News Bild Bischof Rudolf Voderholzer feiert Pontifikalamt am Grab des sel. Berthold von Regensburg

Bischof Rudolf Voderholzer feiert Pontifikalamt am Grab des sel. Berthold von Regensburg

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Am Grab eines der bedeutendsten Prediger des Mittelalters feierte Bischof Rudolf Voderholzer am 14. Dezember eine Gedenkmesse zu dessen Ehren. An diesem Tag erinnert sich die Kirche an den seligen Berthold von Regensburg, einem Mitglied des Minoriten-Ordens. Das abendliche Pontifikalamt in der Minoritenkirche feierte der Bischof mit Vertretern des Domkapitels und zahlreichen Gläubigen. Bischof Gerhard Ludwig Müller war es, der vor einigen Jahren die Tradition begründete, in der seit rund 200 Jahren profanierten Kirche wieder eine Heilige Messe zu Ehren des großen Seligen zu feiern.

 

"Mit dieser Heiligen Messe heute Abend", so führte Bischof Rudolf in seiner Begrüßung aus, "wird einer der imposantesten Kirchenbauten im Osten der Stadt wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt". Er gratulierte auch allen, die den Namen des Seligen tragen, so z.B. Diakon Berthold Schwarzer, der an diesem Abend am Altar Dienst tat. Die Reliquien des seligen Berthold waren eigens aus der Bischofsgruft im Dom in die Minoritenkirche gebracht worden, die nur vom Schein zahlreicher Kerzen erleuchtet wurde. Das "ensemble passero" (italienisch: Spatz), eine Gesangsformation ehemaliger Domspatzen, war neben den zahlreichen Gläubigen für das gesungene Gotteslob verantwortlich.

 

Vom Propheten Bíleam zum Prediger Berthold

In seiner Predigt blickte Bischof Rudolf Voderholzer zuerst auf die Lesung aus dem 4. Buch Mose (Num 24,2-7.15-17a), in dem der Prophet Bíleam, der eigentlich Israel verfluchen sollte, dieses segnet und die Geburt des Erlösers voraussagt: "Ein Stern geht in Jakob auf". Den außerisraelitischen Propheten Bíleam, ein heidnischer Zeuge der Messias-Erwartung, bezeichnete Bischof Rudolf deshalb als einen adventlichen Menschen. Das Evangelium nach Matthäus (Mt 21,23-27) führte die Gläubigen in die Zeit der Erfüllung der Prophetie des Bíleam mit der Frage Jesu an die Schriftgelehrten "Woher stammt die Taufe des Johannes?" Obwohl sie dem Sohn Gottes begegnen, erkennen sie ihn nicht, sind "sehenden Auges blind".

Bischof Rudolf schlug die Brücke zum seligen Berthold von Regensburg, der all seine Leidenschaft, Fantasie und Redegewandtheit einsetzte, um den Menschen des Mittelalters die Augen für Christus zu öffnen. "Lassen auch wir uns auf die Fürsprache des seligen Berthold", so Bischof Rudolf zum Abschluss seiner Predigt, "von der Finsternis in das Licht der Wahrheit führen".

 

Seliger Berthold von Regensburg

Wohl um 1210 in Regensburg geboren, trat Berthold im Jahre 1226 in das Franziskanerkloster der sogenannten „Minderen Brüder“ ein. Hunderte, gar tausende Zuhörer nennen die Chronisten bei den Predigten des seligen Berthold von Regensburg, der sich als wortgewaltiger und weitgereister Prediger einen Namen machte. Von Berthold sind rund 400 lateinische und rund 70 mittelhochdeutsche Mitschriften von Predigten in ganz Europa überliefert. Die Volkspredigt war, in Zeiten, in denen nur wenige Menschen des Lesens und Schreibens mächtig waren, sozusagen ein Massenmedium. Er verstarb wohl am 13. oder 14. Dezember 1272 in Regensburg und wurde in der Minoritenkirche im südlichen Seitenschiff beigesetzt.

Im Zuge der Klosterauflösung vor rund 200 Jahren im Rahmen der Säkularisation wurde seine Grabplatte in einem Privathaus verbaut, im Jahre 1862 wiederentdeckt und dann im Domkreuzgang platziert. Seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ist das Stadtmuseum in Kirche und ehemaligen Kloster untergebracht. Bertholds Grabplatte hat heute ihren Platz wieder zentral im Chorraum der Kirche. Dort wurde auch die Gedenkmesse für ihn gefeiert. Jeweils zur jährlichen Gedenkmesse werden seine sterblichen Überreste, die ansonsten in einem Holzschrein in der Bischofsgruft des Domes aufbewahrt werden, neben dem Messaltar in der Minoritenkirche platziert.