Bild Vater des Konzils: Papst Johannes XXIII.

Vater des Konzils: Papst Johannes XXIII.

  • 11.
    Oktober
    2023
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Niemand hätte ahnen können, dass dieser kleine Junge einmal die Geschicke der Kirchen leiten würde, als Angelo Roncalli am 25.11.1881 in Sotto il Monte geboren wurde, in der norditalienischen Provinz Bergamo. Seine Familie führte ein einfaches und armes Leben als Landbauern. Bald jedoch wurde die Begabung des kleinen Angelo erkannt; der Pfarrer seines Dorfes – offenbar selbst ein heiligmäßiger Mann – förderte Angelo. Er ging im Priesterseminar von Bergamo zur Schule, studierte in Rom und wurde 1904 zum Priester geweiht. Angelo schlug schnell eine kirchliche Karriere ein: Er wurde erst Sekretär des Bischofs von Bergamo und anschließend päpstlicher Diplomat. Als Visitator und Delegat vertrat er die Interessen des Heiligen Stuhles in Bulgarien, dann in der Türkei und in Griechenland. Nach langen Jahren in Osteuropa wähnte sich Angelo Roncalli beinahe schon „vergessen“, bevor er Apostolischer Nuntius in Paris und 1953 Patriarch von Venedig wurde.

Geburtshaus in Sotto il Monte. Foto: Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Geburtshaus in Sotto il Monte. Foto: Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Als Angelo Roncalli 1958 zum Papst gewählt wurde, war das bemerkenswert: Er wurde nach dem Pontifikat von Papst Pius XII. allgemein als „Übergangspapst“ gesehen. Gleichzeitig setzte er gerade durch seine herzliche Art neue Impulse, die die Kirche vom eher strengen Vorgänger nicht gewohnt war. Vielleicht gerade wegen dieser Herzlichkeit schien Johannes XXIII. aber auch unterschätzt zu werden; große kirchenpolitische Würfe wurden nicht erwartet. Umso mehr erstaunte es, als Papst Johannes XXIII. am 25.01.1959 das Zweite Vatikanische Konzil einberief.

Papst Johannes XXIII. wollte eine Öffnung der Kirche zur modernen Welt erreichen, die sich aber nicht in einer bloßen Anpassung ergehen sollte. In seiner Eröffnungsansprache am 11.10.1962 mit dem Titel „Gaudet Mater Ecclesia“ umschreibt der Papst das Ziel des Konzils: „Dem Konzil geht es vor allem darum, dass das heilige Gut der christlichen Lehre wirksamer bewahrt und weitergegeben wird.“ Für diese Weitergabe des Glaubens sei es wichtig, „dass die Kirche niemals die Augen wendet von dem heiligen Erbe der Wahrheit“. Papst Johannes XXIII. wollte eine Kirche, die diesen Schatz bewahrt, gleichzeitig aber nicht den Blick verliert für die Lebenssituationen, in denen sie das Evangelium verkünden soll.  

In vielerlei Hinsicht sollte das Konzil die Türen aufstoßen: Zum Dialog mit der modernen Welt und der modernen Wissenschaft, aber auch zu anderen Religionen. Auch wenn Johannes XXIII. bereits 1963 starb, das Konzil von seinem Nachfolger Papst Paul VI. fortgesetzt werden musste und die Reform des kirchlichen Gesetzbuches gar erst unter Johannes Paul II. beendet wurde – der heilige Papst Johannes XXIII. setzte viele Impulse, ohne die das Konzil wohl nicht hätte gelingen können. Er machte sich ganz zum Werkzeug des Heiligen Geistes. Und wie bei so vielen anderen Heiligen der Kirchengeschichte, wurzelte diese Gabe auch beim heiligen Papst Johannes XXIII. in seiner tiefen Frömmigkeit. Zeugnis davon legt sein „Geistliches Tagebuch“ ab, in dem er sein geistliches Leben kritisch reflektiert. Immer mehr, so sein Vorsatz, wollte Johannes zu einem Mann des Gebets werden, mit Gott ganz verbunden. Das erklärte Ziel: In seinem Leben den Weg zur Heiligkeit zu finden. Es ist ihm gelungen

Die Kirche feiert den heiligen Papst Johannes XXIII. am 11. Oktober.

 

Text: Benedikt Bögle

Titelbild: Statue, 2000, am Geburtshaus in Sotto il Monte. Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon