News Bild Domkapitular Hubbauer: „Eine vernünftige Marienverehrung gehört zu unserem Glauben“

Domkapitular Hubbauer: „Eine vernünftige Marienverehrung gehört zu unserem Glauben“

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(pdr) Seit Ende vergangenen Jahres steht Domkapitular Peter Hubbauer als Nachfolger von Weihbischof em. Vinzenz Guggenberger an der Spitze des Institutum Marianum Regensburg e. V. (IMR). Im Gespräch erläutert der Leiter des Seelsorgeamtes Perspektiven für die Zukunft der Einrichtung, die vor 40 Jahren von Bischof Dr. Rudolf Graber ins Leben gerufen wurde.

Herr Domkapitular, Sie waren bislang Erster stellvertretender Vorsitzender des IMR. Im vergangenen Jahr hat Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller Sie zum Vorsitzenden ernannt. Wie soll es aus Ihrer Sicht nun weitergehen mit der Arbeit der Einrichtung?



Das Grundanliegen bleibt auch weiterhin dasselbe, nämlich: das Marianische zu fördern, sowohl in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung als auch in der gelebten Glaubenspraxis. Sehr wertvolle Arbeit diesbezüglich wurde ja in den vergangenen 40 Jahren geleistet. Das sechsbändige Marienlexikon, das man sicher als sehr bedeutsames Werk zur Mariologie im deutschsprachigen Raum bezeichnen kann, ist ein solches Beispiel für das qualifizierte und segensreiche Wirken des IMR. Für die nächste Zeit schwebt mir vor, die reichhaltig vorhandenen Schätze verstärkt in pastorale und geistliche Erfahrungen umzusetzen.

Wie soll das geschehen?



Sowohl für das geistliche Leben jedes einzelnen als auch für gemeinschaftliche Feiern des Glaubens wie zum Beispiel Eucharistiefeiern, Wort-Gottes-Feiern oder Andachten könnte man Hilfen anbieten. Texte für Marienandachten im Mai, Rosenkranzandachten im Oktober, Textbausteine für Wallfahrten, Bittgänge usw. werden immer wieder angefragt. Ich werte dies als Indiz, dass es in unserem Bistum viele Elemente einer bodenständigen Volksfrömmigkeit gibt, die wir nicht verkümmern lassen dürfen.

Sie wirken als Seelsorgeamtsleiter. Kommt von daher diese Ausrichtung aufs mehr Praktische?



Dass ich als Seelsorgeamtsleiter Vorsitzender des IMR geworden bin, das hat sich so ergeben. Als Leiter des Seelsorgeamtes verstehe und fühle ich mich nach wie vor auf der Seite der pastoralen Praktiker. Ich bilde mir zwar nicht ein, noch in allen Bereichen der pfarrlichen Seelsorge versiert zu sein, aber in meinen Jahren als Pfarrer habe ich sehr oft die bodenständige, mit Heimatverbundenheit und regionaler Mentalität verwobene Frömmigkeit von vielen Gläubigen erlebt. Und in dieser Spiritualität hat die Verehrung der Gottesmutter einen nicht unbedeutenden Platz. Eine vernünftige, gesunde Marienfrömmigkeit gehört zu unserem katholischen Glauben.

Wie ordnen Sie die marianische Spiritualität ein?



Maria ist die Mutter Jesu, des Sohnes Gottes, von Gott dazu erwählt. Unter dem Kreuz wird sie durch das Wort Jesu an sie und Johannes: „Sieh da deinen Sohn, sieh da deine Mutter“ gleichsam zur Mutter aller, die Jesus folgen, die unter dem Kreuz stehen. Es ist wichtig, dass Maria diesen ihren angemessenen Ort im Gesamtgefüge des Heilsgeschehens erhält. Ganz im Sinne der Kirche und einer jahrhundertelangen theologischen Tradition dürfen wir uns das Motto marianischer Gruppierungen „Durch Maria zu Jesus“ auch zu eigen machen. Jesus steht im Mittelpunkt des Heilsgeschehens und er führt immer hin zum Vater, wobei Maria als der Mutter Gottes natürlich eine ganz besondere Rolle zukommt. Sie ist das Urbild eines Menschen, der vorbehaltlos dem Willen Gottes folgt. Übertragen auf die Gemeinschaft der Getauften ist sie das Urbild der Kirche.

Wie ist Ihre persönliche Beziehung zu Maria?



Zu meinen frühesten geistlichen Erinnerungen gehört die gotische Marienfigur im Hochaltar meiner Heimatkirche, vor der zu beten unser damaliger Pfarrer schon die Kinder angeleitet hat. Irgendwie hat mich die Vorstellung geprägt, dass Maria uns Menschen gleichsam an der Hand nimmt und uns durchs Leben und zu Jesus führt, dass sie es ist, die mir in meinen Anliegen beim Beten hilft als Mitbeterin, als Fürbitterin. Dieser Gedanke und vor allem die Erfahrung, die sich dahinter verbirgt, kann auch heute Menschen ansprechen. Deshalb möchte ich ein werbendes Wort sagen für das Institutum Marianum. Wer selber in seiner Spiritualität Platz hat für Maria oder wem es ein Anliegen ist, die Marienverehrung zu fördern, könnte in dieser Gemeinschaft eine geistige und religiöse Bereicherung finden.

Gibt es weitere Aktivitäten des IMR?



Zur marianischen Volksfrömmigkeit gehört seit alters her die Wallfahrt. Neben den großen Wallfahrtszielen wie Lourdes, Fatima, Guadalupe usw. dürfen wir nicht die vielen Marienkirchen in unserer Heimat übersehen. Sie könnten kleine geistliche Kristallisationspunkte werden für eine Verlebendigung der Pastoral in unserem Bistum. Deshalb wollen wir Pfarreien ermutigen, Marienkirchen und -wallfahrten wiederzuentdecken und zu beleben. Und wenn wir in diesem Jahr vom 28. Juli bis 4. August nach Ungarn fahren, um das marianische Ungarn zu entdecken, dann stehen wir in einer guten und bereits lange Jahre währenden Tradition, denn bisher haben wir das in Polen, Böhmen und Mähren, Slowenien und auch in der Türkei getan. (ven)