News Bild Bewährte Zugänge zum Verständnis der Bibel wiederentdecken – Bischof Voderholzer rückt sie in den Blick

Bewährte Zugänge zum Verständnis der Bibel wiederentdecken – Bischof Voderholzer rückt sie in den Blick

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(pdr) Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hat am Dienstagabend im Diözesanmuseum Obermünster Regensburg seinen jüngsten Band „Offenbarung, Tradition, Schriftauslegung. Bausteine zu einer christlichen Bibelhermeneutik“ vorgestellt. Das Buch, das 208 Seiten umfasst, ist kürzlich im Verlag Friedrich Pustet Regensburg erschienen. Verleger Friedrich Pustet sagte in seinen einführenden Bemerkungen zu Beginn der Buchvorstellung, die Bibelhermeneutik – die Frage, wie die Heilige Schrift zu verstehen sei – zähle zu den zentralen Themen von Dr. Voderholzer. Er hatte bis zu seiner Berufung als Bischof von Regensburg als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät Trier gelehrt. Der vorliegende Band helfe nun, eine Lücke zu schließen, stellte Verleger Friedrich Pustet fest. Zunächst hatte Dr. Hermann Reidel, Diözesankonservator und Leiter der Diözesanmuseen, die sehr zahlreich Anwesenden begrüßt und Bischof Voderholzer gedankt, dass er ins Diözesanmuseum gekommen ist. Dr. Reidel erinnerte an Papst Paul VI. (1963-1978), der für das Verhältnis von Kirche und Künstlern Wegweisendes gesagt und initiiert hat.

In dem vorliegenden Buch geht es um die systematische Darstellung einer christlichen Verstehenslehre. Behandelt werden die Fragen, wie das Dogma und die Geschichte, die Offenbarung und die Bibelauslegung (Exegese) zueinander stehen. Auch wird dabei die nicht zutreffende Auffassung in Frage gestellt und widerlegt, wonach das Christentum eine Buchreligion sei.

Prof. Dr. Stefan Oster SDB hatte sich für die Moderation des Gesprächs mit dem Regensburger Bischof zur Verfügung gestellt, um der grundlegenden Bedeutung der Themen entsprechend die Aussagen von Dr. Voderholzer der Öffentlichkeit zu vermitteln. Dabei wurden zunächst die Theologen genannt, mit denen sich Rudolf Voderholzer in der Vergangenheit beschäftigt hatte bzw. deren Theologie ihn maßgeblich geprägt haben: Maurice Blondel, Henri de Lubac, Hans Urs von Balthasar, Michael Faulhaber und Joseph Ratzinger. Auch wurde auf die Bedeutung des katholischen Publizisten Fritz Gerlich in diesem Zusammenhang hingewiesen.

In den folgenden Gesprächen war zu erfahren, dass gemäß Zweitem Vatikanischem Konzil die Heilige Schrift keine Offenbarungsquelle sei in dem Sinne, wie dieser Begriff etwa für die Tradition gilt. Vielmehr werde darin das geschichtliche Ereignis, letztlich die Person Jesu Christi selbst bezeugt, wie sie in der Erzählgemeinschaft ihren Niederschlag gefunden habe und auch verschriftlicht worden ist. Die Überlieferung sei dagegen etwas Umfassenderes. Das Anliegen von Bischof Voderholzer ist es, die Bücher der Heiligen Schrift gemäß den Möglichkeiten der bekannten Rezeptionsästhetik zu verstehen und auszulegen. Dabei können Sinngehalte erschlossen werden, die selbst dem Autor nicht im Bewusstsein standen. Erhebliche Bedeutung kommt die Bibelhermeneutik auch dann zu, wenn es um Begründungen der kirchlichen Moralverkündigung oder um ökumenische Gespräche geht. Der Regensburger evangelische Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss war unter den Gästen der Buchvorstellung und drückte – über tagesaktuelle Fragen hinaus – seine Verbundenheit mit dem Ansatz aus, die Heilige Schrift immer besser von der Mitte her zu verstehen, die Jesus Christus selbst ist.

Zentraler Punkt des Abends war die Vorstellung der Lehre vom vierfachen Schriftsinn. Bibelstellen lassen sich nicht nur als konkrete historische Aussagen in einem buchstäblichen Sinne verstehen. Sondern sie können auch als allegorische Aussagen über die Glaubenswirklichkeit, moralisch als Handlungsanweisung für den Glaubenden und „hinaufführend“ als Ausdruck der Hoffnung (anagogisch) gelesen werden. Eine Wiederentdeckung und Vertiefung dieses altkirchlichen Befundes hatte Henri de Lubac in seiner bahnbrechenden Schrift „Exégèse médievale“ bewirkt, die Dr. Voderholzer unter dem Titel „Typologie, Allegorie, geistiger Sinn: Studien zur Geschichte der christlichen Schriftauslegung“ übersetzt und somit auch einer deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Im Anschluss an die Buchvorstellung gab es noch Gelegenheit, die erfahrenen Inhalte im persönlichen Gespräch mit Bischof Voderholzer zu vertiefen.

Hier können Sie das Buch erwerben.