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Zur Neuigkeit
25 Jahre Myanmar-Stipendienprogramm
Bildung, die in der Krise trägt
Regensburg, 10. Juni 2026
Mit einem Festakt in Regensburg ist am 8. Juni 2026 das 25-jährige Bestehen des Myanmar-Stipendienprogramms begangen worden. Gewürdigt wurde eine über Jahre gewachsene Partnerschaft zwischen dem Bistum Regensburg, dem KAAD, der Assumption University in Bangkok und der katholischen Kirche in Myanmar. Seit einem Vierteljahrhundert eröffnet das Programm jungen katholischen Christen aus Myanmar den Zugang zu Hochschulbildung, besonders jenen, die begabt, im Glauben verwurzelt und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, in ihrer Heimat aber kaum eine realistische Chance auf ein Studium gehabt hätten.
Beim Festakt wurde deutlich, welche Spuren diese Förderung inzwischen in Kirche und Gesellschaft Myanmars hinterlassen hat. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer stellte den Bildungsauftrag des Programms in den Zusammenhang der Regensburger Bistumsgeschichte. Kardinal Charles Maung Bo SDB schilderte die dramatische Lage seines Landes. Dr. Heinrich Geiger erinnerte an die Anfänge der Partnerschaft, Dr. Anselm Feldmann ordnete die Wirkung des Programms aus Sicht des KAAD ein, Dr. Glen Chatelier brachte per Videobotschaft die Perspektive der Assumption University Bangkok ein, und Prof. Dr. med. Michael T. F. Pawlik berichtete von der medizinischen Zusammenarbeit mit Myanmar. Der Abend begann mit einer Vesper in der Wolfgangskrypta von St. Emmeram und wurde anschließend im Emmeram Forum fortgesetzt. Musikalisch gestaltet wurde die Feier von Marcus Weigl und weiteren Mitwirkenden. Der Festakt machte sichtbar, dass diese Partnerschaft gerade angesichts von Krieg, Vertreibung und sozialer Not weiter an Bedeutung gewinnt.
Bildung als Dienst am Menschen
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer stellte den Abend in den größeren Zusammenhang der Regensburger Bistumsgeschichte. Der heilige Wolfgang, Patron des Bistums Regensburg, steht für eine Kirche, die Bildung und konkrete Hilfe zusammendenkt. Als Bischof förderte er Lehre, Schule und geistliche Formung. Zugleich war er ein Hirte, der die Not der Menschen nicht aus der Distanz betrachtete. In dieser Linie wurde auch das Myanmar-Programm gedeutet: Bildung ist hier nicht Selbstzweck, sondern Dienst am Menschen, Stärkung der Kirche und ein Beitrag zu einer Zukunft, die nicht allein von Gewalt und Krise bestimmt sein soll.
Der Regensburger Bischof erinnerte daran, dass das Stipendienprogramm vor 25 Jahren als Antwort auf die schwierigen Bildungschancen junger Katholiken in Myanmar entstand. Besonders junge Menschen aus wirtschaftlich schwachen Familien sollten eine akademische und berufliche Qualifikation erhalten. Dabei ging es nie nur um einzelne Lebensläufe. Das Programm sollte die Ortskirche stärken, Diözesen fachlich unterstützen und Menschen befähigen, später Verantwortung in Schule, Seelsorge, Verwaltung, Caritas und sozialer Entwicklung zu übernehmen.
Heute gewinnt diese Idee eine zusätzliche Dringlichkeit. Seit dem Militärputsch ist Myanmar von Flucht, Vertreibung, wirtschaftlicher Not und anhaltender Gewalt gezeichnet. Viele Menschen haben ihr Zuhause, ihre Arbeit und ihre Sicherheit verloren. In dieser Lage bleibt die katholische Kirche an vielen Orten eine der wenigen verlässlichen Strukturen. Gerade deshalb sind gut ausgebildete Frauen und Männer wichtig, die nicht nur helfen wollen, sondern auch helfen können: mit Fachwissen, Ausdauer, Verantwortungsbewusstsein und Nähe zu den Menschen.
Myanmar zwischen Krieg, Vertreibung und Hunger
Kardinal Charles Maung Bo SDB, Erzbischof von Yangon und Präsident der Katholischen Bischofskonferenz von Myanmar, führte anschließend in die gegenwärtige Lage seines Landes ein. Er beschrieb Myanmar als ein Land, das seit Jahren von mehreren Krisen gleichzeitig getroffen wird. Bewaffnete Konflikte, Vertreibung, Naturkatastrophen, wirtschaftlicher Zusammenbruch und Hunger haben weite Teile der Bevölkerung erschöpft. Millionen Menschen leben nicht mehr dort, wo sie früher zu Hause waren. Besonders schwer trifft diese Entwicklung junge Menschen, denen Bildung, Arbeit und Zukunftsaussichten fehlen.
Der Kardinal machte deutlich, dass die Kirche in Myanmar selbst verwundet ist und dennoch weiter dient. Mehrere Diözesen sind von Gewalt, Fluchtbewegungen und großer Unsicherheit betroffen. Priester, Ordensleute, Katechisten und kirchliche Mitarbeiter arbeiten unter Bedingungen, die von außen nur schwer vorstellbar sind. Trotzdem bleibt die Kirche präsent. Sie begleitet Vertriebene, unterstützt Familien, organisiert Hilfe über Caritas-Strukturen, hält Bildungsarbeit aufrecht und versucht, auch dort bei den Menschen zu bleiben, wo staatliche und internationale Strukturen kaum noch tragen.
Gerade in diesem Zusammenhang erhielten die ehemaligen Stipendiaten des Programms besonderes Gewicht. Viele von ihnen arbeiten heute in kirchlichen, sozialen, pädagogischen oder humanitären Aufgaben. Sie sind in Diözesen tätig, in Schulen, in Flüchtlingslagern, in Beratungsstellen, in Caritas-Netzwerken und in der Gemeindearbeit. Ihre Ausbildung bleibt damit nicht auf akademische Abschlüsse beschränkt. Sie wird zu konkreter Hilfe vor Ort, zu besserer Organisation, zu psychosozialer Begleitung und zu einer Form von Hoffnung, die sich im Alltag bewähren muss.
Kardinal Bo machte auch deutlich, dass der Wiederaufbau Myanmars nicht in wenigen Jahren zu leisten sein wird. Das Land braucht Menschen, die langfristig Verantwortung übernehmen. Dazu gehören junge Frauen und Männer, die in ihren Gemeinschaften verwurzelt sind, das Vertrauen der Menschen genießen und zugleich über die fachliche Kompetenz verfügen, Schulen, Hilfsdienste und kirchliche Strukturen zu stärken. Das Stipendienprogramm hat dafür über viele Jahre hinweg Grundlagen geschaffen.
Im weiteren Verlauf des Abends wurden konkrete Beispiele aus den Diözesen Myanmars vorgestellt. Sie machten sichtbar, wie breit die Wirkung des Programms inzwischen geworden ist. Ehemalige Stipendiaten wirken in der Bildungsarbeit, in der psychosozialen Begleitung, in kirchlichen Verwaltungsstrukturen und im sozialen Dienst. Wo Menschen Flucht, Gewalt und Verlust erlebt haben, werden solche Fachkräfte dringend gebraucht.
Ein Bildungsweg mit langer Vorgeschichte
Dr. Heinrich Geiger erinnerte knapp an die Entstehung des Programms. Bereits in den 1990er-Jahren hatte er als damaliger Leiter der Asienabteilung des KAAD Myanmar besucht. Aus diesen Begegnungen entwickelte sich die Idee, junge Katholiken akademisch so zu fördern, dass sie später der Kirche und der Gesellschaft ihres Landes dienen können. Die spätere Zusammenarbeit mit Regensburg, dem KAAD, der Assumption University und der Kirche in Myanmar wurde zu einem langfristigen Bildungsweg mit klarer Wirkung vor Ort.
Dr. Anselm Feldmann fasste die Bedeutung des Programms aus Sicht des KAAD zusammen. Seit 2001 konnten 76 Stipendiaten an der Assumption University in Bangkok studieren. Viele wurden in Bereichen ausgebildet, die für Myanmar unmittelbar wichtig sind: Pädagogik, Lehrerausbildung, Beratungspsychologie und soziale Entwicklung. Dadurch wurden Schulen gestärkt, Beratungsangebote verbessert und kirchliche Hilfsstrukturen professionalisiert.
Bangkok als Brücke nach Myanmar
Einen eigenen Akzent setzte die Videobotschaft von Dr. Glen Chatelier von der Assumption University Bangkok. Da aufgrund des akademischen Jahres kein Vertreter der Universität persönlich nach Regensburg kommen konnte, wurde die Verbindung nach Bangkok auf diesem Weg sichtbar. Chatelier erinnerte daran, dass die Zusammenarbeit mit dem KAAD, dem Bistum Regensburg und der Bischofskonferenz von Myanmar aus einer langen Beziehung gewachsen ist. Die Assumption University verstand ihre Aufgabe dabei nicht nur als akademische Dienstleistung, sondern als Teil einer katholischen Bildungsmission.
Seit den ersten Jahren des Programms hat die Universität junge Menschen aus Myanmar aufgenommen und ihnen ein Studium in einem internationalen Umfeld ermöglicht. Dabei ging es nicht allein um Fachwissen. Die Studierenden sollten lernen, über Grenzen hinweg zu denken, Verantwortung zu übernehmen und ihre Ausbildung später in den Dienst ihrer Heimat zu stellen. Für viele junge Katholiken aus Myanmar wurde Bangkok zu einem Ort, an dem sie akademisch wachsen, aber auch kirchliche und kulturelle Weite erfahren konnten.
Chatelier stellte heraus, dass die Assumption University diese Partnerschaft auch deshalb getragen hat, weil sie sich der katholischen Kirche in Myanmar eng verbunden weiß. Myanmar war für die Universität nicht irgendein Partnerland. Es war ein Land, dessen junge katholische Generation Unterstützung brauchte, damit sie einmal selbst Verantwortung übernehmen kann. Die Ausbildung der Stipendiaten wurde deshalb als Beitrag zur Zukunft der Kirche und der Gesellschaft in Myanmar verstanden.
Deutlich wurde auch, dass die Assumption University das Programm fortsetzen möchte. Die Erfahrungen mit den Stipendiaten aus Myanmar haben gezeigt, wie stark Bildung wirken kann, wenn sie nicht bei der persönlichen Karriere stehen bleibt. Viele Absolventen kehrten in kirchliche, soziale und pädagogische Aufgaben zurück. Sie unterrichten, begleiten Familien, stärken Gemeinden, arbeiten in Hilfsstrukturen und tragen dazu bei, dass die Kirche in Myanmar auch unter schwierigsten Bedingungen handlungsfähig bleibt.
Medizinische Hilfe, die Wissen weitergibt
Einen weiteren Schwerpunkt setzte Prof. Dr. med. Michael T. F. Pawlik vom Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg. Er berichtete von einem medizinischen Einsatz in Myanmar, bei dem ein siebenjähriger Junge mit einem schweren Tumor im Bereich von Knie und Oberschenkel behandelt wurde. Statt einer Amputation oberhalb des Knies wurde ein rekonstruktives Verfahren angewandt. Dabei wurde der erhaltene Teil des Beins gedreht und wieder mit dem Oberschenkel verbunden, so dass eine neue Gelenkfunktion entstehen konnte. Für das medizinische Team vor Ort war dieser Eingriff ein wichtiger Lernschritt.
Der Bericht machte zugleich deutlich, unter welchen Bedingungen medizinische Hilfe in Myanmar geleistet wird. Die Ausstattung war begrenzt, eine reguläre Blutbank stand nicht zur Verfügung, Entscheidungen mussten schnell und mit großer Umsicht getroffen werden. Für das Regensburger Team lag der nachhaltige Wert solcher Einsätze nicht allein in der einzelnen Operation. Entscheidend war die Weitergabe von Wissen: Ärzte vor Ort lernten neue Verfahren kennen, konnten Techniken übernehmen und eigene Fähigkeiten ausbauen.
Pawlik berichtete außerdem von der Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum in Mandalay. Dort unterstützte das Regensburger Team den Aufbau mikrochirurgischer Gefäßchirurgie. Die Ärzte vor Ort lernten, kleinste Blutgefäße unter dem Mikroskop zu nähen. Solche Einsätze verlangen Improvisationsfähigkeit, Respekt vor den Bedingungen vor Ort und die Bereitschaft, Wissen so weiterzugeben, dass lokale Teams später eigenständig arbeiten können.
Eine Partnerschaft, die weiter gebraucht wird
Der Festakt zeigte, wie eng Bildung, Medizin, Seelsorge und humanitäre Verantwortung miteinander verbunden sind. Das Myanmar-Stipendienprogramm ist in 25 Jahren zu mehr geworden als einer akademischen Förderung. Es ist Teil einer gewachsenen Partnerschaft zwischen Regensburg und Myanmar. Diese Partnerschaft hat Menschen ausgebildet, die heute in einem schwer gezeichneten Land Verantwortung übernehmen.
Am Ende stand nicht nur der Rückblick auf ein Jubiläum. Der Abend machte sichtbar, dass Myanmar weiterhin verlässliche Wegbegleiter braucht. Inmitten von Krieg, Vertreibung und sozialer Erschöpfung bleibt Bildung eine der stärksten Formen langfristiger Hilfe. Sie schafft keine schnellen Lösungen, aber sie befähigt Menschen, in Schulen, Gemeinden, Hilfswerken, Beratungsstellen und Krankenhäusern Verantwortung zu übernehmen. Genau darin liegt die bleibende Bedeutung dieses Programms: Es stärkt Menschen, die anderen Halt geben können.
Text und Foto: Stefan Groß
(sig)




