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PIUS IX.: Der umstrittene Selige

  • 07.
    Februar
    2033
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In der Kirchengeschichte gab es immer wieder Epochen, die als Umbruchzeiten verstanden werden können: Jahrhunderte, in denen sich die Lage der Kirche fundamental veränderte und die Stellung der Kirche in der Welt neu bestimmt werden musste. Das geschah während der Regentschaft des antiken Kaisers Konstantin, als das Christentum binnen weniger Jahre von einer verfolgten zu einer bevorzugten Religion wurde. Das geschah während der Reformationsjahre, als sich für die katholische Kirche ganz neu die Frage nach ihrer Theologie und Verfassung stellte. So auch im 19. Jahrhundert: Am Ende des 18. Jahrhunderts hatte die Französische Revolution die Welt auf den Kopf gestellt. Die neue Republik vertrat laizistische, bisweilen auch offen kirchenfeindliche Positionen. Das Heilige Römische Reich zerbrach. In diese Zeit wurde Giovanni Maria Mastai-Ferretti 1792 geboren. Der Italiener wurde Priester, dann Bischof von Imola. 1846 wurde er zum Papst gewählt und nannte sich nun Pius IX.

32 Jahre lang war Pius IX. Papst – länger als irgendein anderer Papst der Kirchengeschichte. Zu Beginn seines Pontifikats galt er als liberal, als Bischof hatte er sich den Ruf eines eifrigen Seelsorgers erworben. Doch dann kamen die Probleme: In Italien begann sich, eine italienische Nation zu formen. Dieser Einigung stellte sich der Papst zumindest insofern entgegen, als er sich weigerte, den Kirchenstaat aufzugeben. Bis dahin war der Papst zugleich weltlicher Herrscher nicht nur über den Vatikan, sondern auch über andere Teile Italiens wie Umbrien, Latium und die Marken. Diese im Herz Italiens gelegenen Regionen sollten natürlich auch Teil des neuen Königreiches werden – Pius IX. aber weigerte sich, seine eigene Herrschaft und die der Kirche aufzugeben. Das führte zum Aufstand in Rom, Pius IX. musste sich nach Süditalien flüchten. Auf lange Sicht konnte sich seine Position nicht durchsetzen: Pius verlor die weltliche Herrschaft des Papstes.

1854 verkündete Pius das Dogma der unbefleckten Empfängnis Mariens. Diese Lehre war nicht wirklich neu; sie stieß innerhalb der Kirche auf breite Anerkennung. Neu und umstritten war allerdings, dass der Papst aus sich heraus eine Lehre unfehlbar verkündet hatte. Darf ein Papst das? Hat er diese Vollmacht? Für das 1870 einberufene Konzil war diese Frage zunächst nicht vorgesehen, wurde schließlich aber doch auf die Tagesordnung gebracht. Auf dem Konzil wurde heftig diskutiert: Ein Teil der Bischöfe lehnte die Unfehlbarkeit des Papstes ab, ein anderer Teil – etwa der damalige Regensburger Bischof Ignatius von Senestréy – trat entschieden dafür ein. Das Konzil beschloss die Unfehlbarkeit letztlich mehrheitlich, eine Reaktion war allerdings die Abtrennung der altkatholischen Kirche.

Schließlich sah Papst Pius IX. sich mit einer Welt konfrontiert, die immer moderner wurde und auch immer moderner dachte. Statt den Dialog mit den Wissenschaften zu suchen, verurteilte er in seinem „Syllabus errorum“ bestimmte Ideen seiner Zeit – darunter auch grundlegende Menschenrechte, die für uns heute selbstverständlich sind. Nicht zuletzt deshalb ist Pius IX. wohl einer der umstrittensten Päpste der Kirchengeschichte. Als ihn Papst Johannes Paul II. 2000 seligsprach, führte das zu deutlichem Widerspruch. Seine Seligsprechung wurde besonders kritisiert – so auch von der jüdischen Gemeinde, da Pius IX. die Zwangstaufe eines jüdischen Kindes für gut befunden hatte. Das Zweite Vatikanische Konzil sollte weniger als hundert Jahre nach Pius IX. nicht nur die Religionsfreiheit anerkennen, sondern auch seine Wertschätzung für das jüdische Volk betonen. Johannes Paul II. betonte dagegen die große Bedeutung des seligen Pius für die Geschichte der Kirche. In seiner Predigt bei der Seligsprechung pries er ihn als ein Vorbild dafür, an der Offenbarung Christi auch in schwierigen Zeiten festzuhalten. Er unterstrich dabei auch die Bedeutung des Ersten Vatikanischen Konzils für die Lehre der Kirche.

Gedenktag von Pius IX. ist der 07. Februar.

 

Text: Benedikt Bögle
Titelbild: Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon