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Durch das Kirchenjahr: Wahlkampf?

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... mit Benedikt.

Mk 9,38-43.45.47-48 – 26. Sonntag im Jahreskreis

Wenn in Bayern der neue Landtag gewählt wird, schlägt für die politischen Parteien die Stunde der Wahrheit. Abgegebene Stimmen entscheiden über die Sitze im Parlament, über die Machtverteilung und damit über die Chancen der Parteien, in der kommenden Legislaturperiode ihre Ideen umsetzen zu können. Dabei gilt der Grundsatz, dass nur die Stimmen etwas nutzen, die für die jeweilige Partei abgegeben werden. Ein Beispiel: Angenommen es gäbe in Bayern eine Partei, mit deren Handeln ein großer Teil der Bürger einverstanden ist. Bei der Wahl geben die Wähler ihre Stimme aber nicht dieser einen Partei. Sie stimmen für eine andere. Der Partei würde das nichts nutzen. Die Wähler sind zwar nicht gegen sie – sie sind ja zufrieden mit ihrer Arbeit – aber auch nicht direkt für sie.

Wer nicht für uns ist, ist gegen uns – ein bekannter Spruch. Der Blick in das Sonntagsevangelium dieser Woche erstaunt da ein wenig. Hier steht dieser Satz nämlich. Nur: Genau umgekehrt. Jesus sagt zu seien Jüngern: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“.

Das Setting: Die Jünger berichten von jemandem, der im Namen Jesu Dämonen austreibt. Er hat eine Macht, die Jesus hat und die er seinen Jüngern übertragen hat, gehört aber nicht zu ihrer Gruppe. Sie kennen ihn nicht. Umso seltsamer, dass dieser Unbekannte im Namen Jesu handelt. Und ein wenig verständlich vielleicht auch, dass die Jünger ihn daran hindern wollten. Denn nicht lange Zeit vorher hatten sie selbst versucht, ein Dämon auszutreiben – es aber nicht geschafft. Jesus widerspricht ihnen nun klar und deutlich: „Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ Die Argumentation ist klar: Da treibt einer im Namen Jesu Dämonen aus. Also wird er kaum gegen ihn sein. Und wenn er nicht gegen ihn ist, dann ist er für ihn.

Das erstaunliche: Der Evangelist Matthäus erzählt genau diese Geschichte – nur mit einer anderen Pointe. Bei ihm spricht Jesus diesen Satz genau andersherum: „Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns.“ Was jetzt? Entweder das eine oder das andere.

Vergleiche zwischen der Zeit des Evangeliums und heute sind oft schwierig. Die Grundvoraussetzungen haben sich erheblich gewandelt. Aus einer wandernden Bewegung um Jesus wurde eine weltumspannende Kirche. Aber wenn wir den Satz Jesu ernst nehmen und uns fragen, was er heute für uns bedeuten kann, heißt das doch: Da ist einer außerhalb unserer Kirche. Aber er tut Gutes. Dann muss auch das Wort Jesu gelten: „Ist er nicht gegen uns, dann ist er für uns.“

Wenn jemand außerhalb der Kirche Gutes tut, sollen wir ihn nicht daran hindern. Wer im Namen Jesu Dämonen austreibt, ohne zur Gemeinschaft seiner Jünger zu gehören, tut etwas Gutes. Das dürfen – müssen – wir anerkennen. Das unterscheidet uns ja letztlich von den politischen Parteien: Wir müssen nicht immer um Anerkennung und möglichst große Fraktionsanteile kämpfen. Wir dürfen im Namen Jesu handeln, auch wenn das gerade nicht politisch opportun erscheint. Für uns gilt also: Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.