Bild Der heilige Ulrich – Schutzpatron gegen Mäuseplagen

Der heilige Ulrich – Schutzpatron gegen Mäuseplagen

  • 04.
    Juli
    2036

Der 4. Juli ist in Bayerisch-Schwaben ein ganz besonderer Tag. Man feiert den Ulrichstag, den Gedenktag des heiligen Ulrich, Schutzpatron der Stadt und des Bistums Augsburg. Früher war Ulrich weit über die Grenzen Schwabens hinaus einer der beliebtesten Heiligen.

Heiligenlegende

Dargestellt wird der heilige Ulrich häufig als Bischof mit einem Fisch. Der Legende nach hatte er einem Boten an einem Freitag ein Stück Braten von seiner Tafel als Wegzehrung für den Rückweg mitgegeben. Der Sendbote berichtete sogleich seinem Herrn, dem Herzog von Bayern, Ulrich sei ein Heuchler, weil er am Freitag Fleisch esse. Als er zum Beweis das Fleischstück hervorziehen wollte, hatte es sich in einen Fisch verwandelt.

Der mutige Bischof

In einer gräflichen Familie 890 geboren, wurde Ulrich in dem berühmten Kloster St. Gallen erzogen und 924 zum Bischof von Augsburg bestimmt. Berühmtheit erlangte er durch seinen Mut gegen die Ungarn, die im Jahr 955 Augsburg belagerten. Hoch zu Ross, ohne Helm und Harnisch, nur mit einer Stola als Zeichen seines Priestertums, stellte er sich auf dem Lechfeld dem Feind entgegen, bis der herbeigerufenen Kaiser Otto I. mit seinem Heer eintraf und am Laurentiustag, dem 10. August des Jahres 955, die Ungarn vernichtend schlug.

Das Wetter am Ulrichstag

Mit dem Gedenktag des Heiligen sind auch zahlreiche Wetterregeln verbunden. So ist der Regen an diesem Tag gefürchtet, denn „Viel Regen um den Ulrichstage, gibt unseren Birnen Würmerplage“ oder „Bei Regen am Sankt Ulrichstag – manche Tage es noch regnen mag. Auch geht dann das Getreide fehl, und schlechtes Korn gibt schlechtes Mehl“ und „Wenn es am Ulrichstag gewittert, jede Nuss am Baume zittert“. Eine weitere Bauernregel für den Tag des heiligen Ulrich ist so alt, dass wir sie ohne Erklärung heute gar nicht mehr verstehen: „Wenn’s am Ulrichstag regnet, regnet’s in den Urhabkübel“. Urhab war die Bezeichnung für den Sauerteig zum Brotbacken. Die Wetterregel prophezeit also schlechtes Getreide = schlechtes Mehl = schlechtes Brot bei einem verregneten Julibeginn. 
In der Pestzeit wurde Ulrich um Hilfe gegen die Seuche angerufen.

Ulrichsfeiern gegen Unwetter

Noch heute findet im schwäbischen Steingaden alljährlich am Sonntag nach dem Ulrichstag ein großer Pferdeumritt - der Ulrichsritt - statt, der auf ein Gelübde der von der Pest bedrohten Bürger zurückgeht. Und noch eine andere Plage soll der Heilige zuverlässig beseitigen: Lange Zeit glaubte man, dass Erde aus der Umgebung seines Grabes im Augsburger Dom St. Ulrich und Afra Ratten und Mäuse vertreiben würde. In den Bergen heißt der Gedenktag des Heiligen auch „Alpensegentag“. In vorchristlicher Zeit feierten die Germanen am 4. Juli den letzten Tag ihres Mittsommerfestes. Heute finden in den Alpen an diesem Tag Ulrichs-Feiern mit Segnungen gegen die um diese Jahreszeit besonders gefürchteten Unwetter statt.

Vielseitiger Patron

Doch der heilige Ulrich ist nicht nur Schutzpatron gegen Ratten- und Mäuseplagen in Haus, Hof und auf den Feldern, sondern auch der Reisenden, Wanderer, Fischer, Weber, Winzer und Sterbenden. Die Gläubigen erflehten seine Hilfe bei schwerer Geburt oder Körperschwäche, gegen Fieber und Tobsucht und zum Schutz vor Hochwasser und Unwetter.

Text: Judith Kumpfmüller