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Zur Neuigkeit
Bekommt Australien eine Heilige der Vergebung?
Einblick in die Weltkirche
Regensburg, 22. Januar 2026
In ihrer Jugend war Jan Ruff-O’Herne in einem japanischen Lager interniert und wurde als Sexsklavin missbraucht, gefoltert und geschlagen. Ihr Glaube bewahrte sie vor Verzweiflung und gab ihr die Kraft, zu vergeben.
Der katholische Priester Pater Roderick O'Brien aus dem Erzbistum Adelaide in Australien setzt sich für die Heiligsprechung der im Jahr 2019 verstorbenen Jan Ruff-O'Herne ein. Die Australierin lebte in den letzten Jahren ihres ereignisreichen Lebens in einem Pflegeheim in Adelaide. Sie hatte in ihrem Leben einen ganzen Schrank mit Auszeichnungen gesammelt. Dazu gehört der Orden von Oranien-Nassau aus den Niederlanden ebenso wie zwei australische Jubiläumsmedaillen und ein RSL ANZAC Friedenspreis. Sie war außerdem Offizierin des Order of Australia und Dame Commander des Order of St Sylvester. Eine Auszeichnung, davon ist der Priester überzeugt, könnte die herausragendste von allen sein, falls sie eines Tages den Titel "Heilige" mit Mary MacKillop, der ersten australischen Heiligen, teilen wird. Pater O'Brien möchte gerne ihre Tugenden und ihre Heiligkeit bekannter zu machen. Dabei steht an erster Stelle die heroische Fähigkeit der Frau zur Vergebung. Sie hatte viel zu verzeihen. Ihr waren Wunden geschlagen worden, die ihr ihr ganzes langes Leben begleiteten.
„Jan ist ein Vorbild für alle möglichen Menschen. Menschen, die Vergewaltigung und andere Missbrauchsformen erlitten haben, zivile Kriegsopfer, Flüchtlinge, Migranten, Lehrer, Betreuer, Ehepartner, Aktivisten, Künstlerinnen, Frauen und Franziskanerinnen", sagt Pater O'Brien. Jans schmerzhafte Geschichte begann in Niederländisch-Ostindien, das Land ist heute als Indonesien bekannt. Sie wurde im Jahr 1923 auf Java in eine wohlhabende Familie geboren. Die Eltern betrieben eine Zuckerrohrplantage und eine Zuckerfabrik in der Nähe von Semarang in Zentraljava in Niederländisch-Ostindien. Dort hatte sie bis in ihre späten Teenagerjahre eine glückliche Zeit verbracht. Sie wurde von kultivierten Eltern und einem Großvater mit reichem Wissen in Kunst, Musik und Literatur erzogen.
Von der Idylle zum Alptraum
Es war eine glückliche katholische Familie, in der sie aufwachsen durfte. Das junge Mädchen besuchte eine franziskanische Grundschule. Sie wurde danach zur Lehrerin an einem franziskanischen Lehrerkolleg ausgebildet. Was nach einer Idylle klingt, wandelte sich nur wenige Jahre später in einen Alptraum. Die plötzliche Invasion japanischer Streitkräfte im März 1942 veränderte alles. Ihr Vater war einige Monate vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 bereits in die niederländischen Streitkräfte in Niederländisch-Ostindien eingezogen worden. Auf der Insel Java ergaben sich die niederländischen Truppen schnell den Japanern. In der Folge wurden am 8. März etwa 100.000 Niederländer in Kriegsgefangenenlagern oder zivilen Internierungslagern festgehalten. Etwa 47.000 Frauen und Kinder wurden vom Rest der Bevölkerung getrennt und in mehreren verschiedenen Lagern außerhalb von Semarang interniert. Jan und ihre ganze Familie wurden in einem dieser Gefangenenlager interniert. Im Februar 1944 wurde die 21-jährige Jan zusammen mit sechs weiteren jungen Frauen in ein Bordell für japanische Soldaten geschickt. Die Einrichtung trug den Namen „Das Haus der sieben Meere“. Die Japaner nannten die missbrauchten Frauen euphemistisch „Trostfrauen", doch sie waren nichts als brutal behandelte Sexsklavinnen. In den folgenden drei Monaten wurde sie jeden Tag und jede Nacht vergewaltigt und geschlagen. Ein Arzt untersuchte die Frauen wöchentlich auf Geschlechtskrankheiten. Auch der Arzt vergewaltigte die Frauen. Das Leben in diesen Häusern glich der Hölle für die meist jungen Frauen. Doch selbst mitten in ihrer unerträglichen Qual verzweifelte Jan nicht. Pater O’Brien deutet das so: „Ihr Glaube scheint mir so stark verankert gewesen zu sein, zuerst in einer liebevollen, glaubenserfüllten Familie und danach in ihrer franziskanischen Ausbildung.“
Auch Jan selbst kam zu Wort, als sie 2007 vor einem Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses in Washington, D.C. über ihre Erfahrungen sprach: „Während der Zeit in der Comfort Station hatten mich die Japaner misshandelt und gedemütigt. Ich blieb mit einem Körper zurück, der überall zerrissen und zersplittert war. Die japanischen Soldaten hatten mein junges Leben ruiniert. Sie hatten mir alles genommen. Sie hatten mir meine Jugend, mein Selbstwertgefühl, meine Würde, meine Freiheit, meinen Besitz und meine Familie genommen.“
Die Liebe zu Gott lässt sich nicht nehmen
Sie sprach auch darüber, wie sie die Qualen und Demütigungen überleben konnte: „Aber es gab eine Sache, die sie mir niemals nehmen konnten. Es war mein religiöser Glaube und meine Liebe zu Gott. Das war meins und niemand konnte mir das nehmen. Es war mein tiefer Glaube, der mir geholfen hat, all das zu überleben, was die Japaner mir angetan haben.“ So wurde eine Aussage in einer Untersuchung zum Zeugnis eines beeindruckenden Glaubens. Nach dem Krieg unterdrückte Jan ihre Qualen.
Sie lernte Tom Ruff, einen britischen Soldaten, der in Burma kämpfte, kennen und lieben. Sie heirateten 1946 in England und wanderten 1960 nach Adelaide aus. Obwohl Ihr Mann ihre schreckliche Geschichte kannte, sprachen sie nie darüber. Sie liebten sich einfach. Und die Liebe linderte, was nicht anders als durch Liebe und Vergebung heilen konnte. Im Jahr 2001 sprach sie in einem Interview darüber: „Ich war nicht schmutzig. Ich war nicht beschmutzt. Ich war nicht anders. Nicht in Toms Augen“, bekannte sie, „Ich war einfach schön in Toms Augen und er war schön für mich.“
Doch die bitteren Tage der Demütigung und Qual hatten Jan sowohl psychisch als auch körperlich gezeichnet. Schließlich bekam sie zwei Töchter, jedoch erst nach mehreren Fehlgeburten und einer Operation. 50 Jahre lang schwieg sie über ihr Leid. Der Umgang mit dem Trauma der Vergewaltigung war nicht das einzige Kreuz in Jans Leben. 1975 erlitt Tom einen Hirnschaden, nachdem er von einem Auto angefahren worden war. Anstatt ihn in ein Pflegeheim zu geben, verließ sie ihren Beruf als Lehrerin, den sie so sehr liebte, um sich bis zu seinem Tod im Jahr 1995 um ihren Mann kümmern zu können. „Ich hatte Tom geheiratet, in guten und in schlechten Zeiten. Ich hatte das Bessere, was danach kam, war das Schlimmste", schrieb sie über die Zeit der Pflege. Sie lebte auch danach ihr Leben weiter, sie war eine liebevolle Mutter, ein begeistertes Mitglied des Pfarrchors und eine weltliche Franziskanerin. Niemand in ihrem Umfeld wusste, was sie im Krieg durchgemacht hatte. Erst Anfang der 1990er Jahre, als sie erfuhr, dass koreanische „Trostfrauen“ eine Entschuldigung von der japanischen Regierung forderten, schloss sie sich der Kampagne an.
Vergebung ist möglich
Im Dezember 1992 sagte sie bei der Internationalen öffentlichen Anhörung zu japanischen Kriegsverbrechen in Tokio aus. Im Jahr 1994 veröffentlichte sie ihre Memoiren. In „Fifty Years of Silence“ schrieb sie über ihre Erfahrungen. Erstaunlicherweise war Jan nicht verbittert. In ihrem Kopf musste der Weg zur Heilung durch Vergebung führen. Ihr Buch beschreibt einen elektrisierenden Moment in Kyoto im Jahr 2003. Sie saß bei einem Versöhnungsdinner zwischen zwei älteren Herren, die beide im Zweiten Weltkrieg Soldaten gewesen waren. Einer von ihnen gab zu, dass er die „Komfortstationen" ausgenutzt hatte. Dann ergriff die Frau die Initiative: „Diese Soldaten“, sagte sie, „bekamen Sexsklaven auf dieselbe Weise, wie sie eine Packung Zigaretten bekamen. Es war ziemlich erschreckend, neben diesem Mann zu sitzen, der unschuldige junge Mädchen vergewaltigt hatte. Wir sahen uns in die Augen und ich sagte ihm, dass ich ihm vergeben hatte. Das mag seltsam erscheinen, aber wir haben es angenommen. Ich als Opfer hatte den ersten Schritt gemacht, und er konnte reagieren. Es war für uns beide heilend.“
Pater O'Brien ist so sehr überzeugt von der Heiligkeit von Jan Ruff-O'Herne, dass er Artikel über ihre Tugenden schreibt, über Glauben, Hoffnung, Liebe, Freundschaft, Armut und Vergebung, die sie in ihrem Leben gezeigt hat. Ganz gleich, ob die Frau jemals zur Ehre der Altäre erhoben wird, der Priester ist überzeugt: Sie verkörpere zweifellos, in den Worten von Papst Leo XIV., die „leuchtende“ Tugend der Vergebung, ganz so, wie es der Papst selbst erst kürzlich sagte: „Wahre Vergebung erwartet keine Reue, sondern bietet sich zuerst als freies Geschenk an, noch bevor sie angenommen wird.“ Der Pater betet für ihre Heiligsprechung.
Text: Peter Winnemöller
(kw)




