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Zur Neuigkeit
Die Kindheitsgeschichten der Evangelien im Verständnis Benedikts XVI.
Über den Beginn des irdischen Lebens Jesu
Regensburg, 24. Dezember 2025
Papst Benedikt XVI. hat zwischen 2007 und 2012 drei Bände seines berühmten Werkes „Jesus von Nazareth“ veröffentlicht (vgl. Joseph Ratzinger / Benedikt XVI., Jesus von Nazareth. Erster Teil: Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung, Freiburg 2007 und ders., Jesus von Nazareth. Zweiter Teil: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung, Freiburg 2011) und weltweit eine breite Rezeption dieses Werkes ausgelöst. Der dritte, abschließende Band (Joseph Ratzinger / Benedikt XVI., Jesus von Nazareth. Prolog: Die Kindheitsgeschichten) ist – wie die anderen beiden Bände – im Verlag Herder erschienen, 2012. Gerade in der Weihnachtszeit lohnt es sich, die wissenschaftliche Rezeption der theologischen Sicht Joseph Ratzingers auf die „Kindheitsgeschichten“ der Evangelien einer besonderen Betrachtung zu unterziehen.
Spiritualität und Realismus
Die Art und Weise, wie Papst Benedikt XVI. die Themen im dritten Band seines Jesus-Buches „Prolog: Die Kindheitsgeschichten“ aufgreift, lässt sie sowohl in ihrer Spiritualität als auch in ihrem Realismus hervortreten (vgl. Thomas Söding, Vorwort, in: ders. [Hg.], Zu Bethlehem geboren? Das Jesus-Buch Benedikts XVI. und die Wissenschaft, Freiburg 2013, S. 10). Beides machte das Buch bald nach seinem Erscheinen zum Gegenstand kontroverser Forschungsdebatten. Der Neutestamentler Thomas Söding hat – zusammen mit einigen Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Wissenschaften – versucht, „zu den strittigen Themen über den heutigen Stand der Forschung zu informieren und das Papstbuch einzuordnen“ (ebd.). Mit Recht stellt Söding fest, dass der Papst mit seinem Werk über die Kindheitsgeschichten „eine so anspruchsvolle Theologie“ vorträgt, dass eine Diskussion über die Grundfrage des Glaubens angestoßen wird, wie Gott in der Geschichte handeln kann.
Öffnung der Segensgeschichte Israels für die Völker
Die Bibelwissenschaftlerin Uta Poplutz macht darauf aufmerksam, dass der Prolog des Matthäusevangeliums im Vergleich zu den Eröffnungspassagen der anderen Evangelien „deutlich divergierende Akzente“ (U. Poplutz, Den Anfang erzählen. Der Ursprung Jesu nach dem Matthäusevangelium, in: Söding, Zu Bethlehem geboren?, S. 15) setzt. Im ersten Evangelium wird der Christustitel durch die Näherbestimmung „Sohn Davids“ und „Sohn Abrahams“ präzisiert. Durch die „Davidssohnschaft“ Jesu wird das Evangelium im Licht der messianischen Hoffnungen des Volkes Israel erzählt, während die „Abrahamssohnschaft“ den universalen Horizont der Völkerwelt thematisiert, so dass sich in und durch Jesus die Segensgeschichte Israels für die Völker öffnet. Das Konzept der gottgewirkten Empfängnis bewegt sich ganz in der Tradition der heiligen Schriften Israels. Matthäus verbindet diesen allgemeinen Glauben an das Wirken des Geistes Gottes mit dem Konzept der jungfräulichen Geburt. „Das erinnert an den im jüdischen Hellenismus bezeugten Gedanken der Schöpfung aus dem Nichts“ (ebd., S. 25).
Leitlinien der Nachfolge
Während die anderen Evangelien mit Erzählungen zur Auferstehung Jesu enden, ist für Lukas – so der Trierer Neutestamentler Hans-Georg Gradl – „mit Ostern erst die Hälfte erreicht“ (H.-G. Gradl, Von Ostern durchwirkt. Die lukanische Kindheitsgeschichte, in: Söding, S. 31). Lukas illustriert in der Apostelgeschichte Herausforderungen der Nachfolge und Jüngerschaft. Die Kindheitsgeschichten sind „durch und durch“ vom Glauben an die Auferstehung Jesu und seine endzeitlich-messianische Würde getränkt. Von ihrer nachösterlichen Entstehungsbedingung und ihrer narrativen Position her fungieren die Kindheitserzählungen als „prachtvoll ausgestattete und literarisch filigran gestaltete Eröffnungsportale“ (ebd., S. 34). Außerdem lässt sich die ganze Weihnachtsgeschichte als „Gegenentwurf zur Augustuspropaganda“ lesen. Benedikt XVI. lenkt mit Recht seinen Blick auf „existentielle Brücken, die Lukas mit den Personen um die Geburt Jesu seinen Lesern baut“ (ebd., S. 40). Der Evangelist will seine Leser „nicht kalt lassen“, sondern „glühend machen“. Die Kindheitserzählungen legen Leitlinien der Nachfolge fest. Der moderne Mensch hat „nicht die besten Voraussetzungen, die Kindheitsliteratur auf Anhieb zu verstehen“ (ebd., S. 41). Mit kritischem Geist und auf Fakten getrimmt, sucht er nach der Wahrheit der Texte. Sie ist aber „nicht in den vermeintlich objektiven Tatsachen zu finden“ (ebd., S. 42). Die entschlossene Verteidigung einzelner Bezüge oder Ereignisse durch Benedikt XVI. ist als „mahnende Erinnerung“ an einen historischen Kern zu verstehen.
Das Eingreifen Gottes in die Geschichte
Joseph Ratzinger vertritt in seinem Buch profilierte Positionen, die „sich gegen den mainstream der Exegese stellen“ (Th. Söding, Wie alles angefangen hat. Der Prolog zur Theologie Jesu, in: ders., S. 64). Benedikt XVI. ist von der „historischen Substanz“ der Kindheitsevangelien überzeugt. Wie in den ersten beiden Bänden seines Jesus-Buches stellt er auch im dritten Band fest, dass die Evangelien „aus dem Glauben für den Glauben geschrieben worden sind“ (ebd., S. 68). Zu den „intensivsten Passagen“ des Buches gehört, wie der Papst im Gespräch mit Bernhard von Clairvaux den Glauben Marias als Freiheit interpretiert und mit der Gnade Gottes vermittelt. Wenn das Credo Sinn ergebe, müsse bei der Inkarnation wie bei der Auferstehung mit dem Eingreifen Gottes in die Geschichte gerechnet werden, das auch in der Materie Spuren hinterlasse. Das sei im Fall der Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria „zwar skandalös, aber nicht irrational“ (ebd., S. 70). Söding, der sich darüber wundert, dass ausgerechnet die historisch-kritische Exegese im Hinblick auf den Geburtsort Jesu „nicht mit Familienüberlieferungen rechnet“ (ebd., S. 73), hält die Geburt Jesu in Bethlehem für „wahrscheinlich“.
Historisches Interesse an König Herodes
Das Interesse der Geschichtswissenschaft am König von Juda entsprang – so die Professorin für Alte Geschichte Linda-Marie Günther – im 19. Jahrhundert der kritischen Beschäftigung sowohl mit dem Neuen Testament als auch mit der Historiographie des Flavius Josephus. Abraham Schalit hat 1960 in hebräischer Sprache eine Biographie über König Herodes verfasst (deutsch 1969). Dieses Werk stellt „seither das unbestrittene Standardwerk für Herodes und seine Zeit“ (L.-M. Günther, König Herodes in der jüngeren historischen Forschung, in: Söding, S. 80) dar. Im Mittelpunkt des historischen Interesses steht das Verhältnis zwischen Judäa und Rom vom ersten Jahrhundert v. Chr. bis zu den großen Judäischen Aufständen unter Nero bzw. Vespasian (66-70 n. Chr.) und Hadrian (132-135 n. Chr.). Günther kommt zu dem Ergebnis, dass die Sichtweisen der Theologen und Historiker in Bezug auf die Person des Königs Herodes „wohl auch weiterhin unterschiedlich und entsprechend kontrovers bleiben“ (ebd., S. 86).
Ein Grund für die Eintragung in Steuerlisten
Meret Strothmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Alte Geschichte in Bochum, weist darauf hin, dass der im Lukasevangelium genannte Zensus (6 n. Chr.) einen konkreten Grund hatte: Die Kassen in Rom waren leer, aber die Anforderungen erheblich. „In Pannonien hatten sich Stämme gegen Rom zusammengetan, Aufstände brachen an allen Ecken aus“ (M. Strothmann, Als die Welt gezählt wurde. Zur römischen Herrschaftspraxis in Judäa, in: Söding, S. 100). Zu deren Eindämmung war die Ausrüstung von Truppen nötig, die finanziert werden musste. Der pannonische Aufstand in den Jahren 6-9 n. Chr. brachte das Imperium „an den Rand seiner Kräfte“.
Starke Argumente für Bethlehem als Geburtsort Jesu
Auch Neutestamentler haben – so der evangelische Bibelwissenschaftler Rainer Riesner – Grund, sich von der Art herausfordern zu lassen, wie Benedikt XVI. mit den Texten der Evangelien umgeht. Es gebe „einige historisch bedenkenswerte Argumente“ (R. Riesner, „Gedeutete und konzentrierte Geschichte“. Benedikt XVI. und die Geburt Jesu in Bethlehem, in: Söding, S. 105), an Bethlehem als dem Geburtsort Jesu festzuhalten. Benedikt Schwank hat auf eine Bethlehem-Tradition verwiesen, die um die Mitte des ersten Jahrhunderts von niemandem bezweifelt wurde. Zu den Rückkehrern nach Bethlehem – nach dem Kyros-Edikt von 538 v. Chr. – dürften auch Nachfahren des Königs David gehört haben. Seit 1971 kennen wir ein in Jerusalem aufgefundenes Ossuar aus der Zeit vor 70 n. Chr. mit der hebräisch-aramäischen Inschrift „dem Haus David gehörig“. Der jüdische Gelehrte David Flusser fasste die Bedeutung dieses Fundes dahingehend zusammen, es sei nun „schwierig, die Existenz von davidischen Familien im letzten Jahrhundert, in dem der Tempel in Jerusalem noch unversehrt war, zu leugnen“ (zitiert nach: Söding, S. 111). Für den evangelischen Neutestamentler Ferdinand Hahn steht fest, dass die davidische Herkunft Jesu nicht bestritten werden kann. Wenn in der Großfamilie Jesu so stark an der davidischen Messiaserwartung festgehalten wurde, dann scheint es möglich, dass ein Teil der Familie auch am Stammsitz in Bethlehem sesshaft blieb. Nach Hegesippos (um 180 n. Chr.) wurden die Enkel des Herrenbruders Judas unter Domitian als Davidsnachkommen verhört. Dabei stellte sich heraus, dass diese Mitglieder der Großfamilie noch am Ende des ersten Jahrhunderts über Grundbesitz verfügten. Martin Hengel hat diese Nachricht für glaubwürdig gehalten. Der bethlehemitischen Ortsüberlieferung ist – so Benedikt XVI. – „ein beträchtliches Maß an Glaubwürdigkeit“ zuzuerkennen. Schon Justin kannte als gebürtiger Palästinenser um 150 n. Chr. die Überlieferung von der Geburt Jesu in einer Höhle am Rand von Bethlehem.
Der ägyptische Schöpfungsmythos und die jungfräuliche Geburt Jesu sind nicht vergleichbar
Die Ägyptologin Alexandra von Lieven untersucht ägyptische Vorstellungen einer Geburt des Gottkönigs. Es gab in Ägypten die Vorstellung einer Jungfrauengeburt im Rahmen der Schöpfung. Dabei ist die Rede von einer Schöpfung „durch eine Göttin ohne männlichen Partner“. Aber dieser Gedanke „taugt nicht zum Vergleich mit der Bibel“. Der ägyptische Schöpfungsmythos ist mit der christlichen Glaubenslehre der Jungfrauengeburt in allen wichtigen Punkten „unvergleichbar“ (A. von Lieven, Jungfräuliche Mütter? Eine ägyptologische Perspektive, in: Söding, S. 163). Der These Benedikts XVI. von der Unvergleichbarkeit der biblischen Vorstellung von der Jungfrauengeburt und der ägyptischen Konzeption ist – so von Lieven – „aus ägyptologischer Perspektive unbedingt zuzustimmen“ (ebd., S. 167).
Babylonische Sternkunde
Mathieu Ossendrijver, Spezialist für Antike Wissenschaftsgeschichte, zeigt, dass die Sternkunde in Babylonien ab 700 v. Chr. „eine rasante Entwicklung“ (M. Ossendrijver, Die Weisen aus dem Morgenland. Sternkunde und Religion der Assyrer und Babylonier, in: Söding, S. 177) durchmachte. In der persischen Zeit erreichte die babylonische Sternkunde ihre höchste Entwicklungsstufe. Ossendrijver kommt zu dem Ergebnis, es sei „nicht unwahrscheinlich“, dass die Geschichte von der Begegnung Alexanders des Großen mit babylonischen Astronomen im Jahr 323 v. Chr. – ob historisch oder nicht – über babylonisch-jüdische Kanäle oder griechische Quellen bei gelehrten Juden in Palästina bekannt war. Vor diesem Hintergrund werde erkennbar, dass wesentliche Elemente der neutestamentlichen Magiergeschichte „mit großer Wahrscheinlichkeit einer jüdischen Reflexion über babylonische Sternkunde entstammen“ (ebd., S. 183).
Die Sendung Israels und der Christusglaube
Mit „dogmatischen Fragen“ setzen sich Erwin Dirscherl und Eberhard Busch auseinander. Der ehemalige Regensburger Dogmatikprofessor Erwin Dirscherl weist darauf hin, dass die universale Bedeutung der Sendung Israels „die Voraussetzung“ der universalen Sendung Jesu ist. Jüdische Gelehrte aus den USA haben in ihrer wichtigen Erklärung aus dem Jahr 2000 mit dem Titel „Redet Wahrheit“ ihre Freude darüber zum Ausdruck gebracht, „dass durch das Christentum Hunderte von Millionen Menschen mit dem Gott Israels in Verbindung gekommen sind“ (E. Dirscherl, Der Ursprung des Messias. Die Bedeutung des Judeseins Jesu für die Dogmatik, in: Söding, S. 194). Kardinal Ratzinger ringt in seinem Werk „Die Vielfalt der Religionen und der Eine Bund“ (1998) – wie Paulus – „mit der Verhältnisbestimmung zwischen dem Glauben an Jesus Christus als einzigen Erlöser der Menschen und der Anerkennung des anderen Glaubensweges des Judentums“ (ebd., S. 201). Auch Benedikt XVI. weiß, dass der Glaube an Jesus den Christus, „der Juden und Christen doch einen sollte, beide trennt. Diese Trennung zu überwinden, stehe aber nicht in der Macht der Kirche. Und man könnte die Frage an Benedikt XVI. und Paulus (Röm 9-11) richten, ob sie nicht auch deshalb zur Aussage von der Rettung ganz Israels in der Endzeit kommen, „weil ansonsten Christus Juden und Heiden faktisch für immer getrennt und gerade nicht geeint hätte“ (ebd., S. 202).
Parallelen zwischen Joseph Ratzinger und Karl Barth
Eberhard Busch, Reformierter Theologe an der Universität Göttingen, verweist auf die Tatsache, dass sich Papst Benedikt XVI. bei seiner im Zusammenhang von Jungfrauengeburt und Auferstehung vertretenen These, Gott sei nur Gott, wenn er auch Macht über die Materie hat, auf den evangelischen Theologen Karl Barth beruft. Barth ist 1966 nach Rom gereist, um mit anderen Theologen die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils zu besprechen. Dabei habe er ein Gespräch mit Joseph Ratzinger und Karl Rahner geführt, bei dem es um zentrale katholische Wahrheiten der Marienlehre ging. Busch weist auch auf einen Unterschied zwischen Ratzinger und Barth hin: Die Alternative Benedikts XVI. („geschichtliches Ereignis oder fromme Legende“) erkennt Barth „so nicht“ an. Karl Barth konnte – in typisch protestantischer Dialektik – sagen, dass „eine Legende Wahreres sagen kann als eine historische Feststellung“ (E. Busch, De spirito sancto, ex Maria virgine. Die Auslegung dieser Bekenntnis-Formulierung durch Benedikt XVI. und Karl Barth, in: Söding, S. 213). Noch ein zweiter Gesichtspunkt ist von Bedeutung: Barth vermutete hinter der neuprotestantischen Preisgabe der Lehre von der Jungfrauengeburt die Preisgabe der Botschaft des sola gratia („allein aus Gnade“).
Text: Domkapitular Prof. Dr. Josef Kreiml, Leiter der Hauptabteilung Orden und Geistliche Gemeinschaften im Bistum Regensburg
Foto: AdobeStock_Ronny Behnert
(chb)




