Bischof Rudolf Voderholzer feiert Pontifikalamt zum Fronleichnamstag und zieht in einer großen Prozession durch die Regensburger Innenstadt

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Am „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ - im deutschen Sprachraum kurz Fronleichnam genannt - feierte Bischof  Rudolf Voderholzer mit zahlreichen Gläubigen am Morgen des Festtages ein Pontifikalamt im hohen Dom St. Peter. Bei der Begrüßung wies er darauf hin, dass mit dem Fronleichnamsfest sozusagen ein Bogen zum Gründonnerstag geschlagen werde, an dem die Eucharistie im Abendmahlsaal durch Jesus selbst eingesetzt wurde. Was sich dann auf Golgatha im Opfer Christi erfüllt habe, das trügen wir heute hinaus in die Welt. Bereits zum Pontifikalamt, das die Regensburger Domspatzen kirchenmusikalisch gestalteten, waren zahlreiche Fahnenabordnungen kirchlicher Verbände und Vereinigungen sowie der verschiedenen katholischen Studentenverbindungen in den Dom gekommen. Erstmals vertreten war eine Abordnung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sowie der Deutsche Hospitalité Notre Dame de Lourdes.

 

„Wir sind berufen und befähigt, Christus zu den Menschen zu bringen“

Nach dem Pontifikalamt trat die Fronleichnamsprozession bei schönstem Sonnenschein ihren singenden und betenden Weg durch die Stadt an. Die vier Segensaltäre hatten wieder, wie schon seit Jahren Tradition, an der Karmelitenkirche St. Joseph am Alten Kornmarkt, an der Stiftspfarrkirche St. Cassian, vor der Basilika St. Emmeram und dann am Westportal des Domes ihren Platz. Kunstvoll gestaltete Blumenteppiche schmückten die Altäre, die Straßen wurden von Birken gesäumt. An den vier Altären wurde das Evangelium verkündet, für die vielfältigen Anliegen der Menschen in Stadt, Bistum und der ganzen Weltkirche gebetet und der Segen mit dem Allerheiligsten erteilt. Am Westportal angekommen, richtete Bischof Dr. Rudolf Voderholzer sich in der Predigt an die Gläubigen, zu deren Beginn er dankbar auf den 99. Katholikentag zurückblickte. Er sei ein frohes Fest des Glaubens gewesen, habe eine junge Kirche gezeigt und auch die strittigen Themen aufgegriffen.

 

„Der Katholikentag hat gezeigt“, so sagte der Bischof, „wir Katholiken nehmen Stadt und Welt ins Gebet und gestalten die Welt mit“. Beim Katholikentag sei deutlich geworden, „wir sind berufen und befähigt, Christus zu den Menschen zu bringen“. Bei der Fronleichnamsprozession werde der im eucharistischen Brot gegenwärtige Christus durch die Straßen getragen, „lassen wir unser tägliches Leben von ihm durchdringen“, so forderte Bischof Rudolf die Gläubigen auf. Sicher hätten wir mit unserer Prozession manchen unbeteiligten Passanten neugierig gemacht, „was tun die da, vor wem gehen die da in die Knie?“ Alle ihre Anliegen, Fragen und Sorgen seien mit ins Gebet hineingenommen worden. Mit einem Schmunzeln blickte der Bischof auch auf die laufende Fußball-WM in Brasilien und die Freude und Begeisterung, die zurzeit soviel erfüllt - „Wir haben nichts gegen die wichtigste Nebensache der Welt und freuen uns mit allen“.

 

An diesem Fronleichnamsfest sollten wir uns als Christen aber darüber im Klaren sein, das wir die wichtigste Nebensache nicht mit der Hauptsache verwechseln sollten. „Wir gehen vor dem in die Knie, der unsere Anbetung verdient, bei dem es keine Verlierer gibt und der unser aller Hunger stillt“, so Bischof Rudolf zum Abschluss seiner Predigt. Nach dem Eucharistischen Schlusssegen durch den Bischof stimmten die Gläubigen ins Te Deum ein, in das sich das Domgeläut mischte und zu einem gewaltigen Lobpreis wurde und den Festtag gleichsam krönte. Mit zwei Strophen der Bayernhymne „Gott mit dir, du Land der Bayern“ wurde dann auch noch die Heimatverbundenheit zum Ausdruck gebracht.

 

Stichwort: Fronleichnam in Regensburg

Genau zehn Tage nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, das im deutschen Sprachraum Fronleichnam genannt wird, vom Mittelhochdeutschen „vrône lîcham“ = „des Herren Leib“. In Bayern hat dieses Fest unterschiedliche Namen, so ist z.B. vom Prangertag die Rede, wobei dieser Name sich auf die Prachtentfaltung - das Prangen - zur Ehre des Eucharistischen Herrn bezieht. Erstmals gefeiert wurde das Fest im Jahre 1246 im Bistum Lüttich, das auf die Vision der Heiligen Ordensfrau Juliana von Lüttich zurückgeht. Ein dunkler Fleck auf dem Mond, so deren Vision, habe auf das Fehlen eines Festes zu Ehren des Altarssakraments hingewiesen. Papst Urban IV. hat Fronleichnam dann 1264 zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Christus ist „leibhaftig gegenwärtig“ in der Eucharistie, das ist das Festgeheimnis, das an diesem Tag mit einer großen Prozession durch Dörfer und Städte gefeiert wird. In Deutschland ist dieser Tag nur in den überwiegend katholischen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag, wie z.B. in Bayern, Baden-Württemberg oder im Saarland und Nordrhein-Westfalen. Bereits 1273 gab es die erste Fronleichnamsprozession in Bayern, nämlich in Benediktbeuern. Für die freie Reichs- und Bischofsstadt Regensburg ist erst um 1408 eine Prozession bezeugt, an der die 23 Zünfte der Stadt teilnahmen.

 

Weitere Bilder sehen Sie in unserer Bilderreihe zur Fronleichnamsprozession.