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Durch das Kirchenjahr: Was ist ein König?

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... mit Benedikt

Christkönigsonntag - Johannes 18,33b-37

 

Was verbinden Sie mit einem "König"? Die Möglichkeiten sind vielfältig. Vor 100 Jahren wurde der Monarchie in Deutschland wie in Bayern durch die Revolution ein Ende bereitet. Als Demokrat sollte man also eigentlich kein allzu gutes Bild von Königen haben, oder? In einer Monarchie ist nicht das Volk der Souverän, sondern der König. Dieses Bild hat sich heute hin und wieder verändert. Monarchien und Königshäuser sind in. Wenn ein britischer Thronfolger heiratet, schauen Millionen von Menschen zu. Die Klatschblätter sind immer wieder voll von Skandalen oder Glücksfällen in den Königshäusern von Großbritannien, Belgien oder Schweden. Monarchisten träumen sich sogar die Alleinherrschaft bei uns zurück.

Der Begriff des Königs ist also ambivalent. Sehnsuchtserfüllte Träume des einen, Bewunderung bei anderen, Ablehnung bei dritten. Seltsam, dass wir dann an diesem Sonntag Christus als den König feiern. Wir müssen diese Bezeichnung ja auch im Kontext all der Jahrhunderte sehen, als ein realer König an der Macht war. Für diesen Herrscher hatte man im Zweifel nicht nur Bewunderung übrig, vielleicht sogar Verachtung wegen ungerechter Entscheide oder gewaltsamen Exzessen. Und trotzdem feiern wir Christen Jesus als unseren König. Auch wenn das Fest Christkönig erst seit 1926 gefeiert wird, ist doch die Verehrung Jesu als König viel älter.

Im Evangelium des Sonntags begegnen sich zwei so ungleiche Menschen: Jesus und Pilatus. Der römische Statthalter will Jesus nicht so recht verurteilen. Er spürt, dass es unrecht wäre, spürt, dass die Ankläger alles andere als hehre Absichten verfolgen. Gleichzeitig fürchtet er den Volksaufstand, der auch für ihn unerfreuliche Konsequenzen haben könnte. Die Geißelung Jesu etwa könnte durchaus als der Versuch des Pilatus verstanden werden, ihn zwar hart zu bestrafen und so die Ankläger zufrieden zu stellen, die Kreuzigung aber eben nicht zuzulassen.

Ihm gegenüber steht Jesus. Ein einfacher Mann aus Galiläa, von dem behauptet wird, er sei der König der Juden. Pilatus interessiert sich für ihn, er fragt nach. "Bist du der König der Juden?" Ein Dialog entwickelt sich, zaghaft erst, dann immer intensiver. Jesus bekennt: "Mein Königtum ist nicht von dieser Welt." Also: Ja, er ist König. Im gleichen Augenblick nimmt Jesus aber jede mögliche Assoziation vorweg, die Königtum mit negativen Gedanken, mit Gewalt und Ausbeutung verbinden könnte. Sein Königtum ist nicht von dieser Erde.

Das ist nicht nur eine geographische Angabe. Das ist nicht nur die Verortung der Gottesherrschaft im Jenseits, statt im Diesseits. Es ist eine qualitative Angabe. Jesus ist nicht König in unserem Sinn. Nicht so, wie die Könige der Welt ihre Herrschaft verstehen. Er ist anders. Das ist ja immer schwierig, wenn wir Gott mit Bezeichnungen benennen, die wir auch in unserer alltäglichen Sprache verwenden. "Gott, der Vater" - diese für uns so selbstverständliche Anrufung wird für Menschen schwierig, deren Vater alles andere als gut war. Für sie ist mit dem Namen "Vater" nichts Positives verbunden.

So ist es ja auch mit dem Begriff des Königs. Wer einen romantischen Hofstaat vergangener Zeiten vor Augen hat, wird nur schwerlich das treffen, was Gott ist. Wer an einen grausamen Despoten denkt auch nicht. Deswegen ist dieser Zusatz so wichtig: "Mein Königtum ist nicht von dieser Welt." Jesus ist der Herr, das ist die Botschaft dieses Sonntags. Aber an seine Herrschaft kann eigentlich kein weltlicher Titel reichen. Egal, wie man ihn nennt - man trifft es nicht. Gottes Wesen bleibt dem Menschen letztlich verborgen. Für die Theologie gilt ein sehr wichtiger Grundsatz: Für jede Analogie, jede Ähnlichkeit, die man von Gott sagen kann, gilt, dass eine noch viel größere Unähnlichkeit besteht. Ja, es gibt Ähnlichkeiten zwischen Königen und Christus. Das kann man aber nur sagen, wenn man sich bewusst macht, dass eine größere Unähnlichkeit besteht.