News Bild Über allem die Eucharistie als „Sturzbach der Gnade“: Prof. Dr. Marianne Schlosser sprach in Regensburg über die geistliche Tiefe des Albertus Magnus

Über allem die Eucharistie als „Sturzbach der Gnade“: Prof. Dr. Marianne Schlosser sprach in Regensburg über die geistliche Tiefe des Albertus Magnus

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Prof. Dr. Marianne Schlosser hat kürzlich im Rahmen des Akademischen Forums Albertus Magnus gesprochen. Ihr Thema lautete: „Über die Eucharistie – Albertus Magnus' Kommentare zur Feier des Gottesdienstes und zum Altarsakrament.“ Zu der herausragenden Veranstaltung im Thon-Dittmer-Palais am Haidplatz in Regensburg waren Interessierte sehr zahlreich erschienen. Es entwickelte sich im Anschluss an den Vortrag ein anregendes Gespräch über das Geheimnis der Eucharistie.

Einen Überblick über maßgebliche Aussagen gibt das folgende Interview, das wir kurz vor der Veranstaltung mit Prof. Dr. Schlosser geführt haben. Sie wirkt als Universitätsprofessorin für Theologie der Spiritualität an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Außerdem wurde sie von Papst Franziskus als Mitglied der Internationalen Theologenkommission berufen.

 

„Albertus Magnus wollte, dass die Menschen Gott erkennen“: Interview mit Marianne Schlosser

Frau Prof. Schlosser, wer war eigentlich der heilige Albertus Magnus?

Der heilige Albertus Magnus hatte weitgespannte Interessen: Nicht nur die Beobachtung von Tieren, Pflanzen, Mineralien, sondern auch philosophische Fragen. Und er hatte sehr viele Begabungen: In Regensburg regelte er als Bischof die in Schieflage geratenen Finanzen, in Köln trat er in einer verfahrenen Situation als Schlichter auf.

Was aber waren seine Schwerpunkte angesichts dieser Fülle an Tätigkeiten und Interessen?

In erster Linie war Albert Dominikaner, also Prediger und Seelsorger.

Und der Theologe?

Der Ordensgründer Dominikus wollte, dass seine Brüder solide Theologie an den besten Einrichtungen studierten. Für Albert ist Theologie Wissenschaft, Wissenschaft von Gott, wobei Gott allerdings kein Gegenstand wie alles andere ist.

Welche Art von Gegenstand ist Gott aber dann?

Gott ist personal; und das heißt: Um Gott zu erkennen, bedarf es der Bereitschaft zu einer Beziehung, einer besonderen Nähe, in Liebe und Ehrfurcht. Man muss sich einlassen auf ihn. Dann hat öffnen sich die Augen, um Gott zu erkennen. Albert wollte als Theologe und Seelsorger auch anderen Menschen den Blick öffnen, um die Größe und Wunder Gottes zu sehen und zu erkennen.

Es geht also um Wunder.

Das größte aller Wunder ist allerdings, wie Albert schreibt, der „Sturzbach der Gnade“: die Eucharistie. In seinem Doppel-Werk über die Eucharistie erläutert er im ersten Teil die Mess-Feier, und im zweiten Teil dann das Altarsakrament für sich genommen. Übrigens ist Alberts Buch keine Meditation, keine Predigt, aber auch keine Rubriken-Erläuterung, sondern es ist ein theologisch-wissenschaftliches Werk: Die einzelnen Gebete und Gesten werden erläutert, wichtige Glaubensinhalte – etwa die Art der wirklichen Gegenwart Christi – argumentativ vertieft, aktuelle Fragen diskutiert. Das Ziel ist, zu einer lebendigen Mitfeier anzuleiten, die Routine zu durchbrechen. Dieses Werk wirft heute noch Strahlen! Es ist eine Theologie mit mystagogischem Anspruch.

Was heißt mystagogisch?

Das, was hier gefeiert wird, immer tiefer zu verstehen und mitzuvollziehen, daraus zu leben. Denn das Geheimnis der Liebe Gottes, gerade in diesem Sakrament, ist unausschöpflich. Dafür will Alberts Werk die Augen des Verstandes und des Herzens öffnen.

Die Fragen stellte Dr. Veit Neumann.