News Bild Der ökumenische Dialog der Katholischen Kirche ist nicht nur einfach, er ist achtzehnfach - Kurien-Kardinal Dr. Kurt Koch zu Gast in Regensburg

Der ökumenische Dialog der Katholischen Kirche ist nicht nur einfach, er ist achtzehnfach - Kurien-Kardinal Dr. Kurt Koch zu Gast in Regensburg

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Als Referent beim Treffen des Neuen Schülerkreises Papst Benedikt XVI. war Dr. Kurt Kardinal Koch vier Tage zu Gast in Regensburg. Er sprach vor den Theologinnen und Theologen über die Bedeutung Joseph Ratzingers für das Zweite Vatikanische Konzil. Der langjährige Bischof von Basel, der zeitweise auch Präsident der Schweizer Bischofskonferenz war, trat 2010 die Nachfolge des deutschen Kurienkardinals Walter Kasper als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen an. Mit diesem Amt ist Kardinal Koch der Sachwalter des Vatikans für die ökumenischen Bemühungen der Christen.

Nach dem Pontifikalamt am Sonntag im Regensburger Dom sprach Kardinal Koch über seine Arbeit und die Vielfalt ökumenischer Initiativen der Katholischen Kirche: Achtzehn Dialogprozesse führe der Vatikan zurzeit mit den Christen anderer Konfessionen. ‚Den Dialog und die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Christlichen Weltgemeinschaften zu fördern‘, so bezeichnete 1964 das Konzils-Dekret „Unitatis Redintegratio“ die Aufgabe der päpstlichen Behörde, der Kardinal Koch vorsteht. Papst Johannes XXIII. rief den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen 1960 im Vorfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils als Päpstliches Sekretariat ins Leben. Papst Paul VI. bestätigte ihn nach dem Konzil als ständige Einrichtung des Apostolischen Stuhles.

Gefragt, wie die katholischen Christen mit dem im Jahre 2017 bevorstehenden 500jähriges Reformations-Gedenken umgehen werden, wies Kardinal Koch auf die Zusammenarbeit mit dem Lutherischen Weltbund hin. Man habe gemeinsam eine Hilfestellung für die Christen ausgearbeitet, um das Gedenkjahr im Sinne ökumenischer Verbundenheit begehen zu können. Das Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ zeige die drei Säulen auf, die ein Gedenken im Sinne des biblischen Einheitsgebots tragen können:
„Erstens, dass wir dankbar sind und Freude haben über die Annäherung, die in den vergangenen 50 Jahren geschehen ist zwischen Lutheranern und Katholiken“, so Kardinal Koch, „zweitens dass wir gemeinsam bedauern und beklagen, was wir in der Geschichte einander angetan haben, dass die Reformation zur Kirchenspaltung geführt hat und zu blutigen Konfessionskriegen“.
Drittens müsse der Blick in die Zukunft gerichtet werden. „Dazu haben wir eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die einen Gottesdienst vorbereitet mit diesen drei Elementen. Jede Gruppe, jede Diözese oder Pfarrei ist dann frei, so etwas zu übernehmen.“

Der Aufbau des päpstlichen Rates entspricht den Herausforderungen, vor denen die Ökumene heute steht. Kardinal Koch: „Wir haben zwei Abteilungen im Einheitsrat: die Abteilung Ost und die Abteilung West, weil es zwar unendlich viele Kirchenspaltungen gibt, aber zwei Grundtypen. Der erste Grundtyp, die Spaltung zwischen Ost und West im elften Jahrhundert und die zweite in der Westkirche im 16. Jahrhundert. In der Abteilung Ost haben wir zwei große Dialoge: Den ersten mit allen orthodoxen Kirchen.“ Im Katholisch-Orthodoxen Dialog gebe es ein Hauptthema: „Wie können wir die eucharistische Gemeinschaft zwischen Orthodoxie und katholischer Kirche wieder erreichen? Dazu müssen wir die Frage klären, welche Bedeutung der Primat des Bischofs von Rom für die Wiedervereinigung dieser beiden Kirchen hat“. Der andere Dialog richte sich an die Altorientalischen Kirchen. Sie seien gerade aktuell in den Blick der Weltöffentlichkeit getreten aufgrund der politischen Konflikte in Syrien (Syrisch-Orthodoxe Kirche) und Ägypten (Kopten). Jährliche Treffen, die abwechselnd in Rom und in der orientalischen Welt stattfinden, so Kardinal Koch, ständen vor allem unter dem großen Thema „Communio und Kommunikation zwischen den Kirchen in den ersten 5 Jahrhunderten“. Im Jahre 2012 traf man sich in Äthiopien, dieses Jahr in Rom und 2014 wird es in Indien sein.

16 Dialoge führt der Vatikan mit den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die in der Tradition der Reformation entstanden sind. Unter den Gesprächspartnern sind zum Beispiel Reformierte, Lutheraner, Methodisten oder Anglikaner. Kardinal Koch zur Bedeutung der neuen pfingstlerischen und evangelikalen Bewegungen: „Das ist eine der ganz großen Herausforderungen, weil die ökumenische Situation sich in den letzten 30 Jahren fundamental geändert hat. Die evangelikalen und pentecostalen Bewegungen sind massiv im Wachsen begriffen. Der Pentecostalismus ist heute numerisch die zweitgrößte Realität nach der römisch katholischen Kirche. Wir müssen von einer Pentecostalisierung des Christentums reden.“
In der vergangenen Woche fand in Rom eine internationale Konferenz über diese Frage statt. Kardinal Koch dankte der Deutschen Bischofskonferenz und der Abteilung für weltkirchliche Fragen für ihre große Unterstützung und Zusammenarbeit. „Ich bin sehr dankbar, dass diese Initiative ergriffen wurde“, führt der Kardinal weiter aus. „Diese Konferenz hat einfach gezeigt, wie unendlich verschiedenartig diese Phänomene in Lateinamerika, in Afrika, in Asien oder in Europa sind. Ich sehe eigentlich nur, dass wir vom Einheitsrat her in Zusammenarbeit mit den nationalen oder kontinentalen Bischofskonferenzen diese Fragen wirklich angehen können, weil sie sehr, sehr verschieden sind.“