Bild Valentin von Rom: Priester und Märtyrer

Valentin von Rom: Priester und Märtyrer

  • 14.
    Februar
    2036

Valentin war ein ehrsamer, in Armut lebender Priester, der ein blindes Mädchen heilte. Hilfe und Trost waren immer bei ihm zu finden: Suchenden schenkte er gerne eine Blume aus seinem Garten. Er half Paaren in Partnerschaftskrisen und spendete trotz eines Verbotes des von 268 bis 270 regierenden Kaiser Claudius II. Gothicus das Sakrament der Ehe nach christlichem Zeremoniell. Nachdem er auch einen Soldaten getraut hatte, wurde er verhaftet, weil Soldaten nicht heiraten durften, und schließlich enthauptet. Erzählt wird, dass Valentins Leichnam von einer frommen Frau namens Sabilina – ihr Name wird auch als Savinella, Savinilla, Sabbilina oder Sibinella überleifert – bestattet wurde.

In einer Bischofsliste aus dem Jahr 354 ist der Bau einer Basilika mit seinem Namenspatrozinium am zweiten Meilenstein der Via Flaminia unter dem römischen Bischof Julius I. verzeichnet. Dort gibt es heute die Katakomben des Valentin mit Funden, Resten eines Epigramms des römischen Bischofs Damasus I. sowie Grabinschriften aus dem 4. und 5. Jahrhundert, die auf eine sehr alte Kultstätte schließen lassen. Valentin ist schriftlich erstmals im 6. Jahrhundert in der Leidensgeschichte von Marius bezeugt. Reliquien liegen in den Kirchen Santa Maria in Cosmedin und Santa Prassede in Rom. Schon im Altertum wurde Valentin in vielen Städten Mittelitaliens verehrt. Die Kopfreliquie kam 1651 zusammen mit Reliquien weiterer Märtyrer aus Rom nach Monselice bei Padua, wo sie bis heute im Santuario delle Sette Chiese verehrt werden. Sie wurden 2017 untersucht; dabei wurde festgestellt, dass sie tatsächlich von einem 23 bis 27 Jahre alten Mann stammen, der zwischen 119 und 338 n. Chr. lebte.

Das Brauchtum, den Valentinstag als Tag der Liebenden zu begehen, geht zurück auf den Festtag für die römische Göttin Juno, weil Mitte Februar die Paarungszeit der Vögel beginnt. Juno, der Schützerin von Ehe und Familie, wurden an diesem Tag Blumen geopfert; den Frauen schenkte man an diesem Tag Blumen. Am 14./15. Februar fanden schon zuvor die römischen "Luperkalien" statt, das "Fest der Wölfin". Dabei wurden die Geschlechtsreiferituale zur ersten Menstruation von Mädchen abgehalten sowie nach erlangter Reife Ehen geschlossen. Von diesem "Reinigungsfest" kommt der Monatsname Februar. Das Fest der Lupercalia feierten die Römer an der im Jahr 2007 von Archäologen wieder gefundenen Grotte der Wölfin am Fuße des Palatin; die Frauen schrieben dabei ihre Namen auf Papyrusstreifen und ließen junge Männer diese Briefchen ziehen, während die nackten Jünglinge zu einem Wettlauf über den Palatin antraten. Die Christen änderten den Brauch, indem sie die Namen von Heiligen und kurze Predigten auf Zettelchen schrieben und unters Volk brachten. Dadurch entwickelte sich Valentin zum Schutzheiligen der Liebenden, das Fest behielt also seinen Topos.

Am 14. Februar wurde früher in manchen Kirchen die Ankunft Jesu als himmlischer Bräutigam zur Himmlischen Hochzeit gefeiert. Im Mittelalter kam der Brauch, Valentin als Patron der Liebenden zu feiern, zunächst in Frankreich, Belgien und England auf, nachgewiesen erstmals im 14. Jahrhundert mit "Valentine greetings". 1381 dichtete der in England sehr bekannte und beliebte Schriftsteller Geoffrey Chaucer anlässlich des ersten Jahrestages der Verlobung von König Richard II. mit Anne von Böhmen: "Es geschah am Valentinstag, als jeder Vogel kam, um seinen Partner zu wählen". Als Fest der Liebe wird Valentins Gedenktag in der 1400 herausgegebenen "Charta des Liebeshofs", die König Karl VI. von Frankreich zugeschrieben wird, beschrieben; geschildert werden Feierlichkeiten am Königshof, zu denen neben einem Festmahl Wettbewerbe in Liebespoesie, Turnierkämpfe und Tanz gehörten. In William Shakespeares "Hamlet" - entstanden 1600/1601 - singt Ophelia: "Tomorrow is Saint Valentine's day, all in the morning betime, and I a maid at your window, to be your Valentine" - "Morgen ist Sankt Valentins Tag / am Morgen früh vor Sonnenschein / ich junge Maid am Fensterschlag / will euere Valentina sein".

Valentin zählte bald schon zu den volkstümlichsten Heiligen, vergleichbar mit Nikolaus oder Martin. Im späten Mittelalter wurde es besonders in Frankreich und England Brauch, dass am Valentinstag durch das Los "Valentin und Valentine füreinander bestimmt" wurden: nach gegenseitigem Austausch von Geschenken lebten sie dann ein Jahr als Verlobte, um sich dann wieder zu trennen - oder zu heiraten. Die Volksüberlieferung sagt, ein Mädchen werde den heiraten, den es am Valentinstag als ersten Mann erblickt; heiratswillige Männer überbringen deshalb möglichst früh am Morgen einen Blumenstrauß. In England schickt man sich am Valentinstag anonyme Liebesbriefe; trotz der damals erheblichen Portokosten wurden dort Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich 60.000 Valentinskarten versandt; nach Einführung der Briefmarke 1840 stieg die Anzahl der versendeten Grüße im Folgejahr auf 400.000.

Der 14. Februar war auch Tag der großen Festmahlzeiten von Seefahrern, Gilden, Zünften und Bruderschaften. In den Hansestädten trafen sich am Valentinstag die Zünfte zum Freundschaftsmahl. Mit Valentin begann angeblich die eigentliche Faschingszeit mit großen Bällen, Künstler- und Maskenfesten. Valentinsbrot galt als Heilmittel, das Beifußkraut Herba S. Valentini ist ihm geweiht. Der Valentinstag galt als Unglückstag für das Vieh, deshalb durfte es an diesem Tag nicht arbeiten. Im deutschsprachigen Raum verbreitete sich der Brauch der Blumengeschenke nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Einfluss aus den USA - die Blumenhändler erklärten diesen Tag 1950 als "Tag der offenen Herzen". Die Katakomben des Valentin in Rom sind seit 1888 im Besitz der Stadt Rom und nicht öffentlich zugänglich.

Text: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

(sig)