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Von der Osternacht bis zum Ostermontag

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von Benedikt Bögle.

 

Osternacht: Jesus hat den Tod besiegt

Früh am Morgen kommen Frauen zum Grab Jesu und sehen, dass sein Leichnam weg ist – weil Jesus von den Toten auferstanden ist, wie sich später herausstellt. Deswegen treffen sich die Christen auch früh am Morgen, um vier oder fünf Uhr am Ostersonntag, um die Auferstehung Jesu zu feiern. Zu Beginn des Gottesdienstes wird die Osterkerze entzündet, Sinnbild für das Licht, das Jesus in die Welt gebracht hat. Darauf folgen neun Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament.

 

Schöpfung – Abraham – Jesus

Diese Lesungen erzählen von der kompletten Geschichte Gottes mit den Menschen. Das beginnt mit der ersten Lesung (Genesis 1,1-2,2), die von der Erschaffung der Welt spricht. Gott ist es, der das Leben erschafft. Darauf folgt die Lesung, die von der Beinahe-Opferung Isaaks erzählt (Genesis 22,1-18). Abraham wird von Gott auf die Probe gestellt. Er soll Isaak, seinen geliebten Sohn opfern. Grausam! Im letzten Augenblick greift Gott ein, er verhindert den Tod des Sohnes. Das erinnert auch an das Geschehen am Kreuz: Auch dort gibt ein Vater – Gott selbst – seinen Sohn hin. Gleichzeitig ist das eine starke Botschaft für das Leben, denn Gott verheißt Abraham: „Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand.“ (Genesis 22,16-17)

 

Gott will sein Volk befreien

Die dritte Lesung (Exodus 14,15-15,1) erzählt vom Auszug Israels aus Ägypten. Gott befreit sein Volk. Er erbarmt sich, er hat das Flehen und die Not seines Volkes wirklich gehört. Er hat Mitleid und greift in den Lauf der Geschichte ein. Das würde man sich doch öfters wünschen! Man würde sich wünschen, dass Gott handelt, auf das Unrecht in aller Welt reagiert. Obwohl die schwierige Frage bleibt, weshalb Gott das gerade nicht tut – die Hoffnung von Juden und Christen ist, dass Gott eines Tages eingreifen wird. Der Tag wird kommen, an dem das Unrecht besiegt wird, an dem die Liebe Gottes triumphiert, an dem die Welt gerettet wird.

 

Kaufen ohne Geld?

Auf diese Perspektive reagieren die folgenden Lesungen. Sie sind „eschatologisch“, das heißt, sie handeln von den letzten Dingen, von dem, was am Ende der Welt geschehen wird. Die Hoffnung: Gott wird sich am Ende als der Gerechte erweisen, der im Überfluss beschenken wird: „Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide, und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!“ (Jesaja 55,1) Es sind starke Worte, die in der Osternacht verlesen werden. Worte, die die Beziehung Gottes zur Menschheit besingen: „Ihr werdet mein Volk sein und ich werde euer Gott sein.“ (Ezechiel 36,28)

 

Die Frauen haben Angst

Dies gipfelt im Evangelium, das von der Auferstehung Jesu erzählt (Markus 16,1-7): Frauen kommen zum Grab und sehen, dass der Leichnam Jesu weg ist. Ein „junger Mann“, wohl ein Engel, verkündet: „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier.“ (Markus 16,6) Diese Worte sind der Kern der christlichen Botschaft: Er ist auferstanden! Die Frauen am Grab haben auch jetzt noch Angst. Ursprünglich endet das Markusevangelium mit den wenig tröstenden Worten: „Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie fürchteten sich.“ (Markus 16,8) Nun, sie sagten dann wohl doch jemandem etwas davon, denn die Botschaft von der Auferstehung Jesu lebt bis heute. Sie hat das Leben vieler Menschen revolutioniert. Und sie soll auch heute noch das Leben ändern, umkrempeln. Es ist vermutlich Absicht, dass das Markusevangelium in Angst und Trauer endet. Denn das nimmt den Leser in die Pflicht. Er muss sich selbst mit Jesus beschäftigen. Er bekommt kein vorgefertigtes Ende geliefert.

 

Durch den Tod zum Leben

Diese Auferstehung Jesu ist Zeichen dafür, dass einst alle Menschen auferstehen werden – das war schon für die ersten Christen Gewissheit. Der Apostel Paulus mahnt (Römerbrief 6,3-11): „Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“ (Römerbrief 6,5) Die große Botschaft des Christentums ist die unzerbrechliche Liebe Gottes. Alle Lesungen der Osternacht sprechen von der Liebe Gottes zu den Menschen. Man könnte diese Geschichte auch anders erzählen, als große Erzählung des Versagens der Menschheit: Statt Schöpfung Sündenfall, statt dem Auszug aus Ägypten die ständigen Gesetzesübertretungen Israels, statt der tröstenden Worte der Propheten die drohenden Gerichtsreden.

So denkt Gott aber nicht. Er trägt die Schuld nicht nach, sondern vergibt. Er verlässt die Menschheit nicht, obwohl das wohl mehr als berechtigt wäre. Er stirbt für die Menschheit am Kreuz und ermöglicht ewiges Leben. Deswegen ist die Osternacht der Mittelpunkt des christlichen Glaubens. Es ist die Nacht, in der immer wieder aufs Neue die Welt neu geschaffen wird. Halleluja – Jesus ist wahrhaft von den Toten auferstanden.

 

Ostersonntag: Die Zärtlichkeit Jesu

Wer am Ostersonntag in einen katholischen Gottesdienst besucht, bekommt ein etwas seltsames Evangelium (Johannes 20, 1-18) zu hören, das gleichzeitig aber zu den schönsten Texten des Neuen Testaments gehört. Maria von Magdala kommt in der Frühe ans Grab Jesu und sieht: Es ist leer. Sie ist der Überzeugung, jemand habe den Leichnam Jesu gestohlen, läuft aufgelöst zu den übrigen Jüngern und berichtet davon. Petrus und ein weiterer Jünger, „den Jesus liebte“ (Johannes 20,2), rennen los. Sie wollen mit eigenen Augen sehen, was die Frau berichtet. Der Jünger ohne Name ist als erster am Grab, er geht nicht hinein. Petrus kommt kurz darauf an und geht hinein. „Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.“ (Johannes 20,7)

 

Warum sind die Binden wichtig?

Das ist wirklich sehr seltsam. Wieso wird die exakte Lage dieser Binden so genau beschrieben? Spielt das denn eine Rolle? Jesus war tot, er lag in diesem Grab – und jetzt ist er weg? Die frühe Kirche musste sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt sehen, die Jünger hätten den Leichnam Jesu einfach gestohlen. Sie seien selbst dafür verantwortlich und behaupteten später einfach, Jesus sei von den Toten auferstanden. Das will der Evangelist Johannes hier widerlegen. Wären Grabräuber gekommen und hätten sie Jesus gestohlen, würden sie ihn wohl kaum ausgewickelt haben. Das braucht Zeit und die hat man bei diesem illegalen Vorgehen nicht. Irgendwas stimmt hier also nicht. Räuber hätten Jesus mitgenommen, wie er war: eingebunden.

Gleichzeitig klingt noch etwas anderes an. Johannes berichtet von der Auferweckung des Lazarus: Ein guter Freund Jesu war gestorben und er hatte ihn wieder auferweckt. Aber irgendwie ist klar, dass Lazarus wieder sterben muss. Er ist dem Tod nur vorläufig entrissen worden, aber eines Tages wird auch er den Weg alles Irdischen gehen und sterben müssen. In diesem Abschnitt werden die Leichenbinden auch sehr genau betont: „Jesus rief mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt.“ (Johannes 11,43-44)

 

Ist Jesus wie Lazarus?

Die frühen Christen dürften sich die Frage gestellt haben, ob Jesus wie Lazarus nur „kurzzeitig“ auferweckt wurde, eines Tages aber wieder sterben müsste. Aber irgendetwas ist anders, Lazarus und Jesus unterscheiden sich. Lazarus kommt aus dem Grab, wie er war, umwickelt und eingehüllt. Jesus nicht. Jesus ist endgültig von den Toten auferstanden. Er ist wirklich auferstanden, kann durch Wände gehen, offenkundig erscheinen und verschwinden, wie er will. Vielleicht will die so exakte Beschreibung der Leinenbinden zeigen: Jesus muss nicht mehr sterben. Er hat den Tod für immer überwunden.

Nachdem Petrus und der andere Jünger weg sind, kommt Maria Magdalena in den Blick. Sie sieht im Grab zwei Engel, nimmt sie aber wohl nicht als solche wahr. Sie dreht sich um „und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.“ (Johannes 20,14) Sie hält ihn für den Gärtner, der sich um das Areal kümmert, indem die Gräber liegen. „Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.“ (Johannes 20,16) Allein an der Art, wie Jesus sie anspricht, erkennt sie ihn. Das genügt.

 

Jesus ist zärtlich

Dies ist eine unfassbar intime Szene, weil sie zeigt, wie Jesus mit denen umging, die zu ihm gehörten. In dieser Stimme, in der Art, wie er die Jünger ansprach, muss eine Unverwechselbarkeit, eine Zärtlichkeit gelegen sein. Das Johannesevangelium erzählt uns unterschiedliche Arten, wie die Jünger mit der Auferstehung und dem Auferstandenen in Kontakt kommen. Da ist Petrus, der die Leinenbinden im Grab sieht und wohl nicht ganz versteht, was da passiert ist. Da ist der Jünger, der Jesus liebte – er braucht nur zu sehen, und glaubt schon. Da ist Maria, die dem Auferstandenen als erste direkt begegnet und da ist schließlich Thomas, der die Botschaft von der Auferstehung zunächst nicht glaubt. Er will einen Beweis sehen – und Jesus zeigt ihn ihm. Das ist sicherlich kein Zufall. Die Aussage des Johannesevangeliums: Es gibt ganz unterschiedliche Arten des Glaubens und der Begegnung mit Jesus. Das Evangelium wertet das nicht. In die Reihe dieser vier Menschen darf sich jede und jeder einreihen.

 

Ostermontag: Wie soll Kirche sein?

Am Ostermontag geht es um zwei Jünger, die auf dem Weg sind. Sie verlassen Jerusalem. Das Evangelium des Ostermontags (Lukas 24,13-35) erzählt uns von ihrer Trauer. Sie waren Anhänger Jesu und mussten sehen, wie er am Kreuz scheiterte. Er brachte keine Revolution, weder gewaltsam noch friedlich. Er sollte der Neuanfang für Israel sein, musste aber sterben. Sie wollen weg, raus aus Jerusalem, Abstand gewinnen. Sie machen sich auf den Weg nach Emmaus, einem Dorf in der Nähe von Jerusalem.

Jesus stößt zu ihnen. Er ist von den Toten auferstanden und kommt zu diesen beiden Jüngern, die ihn aber nicht erkennen – „Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten.“ (Lukas 24,16) Er beginnt eine Unterhaltung und will wissen, worüber sie sprechen. Die Jünger berichten und können kaum glauben, dass der unbekannte Wanderer nichts von all den Vorgängen in Jerusalem mitbekommen haben sollte, wie er berichtet. Die Jünger haben schon von den Frauen gehört, die behaupteten, Jesus sei von den Toten auferstanden. Sie glauben es nicht. Sie zweifeln, vielleicht auch an der psychischen Gesundheit der Frauen.

 

Jesus erklärt seinen Tod

Jesus beginnt, sie zu belehren: „Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und den Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.“ (Lukas 24,27) Noch immer fragen sich die beiden Jünger nicht, wie der Fremde so gelehrt sprechen kann. Wie kann er wissen, dass der Messias den Kreuzestod erleiden muss, gleichzeitig aber nichts von der Kreuzigung Jesu mitbekommen haben? Sie kommen nach Emmaus, haben ihr Ziel erreicht. Jesus tut, als wolle er weitergehen. Die beiden Jünger nötigen ihn, mit ihnen zusammen in Emmaus zu übernachten: „Bleib doch bei uns; denn es wird Abend.“ (Lukas 24,29) Noch immer nicht haben sie ihren Herrn und Meister wiedererkannt und doch scheint da etwas zu sein, was sie bewegt.

Er bleibt bei ihnen. Gemeinsam essen sie und Jesus nimmt das Brot und bricht es. Daran erkennen sie ihn. Er tut, was er im Abendmahlssaal tat, was er vielleicht viele Male zuvor schon getan hatte. An dieser einen, kleinen Geste erkennen sie Jesus, verstehen plötzlich, wer er ist. „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Lukas, 24,31-21)

 

Erkennungszeichen: Brot brechen

Dieses Evangelium schildert wieder eine sehr intime Begegnung mit Jesus. Ähnlich zur Begegnung mit Maria von Magdala, von der am Ostersonntag erzählt wird, erkennen die Jünger Jesus zuerst nicht. Als sie ihn aber erkennen, ist das sehr intim. Er muss nicht sagen: Ich bin es. Bei Maria genügt es, dass er ihren Namen sagt. Bei diesen beiden Jüngern genügt die Art, wie er das Brot nimmt, bricht und den Lobpreis spricht.

Gleichzeitig ist dieser Abschnitt so etwas wie das Grundgesetz der Kirche. Einige Dinge geschehen, die bis heute für Kirche konstitutiv sind oder wenigstens sein sollten. Zunächst: Die beiden Jünger sind miteinander auf dem Weg. So soll auch Kirche sein. Unterwegs, auf dem Weg zu Gott. Auf diesem Weg werden zwei Dinge wichtig. Erstens: Die beiden beschäftigen sich mit der Schrift. So soll auch Kirche sich immer mit der Schrift beschäftigen – und sie sich von Jesus erklären lassen. Und schließlich gehört dazu das Brotbrechen. Seit der frühesten Zeit versammelt sich die Kirche am Tag des Herrn, dem Sonntag als dem Tag der Auferstehung, um gemeinsam das Brot zu brechen, wie Jesus es getan hat.