948 geriet auch die katholische Kirche zunehmend unter staatlichen Druck. Bula widersetzte sich den Einschränkungen kirchlichen Lebens und setzte seine pastorale Arbeit fort. Dadurch geriet er ins Visier der Staatssicherheit. Im Frühjahr 1951 wurde er verhaftet und während harter Verhöre misshandelt. Obwohl er bereits in Haft war, bevor die späteren Ereignisse stattfanden, wurde er mit dem sogenannten „Fall Babice“ in Verbindung gebracht – einer von der kommunistischen Führung propagandistisch ausgeschlachteten Gewalttat gegen örtliche Funktionäre.
In einem politisch motivierten Schauprozess wurde Jan Bula des Hochverrats und der Unterstützung staatsfeindlicher Aktivitäten beschuldigt. Die Anklage beruhte auf konstruierten Vorwürfen und diente vor allem dazu, die katholische Kirche einzuschüchtern. Im November 1951 verurteilte ihn das Gericht zum Tode. Am 20. Mai 1952 wurde Jan Bula im Gefängnis von Jihlava hingerichtet. In seinen Abschiedsbriefen an Familie und Freunde bekannte er sich bis zuletzt zu seinem Glauben, sprach von Vergebung und setzte sein Vertrauen auf Gott. Sein Tod wurde zu einem Symbol für die Verfolgung der Kirche unter dem kommunistischen Regime. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems wurde Jan Bula 1990 juristisch rehabilitiert und offiziell von allen Vorwürfen freigesprochen.
Václav Drbola
Václav Drbola wurde am 16. Oktober 1912 in Starovičky in Südmähren geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Theologie in Brünn und empfing am 5. Juli 1938 die Priesterweihe. Seine ersten seelsorglichen Stationen führten ihn als Kaplan nach Slavkov u Brna, Čučice und später nach Bučovice. Dort engagierte er sich besonders in der Jugendarbeit sowie im kulturellen und gesellschaftlichen Leben seiner Gemeinde.
Nach der kommunistischen Machtübernahme von 1948 setzte sich Drbola weiterhin für katholische Verbände und das kirchliche Leben ein, obwohl diese zunehmend unter staatlichen Druck gerieten. Er widersetzte sich den Einschränkungen der Religionsfreiheit und verteidigte die Arbeit katholischer Organisationen auch gegen behördliche Verbote. Dadurch geriet er früh in das Visier der Staatssicherheit. Am 17. Juni 1951 wurde er von der Staatssicherheit verhaftet – noch bevor die Ereignisse stattfanden, die später als „Fall Babice“ bekannt wurden. Nach einem bewaffneten Überfall auf Funktionäre des kommunistischen Regimes am 2. Juli 1951 wurde Drbola dennoch beschuldigt, die Täter unterstützt zu haben. Die Vorwürfe dienten vor allem dazu, einen groß angelegten Schauprozess gegen Gegner der Kollektivierung und gegen die katholische Kirche zu inszenieren.
In einem politisch motivierten Verfahren wurde Václav Drbola wegen Hochverrats und staatsfeindlicher Aktivitäten zum Tode verurteilt. Die Anklage stützte sich auf erzwungene Aussagen und ein bereits vorab feststehendes Urteil. Trotz fehlender Beweise wurde sein Gnadengesuch abgelehnt. Am 3. August 1951 wurde Václav Drbola im Gefängnis von Jihlava hingerichtet. Er war 38 Jahre alt. Sein Tod gilt heute als Justizmord und als Symbol der Verfolgung der katholischen Kirche in der kommunistischen Tschechoslowakei. Nach dem Ende des Regimes wurde er rehabilitiert. Die katholische Kirche eröffnete gemeinsam mit dem Verfahren für Jan Bula seinen Seligsprechungsprozess; 2025 wurde sein Martyrium anerkannt.
Text:Tomáš Kutil, Katolický týdeník, Jakob Schötz, Foto: Dušan Kadlec / Člověk a Víra
BU: Die Seligsprechungsfeier fand in der größten Halle des Brünner Messegeländes statt.




