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Bischof Rudolf Voderholzer lobt Arbeit der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum Regensburg

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Wenn Ehen in eine Krise geraten  –  dann ist oftmals guter Rat teuer. Deshalb bietet die katholische Kirche bereits seit Jahrzehnten betroffenen Menschen uneingeschränkte Hilfe an: Nämlich bei der „Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung“ im Bistum Regensburg. Diese erhielt vergangenen Freitag Besuch von Bischof Rudolf Voderholzer  -  und gemeinsam beriet man über die aktuellen Herausforderungen für Ehe und Familie.

Die Fakten sprechen für sich: Allein im Jahr 2014 unterstützte die „katholische Ehe-, Familien-  und Lebensberatung“ des Bistums Regensburg in 14376,5 Beratungsstunden 3992 Personen (darunter 1221 Paare), um diese bei persönlichen und familiären Problemen zu unterstützen. Die Zahl der insgesamt im vergangenen Jahr bearbeiteten Fälle belief sich hierbei auf 2701 – Tendenz steigend.

Bischof Rudolf Voderholzer hörte den Schilderungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihres Arbeitsalltags aufmerksam zu. Gleichzeitig lobte er die Arbeit der von Diakon Michael Weißmann geleiteten Beratungsstelle und äußerte den Wunsch, in Fragen der Ehe- und Familienkatechese und Präventionsmaßnahmen zukünftig enger zusammenarbeiten zu wollen.

Wenn Sie Kontakt zur Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Bistums Regensburg aufnehmen möchten, können Sie dieses hier tun. Die Beratung ist übrigens kostenlos und auch als anonyme Online-Beratung möglich. 

 

Interview mit Diakon Michael Weißmann über die Arbeit der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum Regensburg

Diakon Weißmann, was genau leistet die „Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung“?

Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung ist ein psychologischer Fachdienst der Seelsorge im Bistum Regensburg, der bereits seit über 60 Jahren den Menschen zur Seite steht.

Wir sehen unsere Aufgabe in der Beratung und Begleitung von Menschen mit persönlichen, partnerschaftlichen und familiären Problemen, Krisen und Konflikten.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus verschiedenen akademischen Fachrichtungen wie Psychologie, Sozialpädagogik oder Theologie. Sie haben in der Regel eine vierjährige Zusatzausbildung in Ehe-, Familien- und Lebensberatung abgeschlossen oder eine gleichwertige therapeutische Qualifikation.

Was sind häufige Probleme, die an Sie herangetragen werden?

Meist kommen Paare, wenn sie sich in einer Krise befinden, deren Ursachen natürlich vielfältig sind.

Diese reichen von den Wurzeln der Partnerwahl über die Herausforderungen, die mit Übergängen zwischen typischen Beziehungs- und Familienphasen verbunden sind (z. B. wenn aus einem Paar nach der Geburt des ersten Kindes eine Familie geworden ist) bis hin zu den Belastungen, die z. B. eine chronische Krankheit für eine Ehe bedeuten kann und die das Paar nicht mehr konstruktiv bewältigen kann.

Paare kommen auch mit konkreten Anliegen: Wenn sie beispielsweise Intimität und Sexualität achtsamer und erfüllender erleben wollen; eine Scheidung verarbeiten und gut für die Kinder sorgen müssen; ihr Zusammensein als älter werdendes Paar beleben wollen oder ihren Partner in Krankheit, Behinderung und psychischer Not begleiten wollen. Nicht selten suchen manche Menschen zu diesen partnerschaftlichen Themen auch eine Beratung zunächst für sich alleine.

Aber auch zu anderen Anliegen wird Einzelberatung sehr stark in Anspruch genommen: Menschen kommen zu uns wenn sie alleine oder allein gelassen Ihr Leben bewältigen müssen; Leib und Seele vor Erschöpfung und Ausbrennen schützen wollen; unter psychischen Problemen leiden oder nach Bewältigung suchen nach verschiedenen Formen von erlittenen Grenzverletzungen wie sexuellem Missbrauch; bei Glaubens- und Sinnfragen oder einfach, wenn sie einen guten Zuhörer für Ihr Anliegen brauchen.

 Es wird gegenwärtig sowohl in den Medien als auch innerkirchlich in großem Umfang über die Themen Ehe und Familie diskutiert – wie beispielsweise bei der Familiensynode im Vatikan. Wie können Glaube und Kirche grundsätzlich dabei helfen, das Leben positiv zu gestalten?

Ich nehme wahr, dass die Synodenväter hier sehr stark um tragfähige Lösungen ringen, die nahe an den Nöten der Menschen von heute sind. Und als Diakon und Christ bin ich zuversichtlich dass bei der Familiensynode der Heilige Geist mitwirkt und wie Papst Franziskus es vorlebt, Barmherzigkeit in die heutige Zeit übersetzt werden kann.

Die Kirche lässt aber auch heute schon die Menschen nicht alleine. Es gibt viele gute Seelsorger an die man sich zum Gespräch wenden kann. Es gibt Beratungsstellen wie die unsere die dabei helfen wollen, das Leben wieder in den Griff zu bekommen. Wer den Glauben und die Beziehung zu Gott  pflegen möchte findet schier unbegrenzte Möglichkeiten und Angebote die helfen das Leben zu strukturieren und zu bestehen.

Gibt es überhaupt bestimmte Kriterien für ein "gelungenes" Ehe- und Familienleben? Kann man Ehe und Familie "lernen"?

Das ist für jedes Paar und jede Familie individuell. Aber es gibt ein paar Haltungen die wichtig sind und die man vorher schon einüben und später weiterentwickeln kann.

Dazu gehören:

Geborgenheit: Niemand kann leben, ohne irgendwo das zu finden, was wir mit Geborgenheit meinen: menschliche Wärme, Nähe und Beschütztsein. Schon ein einziger Mensch, der uns in seine Arme nimmt, uns an sich drückt und zu uns hält, lässt uns Schwierigkeiten und Stürme des Lebens leichter durchstehen.

Annehmen: Das sagt sich sehr leicht, gehört aber, wenn´s gelingt, zu den größten Leistungen, die ein Mensch vollbringt. "Den Partner annehmen" - das bedeutet: Du darfst bei mir sein, so wie du bist. Verliebtheit ist blind, macht sich was vor. Liebe nimmt die rosarote Brille ab, schaut tiefer, sieht den Menschen, wie er wirklich ist, und sagt trotzdem Ja zu ihm.

Miteinander reden: Gerade im gemeinsamen Alltag Meinungs- und Gedankenaustausch pflegen. Lernen, über alles reden zu können, auch über die intimsten Belange. Nie vergessen, mit Worten zu danken, ehrliches Lob und Anerkennung auszusprechen, Komplimente zu machen. Auch dem Humor und dem Spaß Raum geben.

Zärtlichkeit: viele denken, das fällt uns nicht schwer. Aber auch der Bereich ‘Zärtlichkeit’ und „Erotik“ unterliegt mit den Jahren leicht den Abnützungserscheinungen. Wir brauchen den zärtlichen Umgang, tägliche Streicheleinheiten und ein erfüllendes erotisches Zusammensein.

Im Alltag ist es ebenfalls zu beobachten, dass sich manche Paare in einer Beziehung oder Ehe  unter einen großen „Glücksstress“ setzen.   Darf man in einer Ehe auch einmal „unperfekt“ sein und Fehler machen?

In der Tat! Hier möchte ich allen, die auf dem Weg zur Ehe oder auch mittendrin sind, Mut machen: Ehe ist am Hochzeitstag kein fertiges Produkt, sondern unterliegt einem dauernden Lern- und Wachstumsprozess. Das soll und darf mit Gelassenheit erfüllen: zwei Menschen haben ein Leben lang Zeit, das gemeinsame Leben in Ehe und Familie glücklich zu gestalten und miteinander in der Liebe zu wachsen.