Gesprächssituation zwischen 3 Menschen.

Betroffenenbeirat der Diözese Regensburg

Begegnung, Austausch, Hoffnung


Regensburg, 11. Februar 2026 

Am 18. November 2025 fand der Europäische Gedenktag für die Betroffenen von sexuellem Missbrauch statt. Aus diesem Anlass lud der Betroffenenbeirat der Diözese Regensburg (BBR) zu einem gemeinsamen Treffen ins Emmeramscafé in Regensburg ein. Die Veranstaltung bot betroffenen Frauen und Männern einen Raum für Information, Gespräch, Vernetzung und Austausch. 15 Teilnehmer fanden sich ein, um miteinander ins Gespräch zu kommen und ihre Erfahrungen zu teilen.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Pfarrer Roman Gerl die Anwesenden als Hausherr und stellte das Emmeramsforum als einen Ort der offenen Begegnung und Hoffnung vor. Mit dem Satz „Lernen, Mensch zu sein“ unterstrich er die Bedeutung des Austauschs und der gemeinsamen Arbeit an der Aufarbeitung des Missbrauchs. Herr Günter Schmidbauer, Koordinator des Bistums für die Aufarbeitung des Missbrauchs, brachte Grüße des Bistums mit und stellte sich als Anlaufstelle für Fragen zum Thema Datenschutz und zur Unterstützung der Aufarbeitungsarbeit vor.

Der Nachmittag war geprägt von verschiedenen Beiträgen der BBR-Mitglieder, die die Veranstaltung mit Informationen und persönlichen Eindrücken gestalteten. Überraschend wurden die Teilnehmer von den Baristas des Cafés mit Kaffee, Kuchen und Schnittchen verwöhnt, wobei ein Mitglied des BBR die Rolle des Kellners übernahm.

Zu Beginn des Treffens erklärte der 2. Sprecher des BBR den Ablauf, doch schon bald zeigte sich, dass der Nachmittag nicht ohne Herausforderungen verlaufen würde. Missbrauchsbetroffene äußerten Misstrauen, Wut, Frustration und Enttäuschung, aber auch Vorurteile und Unkenntnis. Dennoch war spürbar, dass trotz dieser schwierigen Stimmung ein gemeinsames Ziel verfolgt wurde: das Vertrauen wiederherzustellen und den Dialog fortzusetzen. In einem konstruktiven Moment sagte eine Teilnehmerin zum 2. Sprecher des BBR: „Du bist also gleichsam unser Klassensprecher. Wir gehören somit alle zusammen.“ Dies verdeutlichte, wie der Austausch am Ende dazu beitrug, das Gefühl der Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit zu stärken.

Im Laufe des Gesprächs konnten zahlreiche Vorurteile und Missverständnisse ausgeräumt werden. So wurde der BBR als ein völlig unabhängiges Gremium der Kirche erklärt, dessen Mitglieder ehrenamtlich tätig sind und sich verantwortungsvoll mit der Aufarbeitung des Missbrauchs auseinandersetzen. Ein wesentlicher Bestandteil des Treffens war die Auseinandersetzung mit verschiedenen Beispielen der BBR-Arbeit, die verdeutlichten, dass der Beirat nicht nur mit der Kirche zusammenarbeitet, sondern auch aktiv in der Gesellschaft wirkt.

Missbrauchsthematik in die Gesellschaft tragen

Ein erstes Beispiel war die Arbeit zum Fall Eslarn, in dem der BBR mit einer Straßenumwidmung in einer Gemeinde konfrontiert war, die nach einem verurteilten Missbrauchstäter benannt war. Auch wenn die Bürger von Eslarn die Umwidmung ablehnten, war der BBR stolz darauf, dass die Medien das Thema weiterhin öffentlich behandelten. Ein weiteres Beispiel war die kontinuierliche Arbeit des BBR in Fortbildungsveranstaltungen, Pfarreien und Schulen, um das Thema Missbrauch in der Gesellschaft zu verankern. Besonders beeindruckend war die theaterpädagogische Arbeit eines BBR-Mitglieds, das mit einem Theaterstück und einer anschließenden Podiumsdiskussion auf das Thema aufmerksam machte.

Austausch und Ausblick

Nicht zuletzt ging es auch um die Zukunft: Vier Mitglieder des BBR sind in der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) tätig und arbeiten an wissenschaftlichen Studien, die den Missbrauch im Bistum untersuchen. Betroffene sind also direkt an der Aufarbeitung des Missbrauchs beteiligt, um die Ursachen und Präventionsmaßnahmen zu erarbeiten.

In der Kaffeepause wurde schnell deutlich, wie sehr die Teilnehmer den Austausch untereinander suchten. Viele nutzten die Gelegenheit, um ihre Erfahrungen zu teilen, sich zu vernetzen und Unterstützung zu finden. Dieses Gespräch trug wesentlich zur Vertrauensbildung bei und machte den Nachmittag für alle Beteiligten zu einer wertvollen Erfahrung.

Ein zentrales Ergebnis des Treffens war, dass Vertrauen hergestellt wurde – sowohl zwischen den Betroffenen und dem BBR als auch zwischen den Teilnehmern untereinander. Durch den intensiven Austausch und die transparenten Informationen konnten Vorurteile und Fehlinformationen abgebaut werden. Der BBR ist überzeugt, dass das Ziel des Nachmittags erreicht wurde, wie auch die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer in den Evaluationsbögen bestätigen.

Das Treffen fand in einem sehr positiven Rahmen statt, und alle Beteiligten sind sich einig, dass diese Form des Dialogs und Austauschs auf jeden Fall wiederholt werden sollte. Der BBR bedankt sich herzlich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre Offenheit und Zusammenarbeit sowie bei den Mitarbeiterinnen des Emmeramscafés und der Leiterin Frau Ferst für die hervorragende Bewirtung und Aufnahme. Ein besonderer Dank gilt auch den Vertretern des Bistums für die Unterstützung und die Übernahme der Kosten für diesen wichtigen Nachmittag.

 

Text: Betroffenenbeirat der Diözese Regensburg

(chb/js)

Weitere Infos

Kontakt zum Betroffenenbeirat im Bistum Regensburg können Sie unter folgenden Kontaktdaten aufnehmen:

E-Mail: kontakt(at)bbr-regensburg.de

Oder im Web: www.bbr-regensburg.de



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