News Bild Gebetsgemeinschaft für geistliche Berufe – Weltkongress in Rom

Gebetsgemeinschaft für geistliche Berufe – Weltkongress in Rom

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(pdr) 70 Jahre sind vergangen, seit Papst Pius XII. (1939-1958) die Gebetsgemeinschaft für geistliche Berufe in ihrer Bedeutung hervorhob und ihre Mitglieder eindringlich ermutigte, auf diesem Weg des Gebets um Priester- und Ordensnachwuchs weiterzugehen. Dies fand seinen Niederschlag in dem Dokument „Cum nobis“. Somit war die Gebetsgemeinschaft für geistliche Berufe gutgeheißen - und auf die ganze Welt ausgedehnt. Markus Lettner, Leiter des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe (PWB) im Bistum Regensburg, nahm als Vertreter der größten Gebetsgemeinschaft im deutschen Sprachraum kürzlich am Jubiläumskongress in Rom teil. Im Interview sprach er über die Themen und Anliegen, die dort behandelt wurden.

Herr Direktor Lettner, die Gebetsgemeinschaft ist in Deutschland zu Hause. Womit hängt das zusammen?



In Deutschland wie auch andernorts war die Organisation bereits zuvor sehr aktiv, aktiv also bevor sie die weltweite Anerkennung fand. Ein Beispiel: Im Bistum Regensburg führte sie Erzbischof Dr. Michael Buchberger 1936 ein. Der Ursprungsimpuls dazu ging übrigens kurz zuvor im Erzbistum Freiburg aus.

Das „PWB“ - ein Päpstliches Werk für geistliche Berufe. Wer macht sich dieses Anliegen eigentlich zueigen?



Beeindruckenderweise waren es ausschließlich Frauen, die die gemeinsame Sorge um Priesterberufungen in der Kirche zum Frauen-Priesterhilfswerk vereinte. Auch heute sind es viele Frauen, die ihr Gebet den geistlichen Berufen widmen. Vor allem durch ihr Gebet, auch durch finanzielle Unterstützung wirkt diese Gemeinschaft segensreich bis heute.

Was geschieht im Bistum Regensburg?



Bei uns im Bistum sind 48.000 betende Mitglieder registriert, die sich in ihren jeweiligen Pfarrgemeinden engagieren, darüber hinaus gibt es auch Aktivitäten in Verbänden und Vereinen, die im Sinne der Gebetsgemeinschaft ihren Beitrag leisten.

Herr Direktor, was sind Ihre Eindrücke vom Weltkongress in Rom?



Ich konnte dort Weltkirche erfahren. Aus allen Kontinenten, ja aus ganz vielen Nationen kamen Delegierte zusammen, die sich für das wichtige Anliegen der geistlichen Berufe engagieren. Als einer von fünf deutschen Vertretern sprach ich dort über unsere Arbeit. Ich durfte etwa die Entstehung des Päpstlichen Werkes vor 70 Jahren und die geschichtlichen Zusammenhänge ins Gedächtnis rufen.

Wie also ist dieses Werk entstanden?



1926 rief Prinzessin Maria Immaculata in Freiburg Frauen zusammen, die etwas unternehmen wollten, um Berufungen zu fördern. Die Zukunft der Kirche lag ihnen am Herzen. Die Prinzessin stand in engem Kontakt zum damaligen Nuntius in Deutschland Eugenio Pacelli, der ja später als Pius XII. segensreich für die Kirche wirkte. Durch die Bestrebungen der Prinzessin erhielt Pius XII. intensive Impulse. Er wurde bestärkt, diese Gemeinschaft, die sich damals als kleine Gruppe formierte, für die Weltkirche verbindlich zu institutionalisieren. Hier ist einmal mehr zu sehen: Wirklich wichtige und große Dinge fangen allzu oft im Kleinen an.

Aus diesem Kongress heraus sind neue Maßgaben für das weitere Wirken im Sinne der Berufungspastoral entstanden. Diese „Pastoralen Leitlinien für die Berufungsarbeit“ („Pastoral guidelines for the promotion of vocations“) werden in Kürze veröffentlicht. Was sind dabei die wichtigsten Punkte?



Zunächst nehmen die Leitlinien eine Standortbestimmung vor. Betrachtet werden also die aktuelle Situation und ihre Chancen, mit ihren Problemen und Krisen. Es wird ermutigt zu einem Leben nach christlichen Werten. Hervorgehoben wird sodann die Bedeutung des Gebets und weitere ressourcenorientierte Punkte: die pastorale Sorge um die Familien und um die jungen Menschen in der Schule. All das wird in die Anliegen der Evangelisation eingebettet. Schließlich wird auf den zentralen Punkt des Zeugnisses von gelungenem priesterlichen Leben abgehoben. Damit verbunden ist die Ermutigung von ehrenamtlichen Mitarbeitern, sich für die priesterlichen Berufungen einzusetzen.

Damit sind wichtige Punkte angesprochen. Nun stößt die Evangelisierung erfahrungsgemäß aber nicht selten auf Widerstände…



Realistischerweise werden in dem bemerkenswerten Text auch die Probleme angesprochen: die demographische Entwicklung insbesondere in Mitteleuropa, die nicht zu übersehenden Phänomene der Säkularisation, der übertriebene Individualismus, der Relativismus. Auch Fälle von Missbrauch in der Kirche und weitere Ärgernisse werden klar beim Namen genannt. Ich halte es für richtig, auch diese Wirklichkeiten anzusprechen. Entscheidend ist, dass wir uns in unserer Arbeit nicht von solchen Akzenten entmutigen lassen. Wir schauen nach vorne im festen Vertrauen, dass Gott heute genauso Menschen in seine Nachfolge ruft.

Wer trägt die Hauptverantwortung für den Kongress und die Veröffentlichung?



Interessanterweise war es Kardinal Zeno Grocholewsky, der Präfekt der römischen Bildungskongregation, der die Veranstaltungen leitete. Er steht an der Spitze der Priesterausbildung der Weltkirche und aller Einrichtungen, die dazu gehören. Interessant ist dies schon deshalb, weil damit die enge Verbindung zwischen der Bildung und Neuevangelisierung gezeigt wird. Die Betonung der christlichen Werte als Grundlage für ein gelingendes Leben ist ein anziehendes Programm, das junge Menschen ansprechen kann, da bin ich mir sicher. Jeder Mensch, der ernsthaft diesen Werten nachgeht, steht früher oder später vor der Frage seiner Berufung und damit am bewussten Beginn der Nachfolge Jesu. Sobald der Heilige Vater das Dokument freigibt, wird Kardinal Grocholewsky das Papier der Öffentlichkeit vorstellen.