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Zur Neuigkeit
Laurentius von Rom: Diakon und Märtyrer
Im spätantiken Rom waren im 3. Jahrhundert immer neue Christenverfolgungen an der Tagesordnung. Unter Valerian gab es Mitte 258 nach Christus eine Verhaftungswelle. Der aus Spanien stammende Laurentius gehörte zum Kreis der Leidtragenden. Er war kurz nach der Wahl von Papst Sixtus II., im Herbst 257, in den Kreis der sieben Diakone Roms gewählt worden. Regensburg, 10. August 2024. Sein Märtyrertod war sein größter Liebesbeweis für Jesus Christus. In einer Predigt beschreibt Leo der Große die Folterqualen, die Laurentius erdulden musste: „Das Feuer konnte Christi Barmherzigkeit nicht besiegen. Das Feuer, das ihn äußerlich versengte, war schwächer als das Feuer, das in ihm loderte.“
Laurentius, der Überlieferung zufolge Sohn von Orentius und Patientia, der demnach seinen Namen von deren Landgut Lauriacum - spanisch "Loret y Lauret" - der heutigen Wallfahrtskirche Loreto - bei Huesca erhielt und in seiner Heimatstadt eine gute Ausbildung genoss, wurde demnach einer der sieben Diakone der Christengemeinde in Rom, also für die Finanzen und die Sozialarbeit der Kirche von Rom zuständig. Als der römische Bischof Sixtus II. unter dem Christenverfolger Valerian festgenommen und enthauptet wurde, war sein Diakon Laurentius der Überlieferung zufolge verzweifelt, dass er nicht wert erachtet wurde, diesen Tod zu teilen.
Sixtus tröstete ihn mit der Verheißung, dass er ihm in drei Tagen nachfolgen werde, und erteilte ihm den Auftrag, den Kirchenschatz den Leidenden und Armen auszuteilen. Kaiser Valerian aber erhob Anspruch auf diese Schätze; um Laurentius zur Herausgabe zu zwingen, wurde der mehrfach gegeißelt, erbat sich jedoch drei Tage Bedenkzeit, verteilte während dieser Frist die Güter und präsentierte dann die beschenkten und christlich gewordenen Armen dem Kaiser als "die wahren Schätze der Kirche".
Der erboste Valerian ließ Laurentius mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen, versuchte vergeblich ihn zum heidnischen Opferdienst zu zwingen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern. Selbst in diesen Qualen bewahrte er sich seinen Humor und neckte den Henker, er solle ihn auf dem Feuer wenden, der Braten sei auf der einen Seite schon gar. Sein Kerkermeister Hippolytus, durch die Standhaftigkeit des Laurentius bekehrt, begrub ihn.
Bei Cyprian von Karthago, der das Martyrium des römischen Bischofs Sixtus II. und vier Diakonen berichtete, findet sich der Name von Laurentius noch nicht. Spätere Überlieferung kennt zwei weitere Diakone, die kurze Zeit nach dem Tod von Sixtus und seinen Gefährte aufgegriffen und hingerichtet wurden; der zuletzt übriggebliebene siebente Diakon sei Laurentius gewesen.
Bald schon gestaltete die Überlieferung die Leidensgeschichte von Laurentius; man darf deshalb von einem historischen Laurentius ausgehen, der tiefen Eindruck in der römischen Gemeinde hinterlassen hatte. In der römischen Gemeinde hatte die Verehrung von Laurentius nach der der Apostel Petrus und Paulus die größte Bedeutung. Kaiser Konstantin ließ nahe des Grabes eine Basilika errichten, die durch eine Treppe mit dem Grab verbunden war. 354 ist Laurentius' Verehrung im Friedhof an der Via Tiburtina bezeugt. Der römische Bischof Damasus I. pries Laurentius' Tod durch Geißelhiebe, Henkersknechte, Flammen, Folter und Gefängnis. Laurentius starb tatsächlich also wohl durch Enthauptung, nicht auf dem legendären Rost.
Mehrere Legenden stammen schon aus dem 4. Jahrhundert. Ambrosius von Mailand deutete die ihm vorliegende Leidensgeschichte als Tod auf dem Feuerrost; Laurentius habe trotz der Qualen die Kraft zu scherzenden Worten gehabt. Auch Augustinus von Hippo und Maximus von Turin erzählten von Laurentius. Der Liber Pontificalis nannte um 531 als Todestag den 10. August 258. Ergänzende Schilderungen des Martyriums enthält die Leidensgeschichte des Polychronius von Babylon in mehreren Überlieferungsschichten vom Ende des 5. bis zum Beginn des 7. Jahrhunderts.
Zum Gedenken an Laurentius ließ der Überlieferung zufolge der römische Bischof Damasus I. um 380 in seinem Haus die BasilikaS. Lorenzo in Damaso einrichten - heute Teil des Palazzo della Cancelleria -, die somit eine der ältesten Kirchen in Rom ist. Über Laurentius' Grab errichtete Papst Pelagius II. um 585 eine Basilika mit Empore, die Papst Honorius III. um 1223 erweitern ließ. Diese Kirche San Lorenzo fuori le Mura gehört zu den fünf römischen Hauptkirchen; in der Krypta ruhen Laurentius' Gebeine zusammen mit denen des Stephanus in einem antiken Sarkophag; die beiden gelten als die Protomärtyrer, die besonders vorbildlichen oder Erzmärtyrer. Weitere 30 Kirchen in Rom sind nach Laurentius benannt.
Unter den von Laurentius verteilten Schätzen soll auch der Originalkelch gewesen sein, den Jesus beim Abendmahl benutzt habe und der von Petrus nach Rom mitgebracht worden sei. Laurentius habe ihn dann durch einen spanischen Soldaten nach Huesca bringen lassen. Als im 8. Jahrhundert die Mauren Spanien eroberten, versteckten Christen das kostbare Gefäß in einer Höhle und ab 712 in der abseits in den Bergen liegenden Einsiedelei von San Juan de la Peña im Pyrenäenvorland. 1399 übergab deren Abt den Kelch König Martin I. von Aragón, der ihn in den Alfajería-Palast nach Saragossa brachte, bis er 1432 in den Königspalast und 1437 in die Kathedrale nach Valencia kam. Mit dem im Kapitular-Saal der Kathedrale verehrte Kelch, juwelengeschmückt und aus grünem Achat, feierten 1982 Papst Johannes Paul II. und 2006 Past Benedikt XVI. die Heilige Messe.
Nach dem Sieg von Kaiser Otto I. über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg am Laurentiustag 955 verbreitete sich sein Kult noch stärker. In Deutschland mehrten sich vom 13. Jahrhundert an die Darstellungen des besonders beliebten Märtyrers. Auch König Philipp II. von Spanien, der am Laurentiustag 1557 die entscheidende Schlacht bei St-Quentin gegen die Franzosen gewann, führte seinen Sieg auf ihn zurück und legte deshalb seine neue Klosterresidenz San Lorenzo de El Escorial bei Madrid in Form eines Rostes an.
Das Haupt von Laurentius gilt als eine der kostbarsten Reliquien überhaupt; ein Teil davon, die Schädeldecke, wird im ehemaligen Benediktinerkloster - dem heutigen Münster - in Mönchengladbach verehrt; im 16. Jahrhundert versuchte der spanischen König Philipp II. vergeblich, sie für den Bau des Laurentius geweihten Klosters El Escorial bei Madrid zu erwerben. Andere Teile liegen im Tresor im Vatikan; eine weitere Kopfreliquie ist in der Schatzkammer der Kathedrale in Dubrovnik. Andere Reliquien wurden weit verbreitet, so liegen solche in der auch ihm geweihten Kirche Santi Ippolito e Lorenzo der Kamaldulenser in Faënza und im Dom in Augsburg.
Laurentius ist einer der meistverehrten Heiligen der katholischen Kirche. Er ist für die Bauern der erste Herbstbruder, sein Gedenktag der Beginn des Anbaus der Feldfrüchte des Herbstes. Laurentiustränen sind Sternschnuppen in den August-Nächten. Laurentiusbrot wurde früher gesegnet und dann an Arme, oft auch an das Vieh, verteilt. Laurenzilorbeer, die oft meterhohe, gelbblütige Goldrute, gilt als Heilmittel für verschiedene Krankheiten. Die Winzer bringen ihm an seinem Tag ihre Erstlingstrauben dar, nach ihm ist die Rebsorte St. Laurent benannt.
Geweihte Laurenzikohlen schützen vor Feuer, der Laurentiussegen schützt bei Feuer und bei brennenden seelischen Qualen. Laurentius' Gedenktag fällt jedes Jahr mit dem Erscheinen vieler Sternschnuppen zusammen; ebenso wie an den Tagen darauf gibt es nun besonders viele Sternschnuppen zu sehen sind. Im Volksmund werden diese in der Erdatmosphäre verglühenden Gesteinsbrocken Laurentius-Tränen genannt.
Text: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon
(sig)