Assisi, Franziskus-Basilika

Appell aus Assisi: Eindämmung militärischer Gewalt

„Automatisierte Kriegsführung ablehnen“


Assisi / Regensburg, 31. August 2026. 

Kardinal Charles Maung Bo hat christliche Abgeordnete und Regierungsmitglieder aus aller Welt dazu aufgerufen, „die automatisierte Kriegsführung abzulehnen“ und strenge Beschränkungen zu unterstützen, welche die Künstliche Intelligenz unter menschlicher Kontrolle halten.

„Als Volksvertreter haben Sie einen klaren Auftrag: Sie müssen sich für ein sofortiges, verbindliches internationales Verbot vollautonomer tödlicher Waffen einsetzen“, sagte der Kardinal und Erzbischof von Yangon, Myanmar, am 24. August in Assisi. „Die Automatisierung des Schlachtfelds bedeutet, die moralische Schwelle für Gewalt zu senken, Konflikte dem menschlichen Gewissen zu entziehen und unsere Söhne, Töchter und Bürger in blutleere Datenpunkte zu verwandeln.“

Bo wandte sich im Rahmen eines Friedensgipfels, der vom International Catholic Legislators Network (Internationales Netzwerk katholischer Gesetzgeber) organisiert wurde, an die Abgeordneten. Der Gipfel schloss sich unmittelbar an die Jahrestagung der Gruppe vom 20. bis zum 23. August in Rom an, die auch eine Audienz bei Papst Leo XIV. umfasste. Bo, dessen Land seit Jahren unter unerbittlicher Gewalt, wirtschaftlichem Zusammenbruch und dramatischen humanitären Problemen leidet, warnte eindringlich vor dem „Potenzial der KI, menschliche Konflikte und Bosheit zu verstärken“.

„Allein menschliche Konflikte haben im 20. Jahrhundert zum Tod von 135 Millionen Menschen geführt“, sagte er. „Nun haben wir einen neuen tödlichen Akteur: KI in den Händen einiger weniger in bestimmten Ländern, die KI als die Braut geostrategischer Machtspiele betrachten.“ Der Kardinal schlug Alarm angesichts einer „erschreckenden Verbindung aus autokratischen Monopolen und automatisierter Überwachung“, welche die Freiheit des Menschen verdränge. Er forderte die Gesetzgeber nachdrücklich auf, dem Druck nicht nachzugeben, sich einer vorgeblichen Alternativlosigkeit zu unterwerfen. Bo schlug stattdessen „eine vom Menschen gesteuerte KI“ vor, „die größeren Wohlstand bringen und letztendlich zu dauerhaftem Frieden für alle führen würde“.

Er räumte ein, dass seine Prognose zur KI pessimistisch oder sogar dystopisch erscheinen könnte, erinnerte jedoch daran, dass das Ziel darin bestehe, eine Gesellschaft zu gestalten, die auf dauerhaftem Frieden gründet. „Zwischen dystopischer Reaktion und utopischer Begeisterung braucht die Menschheit auf ihrem Weg einen Leuchtturm. Für gläubige Männer und Frauen dient Christus als dieser Leuchtturm, als der Erlöser, der gesandt wurde, um die Menschheit an ihren irdischen und himmlischen Weg zu erinnern“, sagte er.

„Christus ist unser Vorbild“, fuhr er fort. „Die Warnung Christi in Matthäus 26,52 hallt durch die Geschichte: ‚Steck dein Schwert wieder in die Scheide … denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.‘ Wenn man tödliche Gewalt an ein autonomes Waffensystem delegiert, bricht das Konzept eines ‚moralischen Akteurs‘ vollständig zusammen. Eine Maschine kann keine rechtschaffene Absicht haben; sie kann weder Trauer noch Barmherzigkeit noch den heiligen Wert eines menschlichen Lebens begreifen. Sie kann lediglich statistische Optimierung durchführen.“

Der Kardinal erinnerte christliche Gesetzgeber an ihre Verantwortung gegenüber den Menschen, die sie gewählt haben: „Euer Glaube ist kein privater Luxus, den man verstecken muss; er ist ein öffentlicher Bund, um Frieden in einer Welt zu schaffen, die aus den Fugen gerät.“ Er fügte hinzu: „Wir leben in einer Zeit, die in einzigartiger Weise von globalen Kriegen, zivilen Unruhen und verheerenden wirtschaftlichen Umbrüchen geprägt ist, doch Christus ruft christliche Führungskräfte zu einem radikal anderen, mutigen Weg auf.“ Dabei zitierte er die Worte Christi aus Matthäus 5,9: „Selig sind die Friedfertigen.“

„Beachten Sie genau, dass er nicht die ‚Friedensliebenden‘ oder die ‚Friedenswünschenden‘ segnet. Er segnet die Friedensstifter – jene, die aktiv Brücken bauen, strukturelle Gerechtigkeit durchsetzen und über bittere politische und gesellschaftliche Gräben hinweg narrative Empathie pflegen“, betonte er. Bo wies auf die Anwesenheit von Christopher Olah, einem Mitbegründer von Anthropic und Forscher im Bereich des maschinellen Lernens, bei der Präsentation der Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo im Mai hin. 

Der Oberhirte aus Asien bezeichnete dies Enagement Olahs als Zeichen dafür, dass „die Architekten unserer digitalen Zukunft um Regulierung betteln. Sie geben zu, dass sie zwar den Code verstehen, aber keine Antworten auf die Frage nach der Menschenwürde haben.“ Bo weiter: „Wenn Sie sich weigern, zu regulieren, wenn Sie den Mythos der technologischen Unvermeidbarkeit akzeptieren, entziehen Sie sich Ihrer hoheitlichen Pflicht gegenüber den Menschen, die Sie gewählt haben“, sagte er.

„Denken Sie an die Worte des heiligen Franz von Assisi: ‚Alle Dunkelheit der Welt kann das Licht einer einzigen Kerze nicht auslöschen‘“, sagte der Kardinal. „Lassen Sie Ihre Regierungsführung diese Kerze sein. Treten Sie als wahre Führungspersönlichkeiten auf. Schaffen Sie verbindliche rechtliche Leitplanken, fordern Sie Transparenz von Unternehmen, lehnen Sie die Automatisierung des Tötens von Menschen ab und stellen Sie sicher, dass die Technologie der großartigen Menschheit, die Gott unserer Obhut anvertraut hat, vollständig untergeordnet bleibt.“#

Text: CNA Deutsch

(sig)



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