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„Es gibt keine Alternative zu einem neuen Bündnis von Vernunft und Glaube“

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Alexander Kissler, Autor des Buches „Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam“, hat am vergangenen Dienstagabend in St. Ulrich in Regensburg einen Vortrag über das Thema „Galle, Gift und Gotteswahn“ gehalten. In der vollbesetzten Statiokirche kritisierte der Kulturjournalist, dass die Neoatheisten die Ausschließlichkeit von Rationalität und Glaube behaupten.

Dieser Behauptung legten sie einen „speziellen Vernunftbegriff“ zugrunde. Sie erklärten, eine Wahrheit, „Kernkategorie eines jeden Glaubens“, gebe es nicht. Eine Wahrheit, die sich jedoch ausschließlich auf die Verfahrensweise auf dem Weg zu ihr bezieht, könne jedoch nichts mit dem Guten, dem „Wahrheitsbeweis jeden Glaubens“, zu schaffen haben.

Die am schnellsten wachsende Religion sei die der „Wissenschaftsgläubigkeit“. Dabei erinnerte Kissler daran, dass es nicht Aufgabe des Glaubens sei, über die Korrektheit naturwissenschaftlicher Aussagen zu befinden, und umgekehrt. Er kritisierte Wissenschaftler, die sich eine Rolle anmaßten, die ihnen nicht zukommt, „wenn sie sich zum Richter über den Glauben aufschwingen“.

Neoatheisten jedoch sagten, dass die Wahrheit oder Unwahrheit eines Glaubens „im Experiment hinreichend beurteilt werden kann“. Weder Vernunft noch Glaube ließen sich aber ins Raster der Versuchsanordnung zwingen. Außerdem kritisierte der Journalist, der Mitarbeiter der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ist, Tendenzen, Gläubige als „geisteskrank“ zu brandmarken.

In seinem Buch „Gotteswahn“, führte Kissler aus, unterstelle der Autor Dawkins dem Judentum „sorgfältig geförderte Spaltungstendenzen“, die aus der Religion eine „bedeutsame Macht des Bösen in der Welt machen“. Diese Aussage wollte Dawkins gleichermaßen auch für das Christentum und den Islam gelten lassen. Auf einem ähnlichen Niveau erkläre die Giordano-Bruno-Stiftung die Geburt des Judentums zur „Stunde null des Bösen“. „Ohne Judentum kein Christentum, ohne Judentum kein Separatismus, ohne Separatismus kein Übel, keine Gewalt, keine Explosion des Bösen – so lautet der Cantus firmus, der Refrain der Neoatheisten.“

Ähnlich habe sich bereits der erste bekannte systematische Gegner des Christentums, Celsus, gegen die Juden gewandt. „Der Vorwurf, mit den Juden sei kein Staat zu machen, wird später ebenso scharf gegen die Christen erhoben“, erklärte Kissler.

Dawkins schwebe ein „ethischer Zeitgeist“ vor, eine unaufhaltsame Entwicklung hin zu einer Epoche, deren Gewaltbereitschaft in gleichem Maße sinke, wie die Religionsfeindlichkeit und Wissenschaftsfreundlichkeit wachse. „Der ethische Zeitgeist solle zur Durchsetzung einer strikt areligiös gedachten globalen Ethik führen.“ Die „globale Ethik“ habe eine klar umrissene Agenda, Dawkins und die Protagonisten der Bruno-Stiftung eine nicht nur die Verwerfung des Gottesbegriffs.

„Sie sind auch für ein maximal liberalisiertes Abtreibungsrecht, für aktive Sterbehilfe, für Embryonenforschung und Klonversuche, für gender mainstreaming und für eine Abkehr von Naturrecht und Menschenwürdedenken zugunsten von Utilitarismus und Interessenethik.“

Die organisierte Blasphemie stellte Kissler als ein „sadistisches Vergnügen“ dar, insofern gezielt versucht werde, den Gläubigen tiefe Verletzungen zuzufügen. „Freiheit wird reduziert auf die negative Freiheit vom Glauben und auf die positive Freiheit, Gläubige verletzend verächtlich machen zu dürfen. Dass Freiheit ohne Bindung, Freiheit ohne Respekt in eine Regiment der Unfreiheit ausarten kann, wird von den Neoatheisten bestritten.“

Kissler stellte Anknüpfungspunkte zwischen dem Neoatheismus und der Globalisierung dar, ohne sie jedoch gleichzusetzen: „Auch die Globalisierung betreibt die Vereinheitlichung der Ansprüche wie auch der Techniken, diese Ansprüche zu befriedigen und im Befriedigen neue Ansprüche zu generieren.“ Dr. Kissler nannte Dawkins den „vermutlich letzten lebenden Eulenspiegel“.

Vor diesem Hintergrund gebe es keine Alternative zu einem neuen Bündnis von Vernunft und Glaube: von jenem Glauben, der der Vernunft sich öffnet, weil er sie in sich trägt, und von jener Vernunft, die den Glauben verstehen will, weil auch sie aus Freiheit geboren ist und Wahrheit sucht.“ (ven)