blick auf gläubige und bischof rudolf in der wallfahrtskirche wigratzbad

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer feiert Rosenkranzfest in Wigratzbad

Rosenkranz führt in Mitte christlichen Glaubens


Wigratzbad, 7. Oktober 2026

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hat am Mittwoch, 7. Oktober, zum Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, erstmals einen Pontifikalgottesdienst in der Gebetsstätte Wigratzbad (Bistum Augsburg/Lkr. Lindau, Bodensee) gefeiert. In seiner Predigt erläuterte er, wie eng das Rosenkranzgebet mit der Heiligen Schrift verbunden ist und welche Bedeutung es für das persönliche Glaubensleben hat. Er dankte den Gläubigen für ihre Treue zum gemeinsamen Gebet und erinnerte daran, dass die Kirche auch für jene Menschen betet, denen in ihrer Not die Worte fehlen. In diesem Jahr erinnert die Gebetsstätte außerdem an die Einweihung der Lourdesgrotte vor 90 Jahren, die Weihe der Sühnekirche vor 50 Jahren und die Gründung der Rosenkranzbruderschaft vor 40 Jahren.

90 Jahre Gebetsstätte Wigratzbad

Bei der Begrüßung hieß Pater Florian Maria Kerschbaumer OJSS, Rektor der Gebetsstätte Wigratzbad, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer herzlich willkommen. Der Rektor erinnerte auch an die Anfänge des Wallfahrtsortes. Vor 90 Jahren, am 11. Oktober 1936, wurde die von Antonie Rädler errichtete Lourdesgrotte eingeweiht. Die Tochter eines Landwirts und Metzgermeisters hatte die Grotte auf dem Grundstück ihrer Eltern errichten lassen. Bald versammelten sich dort Gläubige zum gemeinsamen Rosenkranzgebet. Ab 1938 entstand die Gnadenkapelle Maria vom Sieg, die 1940 benediziert wurde und bis heute zur Gebetsstätte gehört.

Auch die Sühnekirche feiert in diesem Jahr ein Jubiläum. Am 30. Mai 1976 wurde sie vom Augsburger Bischof Josef Stimpfle geweiht. Seit ihrer Weihe sind 50 Jahre vergangen. Die Rosenkranzbruderschaft, deren Gründung auf das Jahr 1986 zurückgeht, besteht seit 40 Jahren.

Bischof Dr. Voderholzer erinnerte in seiner Statio an die Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571. Angesichts der Auseinandersetzung mit der osmanischen Flotte hatte Papst Pius V. zum Rosenkranzgebet aufgerufen. Nach dem Sieg der christlichen Flotte führte er zum Dank einen Gedenktag ein. Sein Nachfolger Gregor XIII. stellte mit der Bezeichnung Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz die Verehrung der Gottesmutter und das Rosenkranzgebet stärker in den Mittelpunkt des Festes. Ohne den Sieg von 1571 hätte die Geschichte des Abendlandes vermutlich einen anderen Verlauf genommen, gab der Bischof zu bedenken. 

Bischof Rudolf feierte das Pontifikalamt gemeinsam mit den Konzelebranten der Gebetsstätte, Pfarrer Bernhard Kügler, Pfarrer Martin Jung, Pater Korbinian Glasl und Pater Florian Kerschbaumer. Mit Blick auf die gegenwärtigen Kriege verwies der Regensburger Oberhirte auf Papst Leo XIV., der die Katholiken aufgerufen hatte, im Oktober besonders den Rosenkranz für den Frieden zu beten. Der 7. Oktober erinnere seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Jahr 2023 außerdem an das Leid der Opfer und die fortdauernden Folgen der Gewalt.

 

Der Rosenkranz als biblisches Gebet

Als Bischof Rudolf in Wigratzbad eintraf, beteten die Gläubigen bereits den Rosenkranz. Diese Vorbereitung auf die Heilige Messe kenne er von seinen Pastoralbesuchen im Bistum Regensburg. Meist begännen einige Vorbeterinnen, denen sich nach und nach die übrigen Gottesdienstbesucher anschlössen. Das Gebet helfe, zur Ruhe zu kommen und sich auf die Eucharistie vorzubereiten. Während die Gläubigen im Rosenkranz das Leben Jesu betrachteten, begegne ihnen Christus in der Heiligen Messe im Wort des Evangeliums und im Brot des Lebens.

Auch für ihn selbst sei das Rosenkranzgebet eine Herausforderung, besonders wenn er allein bete, erklärte Bischof Rudolf. Es verlange innere Sammlung und die Bereitschaft, die abschweifenden Gedanken immer wieder zum Gebet zurückzuführen. Dabei führe der Rosenkranz zu den Grundlagen des christlichen Glaubens.

Am Anfang stehe das Glaubensbekenntnis mit dem Bekenntnis zum dreifaltigen Gott, das zugleich an die Taufe erinnere. Die anschließenden Bitten um Glaube, Hoffnung und Liebe griffen die drei göttlichen Tugenden auf, die bereits der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther hervorhebt. Der erste Teil des Ave Maria stamme aus dem Lukasevangelium und verbinde den Gruß des Engels Gabriel bei der Verkündigung mit den Worten Elisabeths bei der Begegnung mit Maria.

Freudenreiche, schmerzhafte und glorreiche Rosenkranzgeheimnisse

Die Rosenkranzgeheimnisse führten durch das Leben Jesu. Der freudenreiche Rosenkranz betrachte seine Menschwerdung und Kindheit, der schmerzhafte sein Leiden und Sterben und der glorreiche seine Auferstehung und Verherrlichung. Papst Johannes Paul II. habe 2002 die lichtreichen Geheimnisse mit Ereignissen aus dem öffentlichen Wirken Jesu ergänzt.

Bischof Rudolf berichtete, dass er bei Krankenbesuchen oder der Erkrankung eines Priesters gerne die Heilungswunder Jesu in sein Rosenkranzgebet aufnehme. Er denke dabei an die Heilung der Schwiegermutter des Petrus, die Heilung eines Aussätzigen oder die Auferweckung des Lazarus. Bei der Predigtvorbereitung betrachte er mitunter einzelne Worte und Gleichnisse Jesu.

 

Gemeinsam beten und füreinander eintreten

Ministrantinnen und Ministranten, die bei seinen Gottesdiensten dienen, schenke er einen Regensburger Rosenkranz mit einer kleinen Gebetsanleitung, berichtete Bischof Rudolf. Die meisten wüssten bereits, wie man den Rosenkranz bete, was ihn besonders freue. Die Weitergabe dieser Gebetsform an junge Menschen sei ihm wichtig.

Bei seinen Pastoralbesuchen erlebe er immer wieder, wie das gemeinsame Rosenkranzgebet den Einzelnen helfe, besonders wenn die Gedanken abschweiften oder die Konzentration nachlasse. In Gebetskreisen, Wallfahrtsgruppen und Rosenkranzgemeinschaften könnten sich die Gläubigen gegenseitig im Gebet tragen.

Bischof Rudolf dankte den Verantwortlichen der Gebetsstätte Wigratzbad sowie allen Gläubigen, die seit vielen Jahren den Rosenkranz beten und andere dazu einladen. Abschließend erinnerte er an Menschen, die das Beten nie gelernt hätten oder denen angesichts von Krankheit, Leid und Verzweiflung die Worte fehlten. Auch sie sollten die Gläubigen in ihre Gebete aufnehmen und für sie beten.

Im Anschluss an den Pontifikalgottesdienst führte Rektor Pater Florian Maria Kerschbaumer OJSS den Bischof bei einem Rundgang durch die Gebetsstätte Wigratzbad.

Text und Fotos: © Stefan Groß
(SG)



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