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Zur Neuigkeit
NORBERT VON XANTEN: Heiliger Reformer
Norbert von Xanten lebte im 11. und 12. Jahrhundert und war der Begründer des Ordens des Prämonstratenserordens.
Der heilige Norbert von Xanten wurde Ende des 11. Jahrhundert, vermutlich 1082, in Xanten geboren. Seine Familie war adlig, das ermöglichte ihm eine kirchliche Karriere. Schon mit zwölf Jahren trat Norbert in das Kanonikerstift in Xanten ein. Dort machte er schon bald Karriere. Er trat in die Dienste des Kölner Erzbischofs und wurde zum Subdiakon geweiht. Auf diese Weise hatte Norbert ein kirchliches Einkommen, führte aber gleichzeitig ein eher weltliches Leben. Norbert wurde Berater des Königs und erlebte, dass der König den Papst gefangen nahm, um seine Krönung zum Kaiser durchzusetzen. Als Dank für seine Dienste wurde ihm seitens des Königs der Bischofssitz im französischen Cambrai angeboten, Norbert aber lehnte ab und bezog damit eine klare Position im damals herrschenden Investiturstreit: Im Mittelalter war sehr umstritten, wer Bischöfe ernennen durfte, der Kaiser oder der Papst, denn die Kirche hatte viele Besitztümer und damit Macht. Wer einen Bischof in sein Amt investieren konnte, hatte de facto die Möglichkeit zu großer Machtausübung.
Indem Norbert die Ernennung durch den Kaiser ablehnte, zeichnete sich eine erste Wende in seinem Leben ab. Die verlief dramatisch. Metaphorisch überliefert ist sein Seitenwechsel im Machtgefüge, der um das Jahr 1115 zu datieren ist, durch den Bericht von einem Bekehrungserlebnis: Norbert stützte vom Pferd – so wie einst der Apostel Paulus vor den Toren von Damaskus. Von nun an wollte er mittellos leben, verzichtete auf sein Einkommen und verschenkte sein Vermögen. Er trat in ein Benediktinerkloster ein, wechselte dann in ein strengeres Augustiner-Chorherrenstift, ließ sich dort zum Priester weihen und kehrte in schließlich jenes Stift zurück, in das er schon als Jugendlicher eingetreten war. Dort strebte er umfasende Reformen an, durch die er sich sogar bei seinen Mitbrüdern höchst unbeliebt machte. Fortan zog er als asketischer Wanderprediger durch Frankreich.
Schließlich gründete Norbert im französischen Prémontré ein Kloster, das sich an der Augustinus-Regel orientierte und in dem ein Leben von bis dato kaum gesehener Entsagung geführt wurde. Aus diesem Kloster entstand der Orden der Prämonstratenser. Mit diesem Orden stieß Norbert eine Reform des religiösen Lebens an. 1126 wurde er zum Erzbischof von Magdeburg ernannt. Norbert erwies sich als Oberhirte, der auf eine strenge Einhaltung des priesterliche Zölibats und auf ein einfaches Leben drängte. Schließlich wurde Norbert aufs Neue Vertrauter eines Königs, aber diesmal war es Lothar III., der stärker romfreundlich orientiert war als seine Vorgänger, die Salier und seine Nachfolger, die Staufer. Auf einer Reise nach Rom könnte sich Norbert mit der Malaria infiziert zu haben, er wurde jedenfalls immer schwächer und starb bereits 1134 in Magdeburg.
Der heilige Norbert reiht sich durch seine Reformbemühungen in eine ganze Reihe großer Ordensgründer ein: Schon der heilige Benedikt eckte zunächst mit seinen strengen Vorstellungen vom Ordensleben an. Der heilige Franziskus erkannte die Dekadenz der Kirche seiner Zeit und setze ganz auf die Armut und auf ein einfaches Leben. Diese Heiligen stehen durch ihren persönliche Einsatz in einem Spannungsfeld: Der christliche Glaube soll einerseits mitten in der Welt wirken, andererseits aber nicht „verweltlicht“ sein. Eine „Entweltlichung“ in diesem Sinne forderte Papst Benedikt XVI. 2011 in seiner „Freiburger Rede“: „Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben. Die missionarische Pflicht, die über der christlichen Anbetung liegt und die ihre Struktur bestimmen sollte, wird deutlicher sichtbar.“ Einen Beitrag zu dieser Entweltlichung hat auch der heilige Norbert geleistet.
Die Kirche feiert den heiligen Norbert am 6. Juni.
Text: Benedikt Bögle
Foto (gemeinfrei): Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon; Augustinus überreicht Norbert (rechts) die Regeln des Augustinerordens; aus der "Vita St. Norberti", 12. Jahrhundert
(mk / sig)