News Bild „Es ist Zeit, das christliche Gedächtnis Europas wieder ins Bewusstsein zu rufen“

„Es ist Zeit, das christliche Gedächtnis Europas wieder ins Bewusstsein zu rufen“

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(pdr) Am Freitag, 6. Juli 2007, ging das „Domforum Regensburg“ in die vierte Runde. Mit Kardinal Antonio Maria Rouco Varela konnte nach Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl, dem Prager Kardinal Miloslav Vlk und Otto von Habsburg, Sohn des letzten Österreichischen Kaisers, erneut ein überzeugter und großer Europäer vom Regensburger Bischof begrüßt werden. Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte den Kardinal aus der Hauptstadt Spaniens eingeladen, im Hohen Dom St. Peter zu sprechen.

In seinem Vortrag zum Thema „Ein christliches Europa – Erbe und Identität“ erklärte der Kardinal vor mehreren hundert Zuhörern, es sei „zur Zeit nicht abzusehen, inwieweit die Integration der neuen eingewanderten Bevölkerung vor allem aus Ländern islamischer Religion und Kultur in das vielseitige Geflecht der alten immerhin weitgehend christlich geprägten Kulturländer Europas noch gelingen wird“. In Europa herrsche derzeit eine politische und rechtliche Unsicherheit, die aber nur eine viel tiefer gehende soziale und kulturelle Problematik widerspiegele. Diese Problematik spiele sich vor dem Hintergrund des demographischen Zusammenbruchs in Europa ab. „Wenn man nicht intellektuell und geistig bereit ist, bis auf die religiösen und spirituellen Gründe dieser Krise Europas zu gelangen, wird die künftige Entwicklung in Freiheit, in gerechtem und solidarischem Wohlstand und in Frieden kaum zu erreichen sein“, so Kardinal Rouco. Der demographische Absturz Europas seit Ende der sechziger Jahre lasse sich nicht trennen von der in allen Bevölkerungsschichten um sich greifenden Infragestellung der moralischen Überzeugungen im Bereich des Rechts auf Leben, der Auffassungen über die wahre Natur der monogamen Ehe zwischen Mann und Frau und der auf diese Ehe gegründeten Familie. Die Enzyklika „Humanae Vitae“ Papst Pauls VI. habe prophetisch den Finger auf diesen wunden Punkt der geistigen und kulturellen Lage Europas gelegt.

Eine zufriedenstellende Lösung für die Frage nach Europa werde sich nur auf dem Weg einer nicht nur philosophischen, sondern auch „theologischen, heilsgeschichtlich und trinitarisch fundierten Sicht des wahren Menschseins finden lassen, die die europäische Geschichte in allen ihren entscheidenden Aspekten geistig durchdrungen hat“, sagte der Kardinal. Da das ehrgeizige Vorhaben einer europäischen Verfassung anscheinend gescheitert ist, sei es nun an der Zeit, das christliche Gedächtnis Europas wieder ins Bewusstsein zu rufen, so Kardinal Rouco Varela. (ven)

Vortrag von Kardinal Rouco Varela