Suche
Kategorien
Seiten
Nachrichten
Bilder
Videos
{{{_highlightResult.post_title.value}}}
{{#helpers.snippet}}{ "attribute": "content", "highlightedTagName": "mark" }{{/helpers.snippet}}
Zur Seite{{{_highlightResult.post_title.value}}}
{{#helpers.snippet}}{ "attribute": "content", "highlightedTagName": "mark" }{{/helpers.snippet}}
Zur Neuigkeit
Teresia Benedicta vom Kreuz: Tod in Auschwitz, Patronin Europas
Teresia Benedicta vom Kreuz wurde als Edith Stein geboren. Sie war das jüngste von elf Kindern jüdischer Eltern, war Tochter eines wohlhabenden Holzhändlers. Ihr Weg vom Elternhaus über die Bekehrung zum katholischen Glauben, dem Eintritt in den Orden der Unbeschuhten Karmeliterinnen und schließlich zum Martyrium in den Gaskammern von Auschwitz war immens lang. Heute ist sie eine wichtige Patronin Europas.
Edith Stein verließ im Alter von 15 Jahren die Schule, verabschiedete sich von ihrem traditionell-jüdischen Glauben und bezeichnete sich als Atheistin. Nach einjährigem Aufenthalt bei ihrer Schwester in Hamburg konnte sie ihre Krise beenden, kehrte nach Breslau zurück und legte ihr Abitur ab. Sie studierte dann ab 1911 Psychologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte in Göttingen und Breslau. 1915 arbeitete sie als Freiwillige in einem Lazarett des 1. Weltkrieges, 1916 promovierte sie summa cum laude bei Edmund Husserl an der Universität in Freiburg über das Thema Einfühlung und wurde Assistentin des berühmten Philosophen; als jüdischer Frau verwehrte man ihr aber die Habilitation.
Am 1. Januar 1922 konvertierte Edith Stein nach der Lektüre der Biografie der Theresa von Ávila zur katholischen Kirche, ließ sich in der Kirche St. Martin in Bad Bergzabern taufen und wollte Nonne werden; ihr geistlicher Führer, der Erzabt des Klosters Beuron, empfahl ihr aber ein weiteres Wirken „in der Welt“. Sie war ab 1923 als Lehrerin an der Schule der Dominikanerinnen im Magdalenenkloster in Speyer tätig und setzte sich in Reden und Schriften für die Emanzipation der Frauen ein. Zwischen 1928 und 1933 hielt sie sich häufig zu stillen Tagen im Benediktinerkloster in Beuron auf.
1932 wurde Edith Stein Dozentin am damaligen Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster in Westfalen, das an der Katholisch-Theologischen Fakultät angsiedelt war; dabei wohnte sie im Collegium Marianum - dort erinnert heute im Hof eine Steinskulptur an sie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ sie 1933 das katholische Institut, um dessen Leitung und die Mitarbeiter nicht wegen ihrer jüdischen Abstammung in Gefahr zu bringen.
Im Oktober 1933 konnte sie in Köln ins Kloster der Karmelitinnen eintreten und nahm den Ordensnamen Teresia Benedicta vom Kreuz an. Im Nachdenken über die Nachfolge Jesu entwickelte sie ein neues Bewusstsein auch über ihre jüdischen Wurzeln. 1937 stellte sie ihre philosophisch-theologische Schrift „Endliches und ewiges Sein - Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins“ vor. Im Jahr der großen Judenpogrome 1938 legte sie ihre Gelübde ab. Mehrfach versuchte sie ab 1933, Papst Pius XI. zu einer Stellungnahme gegen Antisemitismus und Pogrome der Nazis zu bewegen. Schon im April 1933 hatte sie dem Papst geschrieben: „Wir alle, die treue Kinder der Kirche sind und die Verhältnisse in Deutschland mit offenen Augen betrachten, fürchten das Schlimmste für das Ansehen der Kirche, wenn das Schweigen noch länger anhält.“
Anlässlich der Volksabstimmung zum Anschluss Österreichs 1938 wurde die jüdische Abstammung von Teresia Benedicta offenbar; die Priorin ihres eigenen Klosters verriet den Nazis, dass sie jüdischer Abstammung ist. Deshalb floh sie am 31. Dezember 1938 vor den Nationalsozialisten ins Kloster nach Echt in den Niederlanden. Im selben Jahr noch verfasste sie ihr Testament mit der Erklärung ihrer Hingabe an das Kreuz Jesu, das zu tragen sie für ihre Kirche und ihren Orden, für das jüdische Volk und für Deutschland sowie „alle, die mir Gott gegeben“ mit jeglicher Todesart bereit sei. Bei einer Polizeiaktion gegen Juden, die zum Christentum konvertiert waren, wurden Teresia Benedicta vom Kreuz und ihre Schwester Rosa am 2. August 1942 in Echt verhaftet - wohl ein Racheakt gegenüber der katholischen Kirche, weil deren Bischöfe eine Woche vorher in den Kirchen der Niederlande ein Protestschreiben gegen die nationalsozialistischen Besatzer hatten verlesen lassen. Ihre Schwester Rosa lebte seit dem Tod der Mutter 1936 als ständiger Gast und Tertiarin im Karmeliterkloster in Echt und arbeitete dort an der Pforte mit.
Am 7. August wurde Teresia Benedicta vom Kreuz nach Auschwitz - dem heutigen Oświęcim - verschleppt und dort zusammen mit ihrer Schwester sofort in der Gaskammer ermordet. „Komm, wir gehen für unser Volk“, sagte sie dabei zu Rosa. Auf die zuvor mögliche Flucht in die Schweiz hatte sie verzichtet, weil diese nur ohne ihre Schwester möglich gewesen wäre.
Das katholische Gotteslob enthält die Vertonung des Stein-Gedichtes „Erhör', o Gott, mein Flehen" (GL 439). Die Kirche St. Martin in Bad Bergzabern ist heute zur Erinnerung an Edith Steins Taufe die Tauferneuerungskirche des Bistums Speyer. An dem Haus in Hamburg, in dem Edith Stein bei ihrer Schwester wohnte, erinnert ein Schild an sie. 1999 wurde ein Edith-Stein-Denkmal vor dem Priesterseminar in Köln errichtet. 2006 wurde eine Skulptur in einer der letzten freien Außenkonchen - einer halbrunden Wandnische - des Petersdomes in Rom aufgestellt und von Papst Benedikt XVI. geweiht; sie zeigt Edith Stein, die eine Torarolle und ein Kreuz hält, auf der in hebräischen Buchstaben „Schema Jisrael", „Höre, Israel" steht; dabei überragt das Kreuz die Torarolle. In Echt in den Niederlanden wurde - beginndend am Kriegerdenkaml am Marktplatz und endend im Trefcentrum „Edith Stein" - ein Edith-Stein-Gedenkweg eingerichtet, der Stationen ihres Lebens in Echt in Erinnerung ruft. 2008 wurde Edith Stein auf Beschluss der Bayerischen Staatsregierung in die Ruhmeshalle Walhalla in Donaustauf bei Regensburg aufgenommen.
Text: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon
(sig)