News Bild Glaubenszeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus – Beim Annabergfest predigte Bischof Rudolf Voderholzer über Fritz Michael Gerlich

Glaubenszeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus – Beim Annabergfest predigte Bischof Rudolf Voderholzer über Fritz Michael Gerlich

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Zwei Aspekte führten in diesem Jahr Bischof Rudolf Voderholzer zur Annaberg-Festwoche nach Sulzbach-Rosenberg: zum einen das 30-jährige Jubiläum der Bezirkswallfahrt des Katholischen Frauenbundes, zum anderen das diesjährige Thema der Festwoche. Im Mittelpunkt standen nämlich Glaubenszeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Und hier kann der Regensburger Oberhirte mit viel Wissen über den bereits im Frühsommer 1934 hingerichteten Fritz Michael Gerlich aufwarten.

Daher galt der erste Gruß von Dekan Walter Hellauer Bischof Voderholzer, ebenso aber den Wallfahrerinnen des Frauenbundbezirks Sulzbach-Rosenberg mit der Diözesanvorsitzenden Karin Schlecht und der Bezirksvorsitzenden Margarete Hirsch an der Spitze. Bischof Rudolf gratulierte den Damen zu dem „schönen Jubiläum bei einer wunderschönen abendlichen Atmosphäre“. Hinsichtlich seiner Predigt meinte er, dass die Märtyrer der NS-Zeit, also auch Fritz Gerlich, „Mut, Kraft und Zuversicht für den Glauben“ geben können. Außerdem verwies der Oberhirte auf den Tagespatron, den heiligen Christophorus, und merkte an, „dass wir zu Christusträgerinnen und -träger werden“ sollen.

 

Schon früh vor dem Nationalsozialismus gewarnt

An den Anfang seiner Predigt stellte Bischof Voderholzer einige bekannte Widerstandskämpfer (Mitglieder der Weißen Rose, Pater Alfred Delp SJ, Pater Maximilian Kolbe OFMConv), die aber meist gegen Ende des Dritten Reiches aktiv gewesen seien. Fritz Gerlich hingegen habe sich schon in den frühen 1920er Jahren kritisch mit dem NS-System auseinandergesetzt, vor Hitler gewarnt und dies mit dem Leben bezahlt. „Er hat prophetisch Vieles vorhergesagt. Viel wäre den Menschen erspart geblieben, wenn man auf ihn gehört hätte. Fritz Gerlich hatte rechtzeitig gewarnt und dafür mit seinem Leben bezahlt“, stellte der Bischof fest. Und das eineinviertel Jahre nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Kontext des damaligen Röhm-Putsches. Fern liegt dem Bischof eine „Verurteilung der normalen Bürger. Aber wir haben die Pflicht, das Andenken derer hochzuhalten, die den Mund aufgemacht, den Kopf hingehalten und dafür mit dem Tod bezahlt haben.“

 

Nach dem Hitlerputsch Gegnerschaft zu Hitler

Bischof Voderholzer zeichnete den nicht immer geraden Lebensweg des 1883 in Stettin Geborenen und dem evangelischen Glauben Angehörenden nach, der zum Studium nach München kam. Als „hochbegabt und historisch gebildet“ charakterisierte ihn Bischof Rudolf. Diese Eigenschaften führten dazu, dass Gerlich im Jahr 1920 Chefredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten (Vorgängerblatt der Süddeutschen Zeitung) wurde. Obwohl bisher durchaus national eingestellt, prägten Gerlich 1923 drei Begegnungen mit Adolf Hitler, der selbst Gerlich für sich gewinnen wollte. Besonders nach dem Putschversuch in München am 9. November 1923 verfestigte sich bei Gerlich die Kritik an und die Gegnerschaft zu Hitler.

Einfluss und Prägung durch Therese Neumann

Prägend für Gerlich war aber auch die Begegnung mit Therese Neumann („Resl von Konnersreuth“) im Jahr 1927 und die Beschäftigung mit ihr im Vorfeld. Er recherchierte und konnte keinerlei Schwindel entdecken. „Aus einem kritischem Geist wurde ein Glaubender, aus dem Skeptiker ein Bekenner, aus dem Kritiker ein Beter und aus dem Humanisten ein überzeugter Christ“, beschrieb Bischof Voderholzer diese einschneidende Phase. Allerdings verlor Gerlich kurze Zeit später seinen Chefredakteursposten. In Eichstätt stieß er im Jahr 1930 zu einem Kreis entschiedener Hitler-Gegner. Durch diese Kontakte und bekräftigt durch Therese Neumann erfolgte 1930 der Kauf der Zeitung „Der illustrierte Sonntag“, die in ein politisches Journal umgestaltet und schließlich in „Der gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht“ umbenannt wurde. Am 29. September 1931 trat Gerlich zur katholischen Kirche über und nahm den zweiten Vornamen „Michael“ an. Gerlich ging es nicht nur um die „Bekämpfung der Irrtümer des Nationalsozialismus“, sondern auch um konkrete Vorstellungen und Visionen von Politik, die katholische Soziallehre oder ein vereintes Europa. „Gerlich wusste, dass er mit seinem Leben spielte, er erkannte die Wahrheit. Doch er floh nicht in die Schweiz, sondern war bereit, mit Leib und Leben für die Wahrheit einzustehen“, beschrieb der Bischof die Zeit um 1932/33.

 

Seligsprechungsprozess ist eingeleitet

Nach der NS-Machtübernahme stürmte die SA am 9. März 1933 die Redaktionsräume der Zeitung „Der gerade Weg“, Gerlich wurde zusammengeschlagen und in Haft genommen. Von mehreren Gesprächspartnern in der Haft sind Folterungen und Misshandlungen Gerlichs ebenso bezeugt wie seine Stärke und sein Bewusstsein, dass er sterben würde. Nach dem Röhm-Putsch am 30. Juni 1934 wurde Gerlich noch in der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1934 nach Dachau gebracht und dort erschossen.

Erfreut zeigte sich der Oberhirte über die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für Fritz Gerlich am 16. Dezember 2017. „Hoffen und beten wir, dass seine mutigen Lebenszeugnisse auch bald von der Kirche angenommen werden“, schloss der Bischof seine Predigt.