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Zur Neuigkeit
Apostel der Pommern, Diplomat in Rom
Otto von Bamberg
Jährlich am 30. Juni gedenkt die katholische Kirche des heiligen Bischofs Otto von Bamberg. Er vermittelte im Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst und christianisierte während zweier Missionsreisen weite Teile Pommerns. Sein Wirken fällt ins späte 11. und frühe 12. Jahrhundert, also ins Hochmittelalter. Und obwohl Ottos zuvörderst als Missionar der Pommern bekannt ist, hat seine Person doch starke Bezüge zum Bistum Regensburg. Sein Gedenktag, der 30. Juni, ist sein Todestag; er starb im Jahre 1139.
Otto wurde in einer edelfreien Familie geboren, seine Mutter stammte wohl von den Staufern ab, er wurde in Eichstätt erzogen. Seine herausragende Persönlichkeit und Begabung brachten ihn 1088 als Kaplan an den Hof des Polenherzogs Władisław-Hermann, als dieser Judith, die Schwester von Kaiser Heinrich IV., heiratete. Um 1092 holte ihn Heinrich IV. an den kaiserlichen Hof, er wurde Mitglied der Hofkapelle, Bauleiter am Dom in Speyer und später auch Kanzler. Heinrich IV. machte ihn dann 1102 zum achten Bischof von Bamberg. Seine Fürsorge in Bamberg ging so weit, dass er, als ein ungewöhnlicher Schneefall im Mai 1125 die Saaten vernichtete, zur Jakobi-Messe Brot aus seinen Vorräten backen und Sicheln sowie andere Werkzeuge verteilen ließ, damit gearbeitet und nicht gebettelt werde.
Heinrich IV. ernannte Otto 1102 zum achten Bischof von Bamberg, ein Amt, das er bis zu seinem Tod ausübte. In der dramatischen Endphase des Investiturstreits setzte ihn König Heinrich V. mehrfach als Unterhändler bei Papst Paschalis II. ein. Der Papst seinerseits machte Otto 1106 gegen dessen eigenen Willen zusätzlich zum Bischof von Anagni. 11118 hatte sich die Lage geändert. Weil er im erneut aufgeflammten Streit auf der Seite Heinrichs V. gestanden hatte, enthob ihn die päpstliche Partei auf der Synode von Fritzlar zeitweise seiner Ämter. Otto gehörte 1122 zu den führenden Vermittlern beim Wormser Konkordat, das den jahrzehntelangen Streit um die Bischofseinsetzungen zwischen Kaiser und Papst beilegte.
Seinem ausgleichenden Wesen ist es zu verdanken, dass der Konflikt zwischen Heinrich IV. und dessen Sohn Heinrich V. zu einem Ausgleich kommen konnte. Otto erreichte die Lösung des verstorbenen Kaisers vom Kirchenbann und dessen Beisetzung in einer Kapelle des Speyerer Doms, der traditionellen und bekannten Grablege der Kaiser aus dem Haus der Ottonen.
Nachdem der polnische Herzog Bolesław III. Schiefmund das bis dahin unabhängige, heidnische Pommern unterworfen hatte, bat er Otto um die Christianisierung des Landes. Eine frühere Missionsreise des aus Spanien stammenden Bischofs Bernhard war zuvor erfolglos geblieben. In zwei Reisen, 1124/1125 und 1128, zog Otto mit reichsfürstlichem Gefolge durch Pommern. Der zweite Missionszug - unterstützt von König Lothar III. - führte ihn auch in die unter der Hoheit des Pommernherzogs Wratislaw I. stehenden lutizischen Gebiete westlich der Oder. Die Überlieferung berichtet, dass er nicht nur durch sein glanzvolles Auftreten, sondern auch durch seine Einfühlsamkeit wirkte: So ließ er den großen Nussbaum in Stettin, der heidnischen Göttern geweiht war, nicht abhauen, sondern bestimmte, dass sein Schatten und seine Früchte die Einwohner weiterhin erfreuen sollten.
Sein Biograf Herbord schilderte, wie Otto und seine Priester in Stettin zunächst bewaffnet mit Äxten und Lanzen die heidnischen Heiligtümer niederrissen. Als die Bevölkerung sah, dass sich ihre Götter nicht „wehrten“, schloss sie sich dem Abriss an. Eine heilige Eiche ließ Otto auf Bitten der Stettiner dennoch stehen, allerdings unter der Auflage, darunter keine Orakel mehr zu praktizieren. 22.000 Menschen soll er in Pommern getauft haben, die Kirche in Pommern erhielt durch ihn ihre Organisation, er plante die Errichtung des Bistums Kammin, die bald nach Ottos Tod erfolgte..Wegen seiner Missionserfolge wird er bis heute als Apostel der Pommern verehrt.
Otto setzte sich auch für den Ausgleich zwischen König Lothar III. und den Staufern ein. Durch Gütererwerbungen und Burgenpolitik schuf er die Grundlagen des Bamberger Bischofsgebietes im Frankenwald, im Steigerwald sowie in der Fränkischen Schweiz. Er gründete oder reformierte über 30 Klöster, Stifte und Spitäler zwischen Kärnten und Sachsen; zu seinen Klostergründungen gehören um 1110 Aura an der Saale, Prüfening in Regensburg und Michelfeld bei Auerbach in der Oberpfalz.
Otto wurde am 29. April 1189 von Papst Clemens III. in einer delegierten Kanonisation auf einem Hoftag König Heinrichs VI. in Würzburg heiliggesprochen. Sein Grab liegt in der ehemaligen Bamberger Klosterkirche St. Michael, die er nach einem Erdbeben zwischen 1117 und 1121 erneuern ließ.
Text: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon / CNA Deutsch / sig
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