News Bild Hilfe aus Regensburg trägt bei der Corona-Pandemie in Myanmar reiche Früchte

Hilfe aus Regensburg trägt bei der Corona-Pandemie in Myanmar reiche Früchte

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Die letzten Wochen haben gezeigt, dass der  Kampf gegen die Corona-Pandemie in Ländern mit armer Bevölkerung und wenig ausgebautem Gesundheitssystem eine sehr große Herausforderung ist. Kommen noch Hunderttausende  Bürgerkriegsflüchtlinge in provisorischen Lagern dazu, steigt die Gefahr sprunghaft an. Ein Beispiel für ein solches Land ist Myanmar, das frühere Birma. Das Bistum Regensburg ist mit diesem Land seit 19 Jahren durch ein Stipendienprogramm für Katholische Weltchristen verbunden. Es wird in Kooperation mit dem Katholischen Akademischen Ausländer-Dienst (KAAD) und der Katholischen Assumption Universität in Bangkok durchgeführt und hat bisher insgesamt etwa 120 Stipendien vergeben.  Die jungen Frauen und Männer haben zum Beispiel Katastrophenmanagement, Erziehungswissenschaft, Organisation im Gesundheitswesen oder Entwicklungsfragen studiert und können alle sehr gut Englisch, was für die Zusammenarbeit mit internationalen Hilfsorganisationen unerlässlich ist. Viele von Ihnen arbeiten bei der nationalen Caritas (in Myanmar Karuna genannt) oder auf Bistumsebene. Auch die, die nicht hauptberuflich bei der Kirche arbeiten, engagieren sich ehrenamtlich. Die ehemaligen Stipendiaten haben sich zur MyanKAAD-Alumni-Association zusammengeschlossen um ihre kirchlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten zu koordinieren. Vier von ihnen berichten für die Homepage des Bistums Regenburg  von ihrer Arbeit in den letzten beiden Monaten. Drei von ihnen, Claudia Api, Agnes Aye Aye Htun  und Abraham Saw Han, waren letztes Jahr mit einer neunköpfigen Gruppe zu Gast im Bistum Regensburg.

  

Landesweites Netzwerk der Katholischen Kirche

Sofort nachdem die WHO das  Virus COVID   19   am 11. März 2020 als globale   Pandemie einstufte, traf sich die Katholische Bischofskonferenz von Myanmar   (CBCM) am 16. März 2020, um Reaktionen auf COVID 19 zu erarbeiten. Bereits   am 20. März 2020 gründete die Bischofskonferenz  das "Catholic National   COVID 19 Response Coordination Team (CNCCT)"  unter Leitung von Kardinal   Charles Maung Bo. Das Team besteht aus verschiedenen Vertretern relevanter Stellen und caritativer Einrichtungen der Kath. Kirche   in Myanmar. Nach diesem Vorbild wurden in allen 16 Diözesen ähnliche COVID 19-Reaktionsteams ins Leben gerufen. Auch Alumni aus dem Regensburger   MyanKAAD   Stipendienprogramm   brachten ihre Kompetenzen im "Catholic National COVID 19 Response Coordination Team (CNCCT)" ein: Claudia  Api   beteiligte sich in der Arbeitsgruppe für Spendenwerbung, Abraham Saw Han war Teilnehmer an der Koordinierungs- und Netzwerksitzung und Mary Khin, Präsidentin der Alumni-Vereinigung,  fungierte als Büro-Verantwortliche für die Anlaufstelle der Caritas.

 

 

Offiziell noch geringe Fallzahlen, aber hohe Dunkelziffer vermutet

Am   23.   März   2020   verzeichnete   Myanmar   den   ersten   bestätigten   COVOD-19-Fall. Derzeit beträgt die Gesamtzahl der bestätigten Fälle in Myanmar 201 Fälle. (Stand 23. Mai 2020) Es wird aber ein hohe Dunkelziffer vermutet.  KAAD-Alumna Claudia Api konnte in Kooperation mit den Vereinten Nationen und einer Stiftung der sie vorsteht und die Nahrungsmittel und Dinge des täglichen Bedarfs zur Verfügung stellt, die Basis für die Hilfsmaßnahmen schaffen. Diese Mittel wurden dann über das Caritas-Netzwerk landesweit in 394 Gemeinden für Maßnahmen gegen  COVID-19 in den vierzehn Staaten und Regionen Myanmars eingesetzt. Seit Ende April arbeitet sie dazu in der Zentrale mit allen 16 Diözesen und deren diözesanen-Covid-19-Reaktionsteams zusammen. Wegen des allgemein nur schwach ausgebauten Gesundheitssystems, vor allem auch in entlegenen Gebieten, ist die Prävention besonders wichtig. Die erfolgreichsten   Ansätze sind z.B.: Sensibilisierung und Prävention bezüglich COVID-19, Bereitstellung von Handhygiene, Unterstützung der Quarantäneeinrichtungen   und Schutz der Mitarbeiter im unmittelbaren Kontakt mit Kranken. Die Begünstigten sind allen voran das gefährdete Gesundheitspersonal sowie   benachteiligte   Randgruppen wie Binnen-Vertriebene ("Internal Displaced People IDPs"), Waisenkinder sowie ältere und behinderte Menschen. Laut Caritas-Bericht für den Monat April 2020 wurden mehr als 237.668 bedürftige Menschen erreicht, darunter 7.682 Menschen mit Behinderung. Der Bericht führt Schutz- und Vorsorgematerialien die verteilt wurden auf, z.B. 29.472 Informationsbroschüren in verschiedenen Sprachen,  8.246 Handwaschmittel, 15.054 Paar Gummihandschuhe, 113.738 Masken, 79 Infrarot-Thermometer und 42 Kisten Desinfektionsmittel. Außerdem wurde weitere verschiedenste Schutzkleidung für ärztliches und pflegerisches Personal zur Verfügung gestellt.

 

 

Quarantänezentren und vielsprachiges Aufklärungsmaterial

Die katholische Kirche bietet 31 Quarantänezentren für ca. 1.526 Personen an. Über 100 Kinder wurden dort zum Beispiel mit Nahrung und Hygieneartikeln versorgt, ebenso 165 Erwachsene. Die Aufklärung und Sensibilisierung für die Ansteckungswege wurde in mehreren Sprachen durchgeführt. Die offizielle Landessprache burmesisch sprechen nicht alle Bewohner des Landes. Viele Bewohner in entlegenen Bergregionen, vor allem auch ältere Menschen, können nur die regionalen Sprachen oder die Stammessprachen, die oft mit dem burmesischen nicht verwandt sind. Die Katholiken machen mit ca. 800.000 Gläubigen nur ca. 1 Prozent der Landesbevölkerung aus, sind aber im Gesundheits- und Bildungswesen gerade der ärmsten Regionen gut vertreten. Für alle Ethnien gibt es Priester, Ordensschwestern und andere kirchliche  Mitarbeiter, die die jeweiligen Sprachen sprechen. Die Katholische Kirche kann so sicherstellen, dass die Informationen alle Mitglieder der Gesellschaft erreichten. "Wir nutzen den UKW-Sender der Katholischen Kirche und das   Kommunikationsbüro der Katholischen Kirche, um das Bewusstsein und Sensibilisierung in den Sprachen der verschiedenen Ethnien  zu verbreiten. In vielen   Quarantänezentren arbeiten wir mit dem Gesundheitsamt und den Behörden zusammen, um die Genehmigung der Regierung zu erhalten. Viele Arztkittel   wurden von katholischen Schwestern genäht, um sie an das medizinische Personal im Einsatz zu spenden" so Claudia Api, die Koordinatorin der Maßnahmen in der Caritaszentrale.

 

14. Mai 2020 - ein globaler, interreligiös ausgerufener Tag des Gebets, des Fastens und der Wohltätigkeitsaktionen

Dem Aufruf des Papstes zu Gebet, Fasten und Gesten der Nächstenliebe folgten auch die Gläubigen in Myanmar. Dieser wurde für den 14. Mai weltweit und in   interreligiöser Gemeinschaft als Reaktion auf die COVID-Pandemie   veröffentlicht. In besonderer Weise konnte sich der Pastoralrat der St. Mary's Cathedral in Yangon anschließen: Unter der Leitung von P. Hyginus Myiny Soe spendete die Caritas Yangon Reissäcke, Speiseöl, Masken und Bargeld an die Pfarreien in den am stärksten von COVID 19 betroffenen Teilender burmesischen Hauptstadt Yangon. "Dem Pastoralrat der  St. Mary's Cathedral und allen, die sich in dieser Aktion engagiert haben, gebührt großer Respekt und eine herzliche Gratulation" sagt KAAD-Alumna und Generalsekretärin Agnes Aye Aye Htun. Möge die gute Arbeit, die sie geleistet haben, vervielfacht und sie alle vor allen Übeln und Gefahren dieses Virus geschützt werden!"

 

COVID 19-Maßnahmen im Kinderschutz und im Bereich der Re-Migration

Unter der Leitung von Mary Khin, Präsidentin der Vereinigung ehemaliger Stipendiaten, die in der Caritaszentrale der Bischofskonferenz mit einem Schwerpunkt Kinderschutz arbeitet, wurden in einem Caritas-Kinderschutzprojekt seit dem 24. März  COVID 19-Aktionen mit zahlreichen Kindern und Re-Migranten in 43 Flüchtlingslagern und 23 Siedlungen im Kachin-, Kayin-, Shanstaat durchgeführt. Gastarbeiter in Nachbarstaaten und Familien, die die wegen Bürgerkriegen in Nachbarstaaten geflohen waren und zurückkehren müssen, können oft nicht in ihre Dörfer zurück und leben in Lagern entlang der Grenze. "Wir haben Sensibilisierungsworkshops in 43 Lagern und in vier   betroffenen Gebieten gezielt durchgeführt. Wir haben Informationen zur Sensibilisierung  auf Postern und Infotafeln veröffentlicht. Wir haben COVID 19-Präventionsinfos auf Marktplätzen, in Häusern und in Flüchtlingslagern gezeigt um alle zu erreichen", so Mary Khin.

 

In Flüchtlingslagern im Bundesstaat Kachin wurden zum Beispiel auch  Möglichkeiten zum Händewaschen geschaffen, da es in diesen Lagern normalerweise kein fließendes Wasser gibt und das mühsam herbeigetragene Wasser nicht zum oftmaligen Händewaschen verwendet wird. Auf dem Hintergrund der beengten Lebensverhältnisse, der mangelnden Hygienemöglichkeiten und der sehr begrenzten medizinischen Kapazitäten ist Aufklärung und Prävention für lange Zeit die wichtigste Unterstützung der Katholischen Kirche in Myanmar für alle Bewohner gleich welcher Religion.

 

Ausbildung mit Hilfe aus Regensburg trägt reiche Früchte

Bei all ihren Aktivitäten arbeitet die Caritas Myanmar mit dem Gesundheitsministerium auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zusammen, ebenso mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. "Die Ausbildung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas mit der Unterstützung aus dem Bistum Regensburg im Katastrophenmanagement, im Management allgemein, in Englisch oder im Gesundheitswesen absolvieren konnten, trägt gerade in solchen Situationen reiche Früchte", so Gregor Tautz, der Beauftragte des Bistums Regensburg für das Myanmarprojekt. Das ermöglicht und erleichtert die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen wie den Vereinten Nationen oder Stiftungen, die Geld und Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Sowohl sprachlich als auch fachlich sind unsere Stipendiaten dafür bestens qualifiziert. So können sie im Netzwerk der Caritas Hilfe für die Ärmsten bis in die letzten Winkel des Landes bringen, die wegen der politischen Spannungen im Land vom Staat oft gar nicht erreicht werden, verdeutlicht Gregor Tautz die Reichweite der Hilfe aus Regensburg.  

 

Text: MyanKAAD-Alumni, Ruth Aigner, Gregor Tautz    

 

 

Nächstes Jahr 20-jähriges Bestehen des diözesanen Stipendienprogramms

 

Nächstes Jahr, 2021, kann das Stipendienprogramm des Bistums Regensburg das 20jährige Bestehen feiern. Dazu ist unter anderem Cardinal Charles Maung Bo S.D.B von Yangon, derzeit auch Leiter der Föderation der asiatischen Bischofskonferenzen, im Rahmen anderer Europaaufenthalte nach Regensburg eingeladen. Der Salesianer kennt das Bistum schon seit seiner Teilnahme am Katholikentag in Regensburg im Jahr 2014. Anschließend hat er sich damals noch über die Seelsorge im Bistum Regensburg informiert und zum Beispiel die Bischof-Manfred-Müller-Schule das Bischöfliche Jugendamt oder die Katholische Erwachsenenbildung besucht. Auch der Besuch des Papst Benedikt Instituts zusammen mit Bischof Rudolf  und  eine Fahrt nach  Altötting und Marktl standen auf seinem Besuchsplan.