Bischof Dr. Rudolf Voderholzer segnet Sandkrippe

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer segnet in Deggendorf Deutschlands wohl größte Sandkrippe

„Erstes Geschenk war in Windeln gewickelt“


Deggendorf, 30. November 2025

Bereits zum dritten Mal ist in Deggendorf, am zentral gelegenen Luitpoldplatz, eine Sandkrippe aus den Händen des tschechischen Künsterls Jiří Kašpar entstanden. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer reiste auch dieses Jahr in die niederbayerische Stadt, um die vergängliche Krippe zu segnen und zu bestaunen. Vom 28. November bis zum 6. Januar 2026 kann das Kunstwerk bewundert werden. Es zeigt Maria, Josef und das Jesuskind, umgeben von Ochs, Esel, Kamel und den Heiligen Drei Königen – allesamt modelliert aus gestampften Sand.

Oberbürgermeister Dr. Christian Moser eröffnete den Festakt und begrüßte die zahlreichen Ehrengäste. Er skizzierte die Entstehung der Krippe über die letzten drei Jahre – vom Mittelgebäude über den linken Flügel mit den Königen bis hin zur diesjährigen Vollendung. Das Stadtoberhaupt stellte klar, warum die Stadt diesen Aufwand betreibt. Man feiere die Adventszeit nicht „aus dem Kommerz heraus“, sondern „weil Jesus Christus geboren worden ist“.

Wie beim Marmor: Das Überflüssige wegschlagen

Als bekennender Krippenfreund war Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer am ersten Adventssonntag nach Deggendorf gereist. Er gratulierte der Stadt zur „wahrscheinlich größten Sandkrippe Deutschlands“. Fasziniert zeigte sich der Bischof von der handwerklichen Leistung. Er zog einen Vergleich zur klassischen Bildhauerei: Es sei wie beim Marmor, man müsse „nur das Überflüssige wegschlagen“, scherzte er anerkennend über die gestampften Sandblöcke, aus denen die Figuren herausgearbeitet wurden.

Theologisch deutete Voderholzer die Krippe durch die Brille der tschechischen Nachbarn. Er erklärte den Anwesenden, dass man in den slawischen Sprachen eine solche Darstellung nicht nach dem Futtertrog benenne, wie im Deutschen, sondern nach dem „Ort des Geschehens“. In Tschechien heiße die Krippe „Betlém“ – man stellt also ein ganzes Bethlehem zu Hause auf. Die tiefste Botschaft des Abends formulierte der Bischof mit Blick auf die Bescherung: „Warum beschenken wir uns eigentlich an Weihnachten?“, fragte er in die Menge. Seine Antwort war eindringlich: „Das erste Weihnachtsgeschenk der Weltgeschichte ist nicht in Geschenkpapier eingewickelt, sondern in Windeln.“. Gott schenke sich uns selbst – und als Beschenkte dürften wir weiterschenken.

„Böhmische Krippe auf bayerischem Boden“ 

Bischof Rudolf lobte ausdrücklich die grenzüberschreitende Dimension des Werkes. Mit Blick auf den Prager Künstler Jiří Kašpar und die tschechischen Gäste sprach er anerkennend von einer „böhmischen Krippe auf bayerischem Boden“. Auch an die musikalische Tradition der Nachbarn erinnerte er : „Zu einer echten böhmischen Krippe gehören eigentlich immer Musikanten.“. Diese Rolle übernahmen an diesem Abend die jungen Talente der „Musikschule Klangwelt“ unter der Leitung von Laura Weichselgartner, die die Feier mit festlichen Weisen umrahmten. Den Höhepunkt der Feierstunde bildete die Segnung. So besprengte Bischof Voderholzer die Sandfiguren mit Weihwasser und inzensierte sie mit Weihrauch. Er bat darum, dass das Bild der Krippe vielen Menschen „die Augen öffnen möge für das Geheimnis der Weihnacht“. Die Sandkrippe am Luitpoldplatz bleibt nun bis zum Dreikönigstag ein leuchtendes Zeichen der Hoffnung inmitten der Deggendorfer Altstadt.

Text und Fotos: Sabrina Melis
(jas)



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