Priester, Hände, Ascheschale

Aschermittwoch & Fastenzeit

Fünf wichtige Fragen


Regensburg, 17. Februar 2026

Am 18. Februar beginnt mit dem Aschermittwoch für die meisten Christen in aller Welt - mit Ausnahme der Gläubigen der Ostkirchen - die vorösterliche Bußzeit, auch Fastenzeit genannt. Im Zentrum des vorösterlichen Ritus stehen Buße, Umkehr und Erneuerung. Wir erläutern, unterstützt von Kathpress und Vaticen News,in fünf Antworten, was es mit Aschenkreuz, Fasten und Verzicht auf sich hat.

Erstens: Was bedeutet das Aschenkreuz?

Das Aschenkreuz, das Gläubigen am Aschermittwoch auf die Stirn gezeichnet wird, markiert den Beginn der Fastenzeit und steht zugleich für die Hoffnung der Christen auf Auferstehung. Bereits in den alttestamentlichen Büchern Jona und Hiob diente die Asche als Zeichen der Buße. Bei der Spendung des Aschenkreuzes spricht der Priester die Worte: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehrst." Üblich ist dabei auch der Ausspruch: „Kehre um und glaube an das Evangelium" - ein Aufruf zur Wegkorrektur und zur Besinnung auf Christus als Zentrum des christlichen Glaubens.

Gewonnen wird die Asche durch das Verbrennen der gesegneten Palmzweige aus dem Vorjahr. Der Aschenritus stammt aus dem 11. Jahrhundert und damit aus jener Zeit, in der die Büßer öffentlich am Aschermittwoch aus der Kirche ausgeschlossen und als Zeichen der Buße mit Asche bestreut wurden. Erst am Gründonnerstag, dem liturgischen Endtermin der Fastenzeit, wurden sie feierlich wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Besondere Bedeutung hat die Fastenzeit jedoch auch für die Vorbereitung der Katechumenen auf den Empfang der Taufe in der Osternacht.

Zweitens: Warum 40 Tage?

Die Dauer von 40 Tagen („Quadragesima") wurde auf dem Konzil von Nizäa (325 n. Chr.) festgelegt, ebenso wie die drei Grundthemen Verzicht, Gebet und Werke der Nächstenliebe. Bei den 40 Tagen von Aschermittwoch bis Karsamstag werden die sechs Fastensonntage nicht mitgezählt. An diesen gibt es ein vorösterliches Fastenbrechen, um dem feierlichen Charakter der sonntäglichen Eucharistie Rechnung zu tragen. Abgeleitet ist die Dauer von den 40 Tagen, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan in der Wüste betete und fastete. 

Hohen Symbolwert hat die Zahl bereits im Alten Testament: Der Prophet Elija fastete 40 Tage in der Wüste, das Volk Israel wanderte 40 Jahre durch die Wüste und durchlief damit eine Zeit der Läuterung, Moses erlebte auf dem Berg Sinai 40 Tage lang eine umittelbare Präsenz Gottes. Die Stadt Ninive hatte 40 Tage Zeit, um ihre Sünden zu bereuen. Und auch in Mitteleuropa sind die 40 Tage präsenter, als es scheint. Auch vor Weihnachten gab es eigentlich eine Fastenzeit in dieser Länge, was heute noch Beginn von fashcing und Karneval ablesbar ist: der 11. November ist 40 Tage vor Weihnachten.

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der danach einsetzenden Liturgiereform wurde eine Akzentverschiebung eingeleitet, die auch als eine Verwässerung betrachtet werden kann. Die Tage der Vorbereitung auf Ostern wurden inhaltlich von einer „Fastenzeit" zur „österlichen Bußzeit" verändert. Diese Bußzeit dauert vom Aschermittwoch bis zum Abend des Gründonnerstags und endet vor dem Beginn der Abendmahlsfeier. Auch die Sonntage gehören zu dieser neuen „österlichen Bußzeit", wodurch sich genau genommen 44 Tage ergeben. Trotzdem blieb die aus uraltem Tradition und Glaubenspraxis stammende Bezeichnung „vierzig Tage" bestehen.

Drittens: Was dürfen Christen essen?

Der Aschermittwoch ist neben dem Karfreitag der einzige Tag, der in der katholischen Kirche als strenger Fastentag gilt. An den beiden Tagen schreibt die Kirche eine bloß einmalige Sättigung am Tag durch eine schlichte Mahlzeit vor. Das Fastengebot richtet sich an erwachsene Personen vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zu Beginn ihres 60. Lebensjahres; Kinder, Kranke und Reisende sowie körperlich schwer Arbeitende sollten nicht fasten, Jugendliche unter 18 Jahren nur eingeschränkt.

Fasten ist nicht mit Diät oder Schlankheitskuren zu verwechseln, sondern meint eine religiös begründete Einschränkung oder Enthaltung mit dem Ziel der leiblichen, aber auch geistigen und seelischen Reinigung. Schließlich ist christliches Fasten vorwiegend eine innerliche Praxis: Zentral ist die Festigung und Reifung im Glauben gegenüber Versuchungen wie Egoismus, Sucht, Untreue oder Verbitterung sowie das Ziel, sich für Gott und die Mitmenschen zu öffnen.

Viertens: Fastenzeit nur für Katholiken?

Fasten ist fester Bestandteil aller Weltreligionen und nicht nur ein katholisches Phänomen. In der evangelischen Kirche gibt es die Passionszeit, in der zwar das Fasten nicht so sehr im Mittelpunkt steht, wohl aber Buße und gebet. Die Angehörigen der Ostkirchen befolgen vier größere Fastenzeiten im Kirchenjahr, die vielerorts deutlich strenger gelebt werden als die Fastenzeit vor Ostern in der katholischen Kirche. Der Islam kopiert die christliche Tradition; dort wird ein Fastenmonat ausgerufen, der Ramadan, bei dem aber nach Einbruch der Dunkelheit eben doch keine echten Fastengebote gelten.

Auch bei nichtreligiösen Menschen liegt die Fastenzeit seit einigen Jahren im Trend. Viele versprechen sich vom Fasten neben dem Gewichtsverlust auch Glücksgefühle, eine Reinigung von Körper, Geist und Seele, geschärfte Sinne und mehr Energie. Verstärkt wird diese Tendenz durch eine starke Betonung des körperlich-diesseitigen Aspekts, die sich in sportlichen Betätigungen äußert, die dann ihrerseits teils in den Rang eines Religionsersatzes zu rutschen drohen. Weder religiöse Kopien noch die weltliche umwertung können eine Fastezeit, die auch die geistliche Komponente angemessen berückichtigt, vollumfängölich ersetzen.

Fünftens: Welche Rolle hat die Liturgie?


Als Symbol der Buße wird in der kirchlichen Liturgie während der Fastenzeit die Farbe Violett verwendet. Im Messablauf wird kein Halleluja gesungen, das Gloria nur an den Hochfesten St. Josef (19. März) und Verkündigung des Herrn (25. März), was ein „Fasten der Ohren" bewirken soll. Blumenschmuck gibt es in den Kirchen nur am vierten Fastensonntag, dem „Laetare-Sonntag". Ab diesem Tag, der die Hälfte der Fastenzeit markiert, sollen Christen froh dem Palmsonntag entgegensehen, der für den Einzug Jesu in Jerusalem, seinen Opfergang und somit die Erlösung der Menschen steht.
 

Ab dem 5. Fastensonntag, dem „Passionssonntag", werden Kreuze und Standbilder mit violettfarbenen Tüchern verhüllt. Eine Wiederentdeckung hat in den jüngsten Jahren der um das Jahr 1000 erstmals im Alpenraum verzeichnete Brauch der Passionstücher erfahren. Die großflächigen Textilien, die ein „Fasten für die Augen" darstellen und den Gläubigen einst völlig den Blick zum Altar verstellten, sollten früher daran erinnern, dass der sündige Mensch unwürdig ist, Gott zu schauen. Später kam der belehrende Aspekt in den Vordergrund, heute vielfach vorwiegend der jeweilige künstlerische Impuls.#

Text: Vativan News / Sebastian Sigler

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