News Bild Durch das Kirchenjahr: Ist das Evangelium umsonst?

Durch das Kirchenjahr: Ist das Evangelium umsonst?

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… mit Benedikt

11. Sonntag im Jahreskreis A – Matthäus 9,36-10,8

 

Wir messen Dingen einen Wert bei. Ganz automatisch. Meistens ist das ein finanzieller Wert: Was eigentlich würde die alte Münzsammlung auf dem Markt bringen? Lohnt es sich, sie zu verkaufen? Sicherlich, manchmal ist der Wert subjektiv gefärbt: Man hängt an einem Familienerbstück, auch wenn es finanziell eigentlich keinen bedeutenden Wert darstellt. Letztlich aber ist man sich einig: Was nichts kostet, ist nichts wert. Gratis-Angeboten gegenüber sind wir – oft auch zurecht – skeptisch.

Jesus aber sagt im Evangelium dieses Sonntags zu seinen Jüngern: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Matthäus 10,8). Dieser Satz steht im Zusammenhang einer größeren Rede, die der Herr an seine Apostel richtet. Er sendet sie aus, das Evangelium zu verkünden. Dabei legt Jesus großen Wert darauf, dass die Jünger für diese Verkündigung des Evangeliums – samt Heilungen und Dämonenaustreibungen – keinen Lohn annehmen sollen. Weder Gold, noch Silber oder Kupfermünzen sollen sie im Gegenzug zum Evangelium annehmen. Denn: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“

„Umsonst“ kann im Deutschen zwei Bedeutungen haben: Einerseits kann es meinen, irgendetwas sei vergeblich, nutzlos, wertlos. Etwa die Blumen im Garten zu gießen, wenn es ohnehin bald regnen soll. Das ist umsonst. Gleichzeitig aber kann „umsonst“ auch gratis meinen; das Wort kann die Tatsache bezeichnen, dass man etwas bekommt, ohne selbst etwas dafür geben zu müssen. In diesem Sinne ist das empfangene Evangelium umsonst. Nicht, dass es vollkommen nutzlos wäre – vielmehr braucht niemand eine Gegenleistung für das Evangelium zu geben.

Die frohe Botschaft Jesu richtet sich in erster Linie nicht an die, die irgendetwas Gutes anzubieten hätten. Nicht an die, die ein perfektes Leben führen. Reiche können sich das Evangelium ebenso leisten wie Arme. Das Evangelium ist eine „Gabe“: Etwas, das wirklich ohne Gegenleistung gegeben wird. Wann machen wir so etwas schon? Sicherlich, wir beschenken hin und wieder andere Menschen, zum Geburtstag oder zu Weihnachten – aber wir wissen ja auch, dass wir selbst im Gegenzug Geschenke bekommen. Es ist ein Geben und Nehmen.

Ganz anders die frohe Botschaft Jesu: Der Herr verkündet sie ohne eine Voraussetzung. Um das Evangelium hören zu können, muss man nicht sonderlich rein, heilig, vollkommen, weise oder klug sein. Ganz umsonst erhalten wir das Evangelium. Jesus aber macht daraus auch eine Aufforderung: Wenn wir das Evangelium umsonst erhalten haben, dann sollen wir es auch umsonst weitergeben – an alle Menschen, die das Evangelium noch nicht kennen, die in ihrem Leben leiden müssen, die alleine sind oder einsam, die einer frohen Botschaft dringend bedürfen. Umsonst – ohne irgendeine Forderung, aber auch ohne einen Hintergedanken.