Prozession vor einer Kirche

375. Bruderschaftsfest der Sebastiani-Pestbruderschaft Kösching

„Märtyrer ermutigen uns zu Menschenliebe“


Kösching, 18. Januar 2026

Das 375. Hochfest der Sebastianibruderschaft Kösching ist am Sonntag kirchlich, aber auch als historisches Gedenken der Marktgemeinde gefeiert worden – zwei Tage vor dem eigentlichen Festtag des spätrömischen Heiligen am Dienstag, 20. Januar. Ortspfarrer Wojciech Wysocki unterschied dabei vorbildliche heilige Märtyrer von Fanatikern und Extremisten. 

Ein großer Teil der heute noch rund 450 Mitglieder dieser altehrwürdigen Traditionsgemeinschaft sorgte für eine volle Pfarrkirche und zog dann betend und an den heiligen Sebastian erinnernd mit dessen Reliquiar durch die Straßen des „Innerorts“. Fürbittgebete an Sankt Sebastian richtend ging die kleine Prozession am Rathaus vorbei rund um das Ehemalige Kloster und den Kirchhof. Im Rahmen der festlichen Eucharistiefeier, die musikalisch vom Kirchenchor unter Leitung von Helmut Seitz mit der C-Dur-Messe von Charles Gounod gestaltet wurde, gedachten die Gottesdienstbesucher auch derjenigen Bruderschaftsmitglieder, die im Jahr 2025 verstorben sind.

Pure Ortsgeschichte

1651 hatten die Ahnen der heutigen Gestalter und Mitfeiernden des Bruderschaftsfestes – verbunden mit einem verzweifelt-tiefgläubigen Gelöbnis der Bürgerschaft zu einer Wallfahrt nach Arnsberg – einst diese Gemeinschaft gegründet. Unmittelbar zuvor war nämlich gut ein Drittel der damaligen Bevölkerung dem Schwarzen Tod, der Pest, zum Opfer gefallen. Die Pest klang aus und die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde zu einer Aufbauphase für den Markt: 1717 konnte die bis heute repräsentative Barockpfarrkirche Mariä Himmelfahrt errichtet werden. Die Sebastianibruderschaft und ihr Pilgergelübde überdauerten die Jahrhunderte.

Sebastinani ist also pure Ortsgeschichte in Kösching, der heilige Sebastian aus dem dritten Jahrhundert der noch jungen Christenheit ein sehr verehrter Patron der Marktgemeinde. Bei der Wertschätzung eines vor so langer Zeit Gott bezeugenden Märtyrers wenden sich die Menschen noch heute zur Fürbitte an Sebastian, dass er auch die Zeitgenossen in eher säkularem Umfeld stark machen möge in ihrem christlichen Zeugnis. Und das nehmen viele Köschingerinnen und Köschinger bis heute ernst und engagieren sich in Gemeinwohl, zivilgesellschaftlich oder im Krankenbesuchsdienst.

Loyal aus dem Glauben heraus

Als Festprediger beim 375. Bruderschaftsjubiläum stellte Ortspfarrer BGR Wojciech Wysocki heraus, was diesen kaiserlich-römischen Soldaten Sebastian zum heiligmäßigen Wegweiser auf Christus bis heute mache: „Er hat das Leid und die Not der Menschen gesehen und erleichterte barmherzig ihr Elend. Dafür nahm er auch Anfeindung und eigene Nachteile in Kauf.“ Er habe gewusst, dass er die Kraft zu helfen, nicht von sich selbst, sondern von seinem Gott erfuhr. Auf Sebastian habe man sich verlassen können, er sei Gott und den Menschen gegenüber treu und loyal gewesen. Aus seinem Glauben heraus - „und das unterschied diesen und andere Märtyrer eben von Extremisten und irgendwelchen Fanatikern“, so Pfarrer Wysocki - habe sich Soldat Sebastian nicht auf Kosten anderer bereichert.

„Er hat im gottfernen und korrupten System seiner Zeit nicht mitgemacht. Sebastian bezeugte seinen Glauben und erzählte seinen Mitmenschen von der frohen Botschaft. Und er habe sie glaubwürdig vorgelebt. All‘ dies seien Tugenden, an denen wir uns heute immer noch ausrichten könnten: „barmherzig, verlässlich, glaubwürdig und unbeirrbar glaubensstark“. Wie bei Märtyrern in Abgrenzung zu Extremisten ausschlaggebend, sei die Liebe sein vollkommener Antrieb gewesen: „Wenn es unvermeidbar wäre, sein Leben für die Liebe und alle Ideale hingeben zu müssen, dann war der Märtyrer Sebastian dazu bereit und ließ keinesfalls zu, dass andere an seiner Seite hätten sterben müssen.“  

Nachmittags versammelten sich die Mitglieder der Sebastianibruderschaft noch zu einer feierlichen Vesper in der Pfarrkirche und zu ihrer Jahreshauptversammlung im Pfarrsaal.

Text: Thomas Schumann

(kw)



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