Bischof hält eine Messe vor dem Stamm der Wolfgangseiche

Brauchtum in Ostbayern: Auf den Spuren des heiligen Wolfgang

Die Sankt Wolfgangseiche


Regensburg, 31. Oktober 2026

Am 31. Oktober ist der Gedenktag des heiligen Wolfgang. Er ist nicht nur Hauptpatron des Bistums Regensburg, sondern auch der Schutzpatron Bayerns, der Zimmerleute, Hirten, Schiffer, Köhler, Bildhauer und der unschuldig Gefangenen. Die Menschen vertrauten auf seine Hilfe bei Gicht, Lähmungen, Fußleiden, Hauterkrankungen und Schlaganfällen.

Insgesamt 22 Jahre lang – von 972 bis zu seinem Tod im Jahr 994 – war Wolfgang Bischof in Regensburg. Seine Grabstätte, die Wolfgangskrypta mit dem vergoldeten Wolfgangsschrein in der Kirche Sankt Emmeram gilt als eines der bedeutendsten romanischen Baudenkmäler in Süddeutschland. 

Spuren im Bistum Regensburg

Vor allem an historischen Pilgerwegen findet man kleine Wallfahrtskirchen und Kapellen, die an den Bistumspatron erinnern. Und sogar ein bedeutendes Naturdenkmal ist nach dem heiligen Wolfgang benannt – die St. Wolfgangseiche, eine der ältesten Eichen Deutschlands. Der beeindruckende Baum steht am Ende einer Allee bei Schloss Haus in Neueglofsheim, einem Ortsteil der Gemeinde Thalmassing. Im Jahre 2025 wurde sie offiziell zum „Nationalerbe-Baum“ erklärt. Über das Alter der Eiche sind sich selbst Experten nicht einig. Sie halten ein Alter zwischen 700 und 850 Jahren für wahrscheinlich, doch Schätzungen reichen von 400 bis 1300 Jahre. 

Sagenumwobener Baum

Obwohl ihr genaues Alter unbekannt ist – ihr Stammumfang von über zehn Metern und die mächtigen Äste machen die Wolfgangseiche zu einem der beeindruckendsten Bäume Deutschlands. Seit Generationen gilt sie als faszinierend, sagenumwoben und außergewöhnlich. Und einer Legende nach stand die Eiche schon vor 1200 Jahren auf ihrem Platz. Denn ihren Namen hat die St. Wolfgangseiche von einem der ersten Bischöfe Regensburgs, dem heiligen Wolfgang (924-994), der vor rund 1000 Jahren unter ihrer Krone stimmgewaltige Predigten gehalten haben soll.

Verschiedene Legenden

Eine andere Legende erzählt, der Heilige habe seinen Sendboten ausgeschickt, um die Menschen zusammenzurufen. Er wollte alle, die sich der neuen Lehre immer noch verschlossen hatten, zum Christentum bekehren. Der getreue Bote machte sich auf den Weg, doch schon bald wurde sein Pferd von Dieben gestohlen. So musste er seinen Weg zu Fuß fortsetzen. Mit letzter Kraft erreichte er eine abgelegene Waldhütte und fiel ermattet in den Schlaf. Plötzlich wurde er vom Wiehern eines Pferdes aufgeschreckt. Eine herrenlose Schimmelstute mit prächtigem Zaum- und Sattelzeug stand vor der Klause und eine gebietende Stimme rief dem Boten zu: „Nimm, reite Tag und Nacht und hole Christen und Heiden für Wolfgang zusammen.“ Er tat wie ihm befohlen und brachte zur rechten Zeit eine große Volksmenge zum Hügel beim heutigen Schloss Haus. Der heilige Wolfgang taufte und predigte, und zum Dank pflanzten die Menschen genau an der Stelle ein Bäumchen, die heute noch stehende St. Wolfgangseiche. 

Monumentale Eiche

Nicht selten wachsen die Äste aus dem Stamm der Eiche bereits wenige Meter über dem Boden. Solch ein Ast, der in nur zwei Metern Höhe fast 12 Meter horizontal nach außen ragt, ist das Merkmal des sagenumwobenen Baumes. Schon auf alten Zeichnungen und Fotos ist diese Besonderheit zu sehen. Ursprünglich war er allerdings freitragend und vermutlich viel dicker als heute. Der Stamm des Methusalem-Baums hat je nach Messhöhe einen gigantischen Umfang von rund 9,80 bis 10,36 Metern. In ihrem langen Leben wurde die alte Eiche schon oft von Blitzen getroffen und der Stamm hat mehrmals gebrannt. Schon seit langem ist er im Inneren fast vollkommen hohl. Trotzdem ist der Baum weiterhin lebendig und wächst – und jedes Jahr im Frühjahr bildet die alte Eiche frisches, grünes Laub aus.

„Nationalerbe-Bäume in Altbayern“

Die Deutsche Gesellschaft für Baumkunde hat es sich zum Ziel gesetzt, insgesamt 100 solcher uralten Bäume zu würdigen, ihre Erhaltung zu sichern und ihre Geschichte sichtbar zu machen.

In Altbayern sind neben der Wolfgangseiche noch vier weitere beeindruckende Uraltbäume als „Nationalerbe-Baum“ aufgeführt. Die berühmte Tassilolinde am Ammersee, eine Sommerlinde mit riesiger Krone, steht seit 2023 auf der Liste. Schon ein Jahr zuvor wurde die Hindenburglinde in Ramsau ausgezeichnet. Sie hat einen gewaltigen Umfang von fast 11 Metern und besitzt noch weitgehend ihren ursprünglichen Baumwipfel. Als „Miss Cembra“ bekannt ist die Schachen-Zirbe im Alpengarten oberhalb von Garmisch-Partenkirchen. Durch ihren Standort auf über 2000 Metern ist sie ein seltener hochalpiner Naturerbe-Baum. Nicht fehlen darf die Urwaldtanne in der Nähe der Ortschaft Zwieslerwaldhaus im Nationalpark Bayerischer Wald. Die über 605 Jahre alte Weißtanne gilt als eine der ältesten, dicksten und höchsten Tannen ganz Deutschlands.


Text: Judith Kumpfmüller

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