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Zur Neuigkeit
Afra von Augsburg – Märtyrerin und Vorbild im alten Bayern
Historisch gesichert ist die Enthauptung einer Afra nahe Augsburg unter Kaiser Diokletian um 304, wohl an der Stelle der heutigen Kirche St. Afra im Felde in Friedberg bei Augsburg. Diese Angabe ist sehr konkret, und sie führt uns zur die Tochter des Königs von Zypern, Afra. Ihr Vater wurde ermordet, seine Witwe, die Königin Hilaria, floh mit der jungen Afra nach Rom und weihte ihre Tochter der Liebesgöttin Venus. Afra träumte, sie solle Königin von Augsburg werden und bewog die Mutter, mit ihr dorthin zu ziehen, und dort führte sie zunächst ein Leben gemäß dieser Weihe.
Afras Leben fällt in die Zeit der spätrömischen Christenverfolgungen. Bischof Narcissus von Gerona kehrte während seiner Flucht vor der Diokletianischen Verfolgung, aus Spanien kommend und Herberge suchend, unwissend in dieses Haus im heutigen Augsburg ein; damals hieß die Stadt Augusta Vindelicum. Afra, die ein sündiges Leben führte, bereitete ihm ein Mahl. Von seinem Tischgebet wurde sie dann so erschüttert, dass sie ihm zu Füßen fiel, sich bekehren und taufen ließ. Sie schloss das Bordell, worauf sie von mehreren enttäuschten Kunden ihres Etablissements als Christin angezeigt wurde.
Die auch im damaligen Augusta Vindelicum, sehr schlimm wütende Christenverfolgung brachte sie ins Gefängnis und zur Verurteilung: an einen Baumstamm gebunden, wurde sie um 304 enthauptet, wobei sie einer älteren Überlieferung nach auf dem Lechfeldauch verbrannt worden sein könnte. Denn drei ihrer Freundinnen, mit denen sie ihr sündiges Haus betrieb, sowie die Mutter waren auch bekehrt worden, überlebten aber das erste Martyrium und wurden dann dem Flammentod überantwortet.
Afras Mutter Hilaria soll eine Kapelle gebaut haben, die ab 565 als Wallfahrtsstätte bezeugt ist und an deren Stelle heute die Kirche St. Ulrich und Afra steht, an der dann ein Kanonikerstift gegründet wurde, das 1012 zum Kloster der Benediktiner wurde. 1064, im Jahr von Afras Heiligsprechung, wurde in dessen Kirche ein spätrömischer Sarkophag mit angekohlten Gebeinen entdeckt; dieser steht heute in der Gruft von St. Ulrich und Afra in Augsburg. In die damals neu erbaute Basilika wurden die Gebeine im Jahr 1500 übertragen.
Archäologische Untersuchungen ergaben, dass an der Stelle der heutigen Kirche St. Ulrich und Afra, ein Kilometer südlich der damaligen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum, ein spätrömisches Gräberfeld lag, in dem offenbar viele als heilig Verehrte bestattet wurden; Afras Grab oder Inschriften konnten aber nicht gefunden werden. Ihr Name kann auch als Herkunftsbezeichnung verstanden werden, dann stammte sie aus Afrika - also der römischen Provinz Africa proconsularis. Die älteste Notiz über Afra findet sich im Martyrologium des Hieronymus; Venantius Fortunatus kannte 565 die Verehrung von Afras Gebeinen in Augsburg. Eine Leidens- und eine Bekehrunsgeschichte entstand im 8. Jahrhundert in zwei Fassungen: erstere erzählt von der Prostituierten, letztere von der Bekehrung Afras und ihrer Gefährtinnen durch Bischof Narcissus, der dann Afras Onkel Dionysius zum Bischof von Augsburg weihte.
Über das Bistum Augsburg hinaus sind Afra zahlreiche Kirchen geweiht. Der Weiler Affenhausen - ein Ortsteil von Mieming - in Tirol, ist nach Afra benannt, die in der dortigen Afra-Kapelle verehrt wird. Eine ihr geweihte Kirche, Kirche St. Afra im Felde in Friedberg bei Augsburg, wurde der Überlieferung nach auf der Stätte ihres Todes errichtet, 955 bei einem Einfall der Ungarn zerstört und durch Bischof Ulrich von Augsburg wieder aufgebaut, aber von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg wieder zerstört. Der Nachfolgebau wurde 1712 geweiht, woraufhin die Wallfahrt großen Aufschwung nahm; nach der Säkularisation 1803 wurde die Kirche profanisiert, 1878 wieder eröffnet und neu geweiht.
Text: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon
(sig)