News Bild „Die Aufrechterhaltung der Ausgangssperre an Heilig Abend war nicht mit uns abgesprochen“ – Das sagt Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei der Mitarbeitermesse im Regensburger Dom

„Die Aufrechterhaltung der Ausgangssperre an Heilig Abend war nicht mit uns abgesprochen“ – Das sagt Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei der Mitarbeitermesse im Regensburger Dom

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Der Beschluss des bayerischen Ministerrats, die Ausgangssperre ab 21 Uhr auch für Heiligabend gelten zulassen, führte zu großem Unmut der Katholiken. Daher haben sich die bayerischen Bischöfe heute morgen mit einem Brief an den Ministerpräsidenten des Freistaates gewandt und sich mit allem Nachdruck für die Möglichkeit der gemeinsamen Feier der Christmette zur üblichen Zeit eingesetzt.


Bischof Dr. Rudolf Voderholzer stellte dies in den Mittelpunkt seiner Predigt bei der Mitarbeitermesse im Regensburger Dom:

 

Predigt Mitarbeitermesse im Regensburger Dom am 15. Dezember 2020

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Was für ein Advent! Und was für ein Weihnachtsfest, auf das wir zugehen! Unsere Hoffnungen, dass nach einem von Corona überschatteten Osterfest das Weihnachtsfest halbwegs normal gefeiert werden kann, haben sich nicht erfüllt.

Ab morgen gelten die strengen Regeln des so genannten Lock down mit Schließung der Schulen, Ausgangssperren von 9 Uhr abends bis 5 Uhr früh, Schließung all der Einzelhandelsgeschäfte, die Waren verkaufen, die nicht unmittelbar dem täglich Notwendigem dienen, usw.

Hinter uns, hinter Ihnen als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ordinariat liegen herausfordernde Wochen.

Meine Gedanken sind besonders bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Krankenhäusern, in den Alten- und Pflegeheimen.

Wir müssen miterleben, wie sich das Corona-Virus unkontrolliert und scheinbar unkontrollierbar ausbreitet und nun vor allem ein Altenheim nach dem anderen zu erobern scheint und der Sensenmann – um es mit der Bilderwelt des Dreißigjährigen Krieges auszudrücken – dort Ernte hält.

Die Pflegekräfte sind nahe an der Belastungsgrenze und bisweilen schon darüber hinaus. Und die freien Plätze in den Intensiv-Stationen werden weniger.

In dieser Situation ist es mir ein Herzensanliegen, allen aufrichtig zu danken, die sich in den letzten Monaten und Wochen engagiert eingebracht haben, alle Widrigkeiten geduldig ertragen und die Vorsichtsmaßnahmen gewissenhaft mitgetragen haben.

Der Dank geht an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ordinariat, in der Caritas, aber auch an alle Pfarrer und die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pfarreien.

Sie haben sich seit Wochen darauf vorbereitet, das Weihnachtsfest, insbesondere den Heiligen Abend in den Pfarreien so zu gestalten, dass alle, die es wünschen, in der Kirche den Gottesdienst zum Heiligen Abend mitfeiern können.

Das Gottesdienstangebot ist vielerorts erheblich erweitert worden, wo es die örtlichen Umstände zulassen, sind Krippenspiele im Freien vorbereitet worden.

Da der Gemeindegesang unterbleiben soll, sind Instrumentalisten und kleine Gesangsensembles und Solisten engagiert worden.

Überall gibt es die Hygienekonzepte und Sicherheitsvorkehrungen, die auch bislang schon gut eingehalten wurden.

Erst jüngst wurde uns von der Academia Leopoldina in Halle, die maßgeblich auch die Bundesregierung berät, attestiert – ich zitiere aus der Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur: „‚Die beiden großen Kirchen gehören zu den besonders regelkonformen Institutionen mit Blick auf die Einhaltung der coronabedingten Abstands- und Hygieneauflagen‘, sagte Akademie-Mitglied Christoph Markschies der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sie hätten meistens vorbildlich gehandelt. ‚Von daher bestand für die Leopoldina keine Notwendigkeit zu weitergehenden Empfehlungen mit Blick auf die Weihnachtsgottesdienste‘.“[1]

Ich bin sehr dankbar, dass dies so ist, und gebe den Dank und das Lob weiter an die Gläubigen und an die Verantwortlichen in den Pfarreien.

Was nun das bevorstehende Fest betrifft: Vor allem auch für die späteren Messen – und die Christmette ist eben nicht eine nachmittägliche, sondern eine abendliche, eine nächtliche Messe – wurde zu namentlicher Anmeldung aufgerufen und es wurden schon Platzkarten vergeben, die wie etwa hier im Regensburger Dom, alle sehr schnell vergriffen waren.

Da traf es uns gestern wie Blitz, als wir aus München hörten, dass es keine Ausnahmen von der Ausgangssperre geben solle, auch nicht an Heilig Abend.

In dieser bedrängenden Situation haben sich gestern Abend noch die Bischöfe von Augsburg, Eichstätt, Passau und Regensburg in einer Telefonkonferenz verständigt, dass wir das auf keinen Fall hinnehmen wollten, und wir haben bis in die späten Abendstunden an einer Erklärung gearbeitet. Heute früh konnte dann in einer Telefonkonferenz mit allen sieben bayerischen Erzbischöfen und Bischöfen eine von allen ausdrücklich mitgetragene und unterzeichnete Presseerklärung verabschiedet werden, die seit kurz nach 12 Uhr öffentlich ist:

Sie lautet, ich darf sie Ihnen vorlesen:

[…] Die Christmette ist ursprünglich eine Mitternachtsmesse und gehört gerade in Bayern zu den wichtigsten Gottesdiensten des Jahres. In den meisten Pfarreien beginnt sie am späten Abend um 22.00 Uhr oder 22.30 Uhr. In Anbetracht der Entwicklungen haben in allen Diözesen die Pfarrer und die mitverantwortlichen Haupt- und Ehrenamtlichen in den Pfarreien Konzepte entwickelt, die im Rahmen des beschränkten Platzangebotes vielen Gläubigen ermöglichen, eine weihnachtliche Liturgie an Heiligabend mitzufeiern. Da die Vorbereitungen der Haupt- und Ehrenamtlichen weitgehend abgeschlossen, strenge Hygienekonzepte entwickelt, persönliche Platzkarten (ggf. auch fälschungssicher) ausgegeben sind und das Gottesdienstangebot über den ganzen Nachmittag und Abend erheblich erweitert und somit entzerrt ist, trifft die Ausgangssperre ab 21.00 Uhr alle Beteiligten hart. Die zeitliche Ausweitung der Gottesdienste über den ganzen Abend würde das Infektionsrisiko nach Auffassung der Bischöfe mindern im Gegensatz zu einer Verdichtung in der Zeit vor 19.30 Uhr. Der Besuch der Christmette trägt zudem mit der religiösen Stärkung erheblich zur seelischen Gesundheit und Stabilisierung der Menschen in dieser Krisenzeit bei. Den bayerischen Bischöfen ist der Ernst der Lage voll bewusst und alle gemeinsam unterstreichen ihr Anliegen, für die von der Staatsregierung erbetene Ausnahme von der Ausgangsbeschränkung alles daranzusetzen, dass von den Weihnachtsgottesdiensten kein erhöhtes Infektionsrisiko ausgehen darf. Die Bischöfe sind sich einig, dass am Heiligen Abend so viele Gottesdienste wie möglich gefeiert werden sollen, und haben dringend darum gebeten, dass diese schmerzhafte Entscheidung der Ausgangssperre an Heilig Abend eine einzige Ausnahme erfahren kann.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wie auch immer die Bayerische Staatsregierung entscheidet. Die bayerischen Bischöfe haben also dringend um eine Ausnahme von der Ausgangssperre für Heilig Abend gebeten, die Aufrechterhaltung der Ausgangssperre auch an Heilig Abend wäre nicht mit uns abgesprochen und nicht im Einvernehmen mit uns vorgenommen.

Wir würden sogar anbieten, alle Vorkehrungen zu treffen, um einem möglichen Missbrauch vorzubeugen: Ausdrücklich bieten wir an:

„Um einem möglichen Missbrauch einer Berufung auf den Besuch der Christmette zur Umgehung der Ausgangssperre auszuschließen, könnte allen Besuchern einer späteren Christmette eine fälschungssichere Bescheinigung (namentlich ausgestellt und mit Siegel des jeweiligen Pfarramtes versehen) ausgehändigt werden.“

Die vielen Pfarrer, die aus etlichen Dekanaten sich mittlerweile im Bischofshaus und im Ordinariat gemeldet haben, wären mit Recht empört und traurig, weil nicht nur ihre Vorbereitungen größtenteils Makulatur wären, sondern auch ihr pastoraler Eifer und aller Einsatz missachtet würde, ihren Beitrag zu leisten, unter Einhaltung aller Regeln den Menschen ein erhebendes Weihnachtsfest zu ermöglichen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Im Bistum Regensburg haben wir in den letzten Monaten nach der Devise gehandelt:

„Wir lassen nichts ausfallen, wir lassen uns etwas einfallen“ – ein Motto, das von vielen beherzt aufgegriffen wurde.

An vielen Orten haben die Krippenfreunde, Geschäftsleute und Seelsorger sich zusammengetan, und Krippenwege durch die Straßen und Marktplätze organisiert, wie beispielsweise ja auch hier in Regensburg. Das Weihnachtsgeschehen in künstlerischer und kultureller Vielfalt in Auslagen von Geschäften, Foyers von Hotels oder Behörden trägt den Grund unserer Weihnachtsfreude in die Öffentlichkeit. Das Infektionsrisiko beim Abgehen der Krippenwege in der frischen Luft geht gegen Null, verbindet vielmehr körperliche Bewegung mit geistlicher Auferbauung, bietet Gelegenheit, nicht nur aber auch mit Kindern und Jugendlichen über den Glauben ins Gespräch zu kommen und auch auf diese Weise Weihnachten lebendig zu halten.

Meine Einladung an Sie alle: Folgen Sie dem Stern nach Betlehem, hier in Regensburg, in Parsberg, in Cham, in Pressath, in Rosenberg, in Bad Kötzting, in Neutraubling, in Donaustauf, und auch sonst in den Kirchen, die ja auch außerhalb der Gottesdienstzeiten für Sie geöffnet sind.

Und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ordinariat kann ich ankündigen: Anstelle der leiblichen Stärkung, die Ihnen sonst im Anschluss an die Mitarbeitermesse für Sie bereit stand, gibt es für Sie alle dieses Jahr eine kleine Weihnachtskrippe „to go“ gewissermaßen, in einer ganz neuen innovativen Technik von den Werkstätten der KJF hergestellt. Sie liegt für Sie ab morgen an der Pforte bereit, verbunden mit meinen herzlichen Glück- und Segenswünschen für das Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus für Sie persönlich und alle Ihre Lieben!

Amen.