Suche
Kategorien
Seiten
Nachrichten
Bilder
Videos
{{{_highlightResult.post_title.value}}}
{{#helpers.snippet}}{ "attribute": "content", "highlightedTagName": "mark" }{{/helpers.snippet}}
Zur Seite{{{_highlightResult.post_title.value}}}
{{#helpers.snippet}}{ "attribute": "content", "highlightedTagName": "mark" }{{/helpers.snippet}}
Zur Neuigkeit
Person der Woche: Dr. Martin Seiberl, Hochschulpfarrer
„Kirche im universitären Lebensraum ein Gesicht geben"
Regensburg, 21. August 2026
Im Rahmen unserer Reihe „Person der Woche” stellen wir jede Woche interessante Persönlichkeiten aus dem Bistum Regensburg und darüber hinaus vor. Heute möchten wir einen Blick auf die Hochschulseelsorge werfen. Wie bekommt die Kirche im universitären Lebensraum ein Gesicht? Dazu haben wir uns mit Hochschulpfarrer Dr. Martin Seiberl unterhalten.
Pfarrer Martin Seiberl ist Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde ist Regensburg und somit der Seelsorger für alle Studenten an der Universität Regensburg, sowie an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH). Wir stellen ihm die Frage, wie die rund zwei Jahre in diesem Amt verlaufen sind und unterhalten uns im Interview darüber, ob junge Menschen überhaupt noch den Glauben in ihrem Leben suchen, gerade im universitären Umfeld:
Lieber Herr Pfarrer Seiberl, Sie sind jetzt seit September 2024 Hochschulseelsorger in der Katholischen Hochschulgemeinde an der Universität Regensburg und der OTH Regensburg. Wie ist es bisher gelaufen und welche Eindrücke konnten Sie in dieser Zeit sammeln?
Nach zwei Jahren in meiner neuen Aufgabe als Hochschulseelsorger darf ich auf eine intensive und sehr schöne Zeit zurückblicken. Zum ersten Mal in eigener Verantwortung einen pastoralen Bereich gestalten zu dürfen, hat mich sehr belebt.
Dabei standen zu Beginn ganz grundsätzliche Fragen im Raum, die es gemeinsam mit meinem neuen Team zu beantworten galt: Wie wollen wir Hochschulseelsorge ausrichten? Wie erreichen wir Studenten? Welche Schwerpunkte wollen wir setzen? Letztlich ging und geht es darum, eine gemeinsame Vision zu entwickeln, die unserer Arbeit Orientierung gibt.
In den ersten Semestern erfolgten in diesem Zusammenhang wichtige Weichenstellungen. Ein entscheidender Schritt war die Etablierung des wöchentlichen Sonntagsgottesdienstes in der Dominikanerkirche St. Blasius in der Altstadt. Dank des unerwartet großen Engagements vieler Studenten können wir dort mittlerweile jeden Sonntagabend um 20:00 Uhr einen gut besuchten Gottesdienst feiern. Die Dominikanerkirche erweist sich dabei als vortreffliche Schnittstelle zwischen Stadtgesellschaft und Hochschulseelsorge. Ausgehend von der Strahlkraft des Sonntagsgottesdienstes und dem anschließenden Get-together konnten wir viele neue Studenten für unsere Gemeinde gewinnen. Dabei ist eine gemeinsame Sonntagskultur entstanden, die inzwischen zu einem wichtigen verbindenden Element unserer Hochschulgemeinde geworden ist.
Ein weiteres Ziel war es, unserer Arbeit stärker eine evangelisierende Ausrichtung zu geben. Evangelisierung bedeutet für mich dabei den christlichen Glauben vorzuschlagen und Menschen einzuladen, ihn kennenzulernen. Dazu gehört der Aufbau einer Willkommenskultur, die von den Hauptamtlichen vorgelebt und von den Studenten unserer Gemeinde unterstützt und mitgetragen wird. Gemeinsam mit zwei jungen Frauen der Laienorganisation FOCUS (Fellowship of Catholic University Students), die gezielt in der persönlichen Glaubensbegleitung und Glaubensweitergabe unter Studenten tätig sind, konnten wir hier wichtige neue Impulse setzen.
Besonders beeindruckt hat mich in dieser Zeit das Interesse vieler Studenten für den Glauben und die Bereitschaft zur Übernahme von Engagement in unserer Gemeinde.
Was ist konkret die Katholische Hochschulgemeinde Regensburg?
In Deutschland gibt es derzeit 125 Katholische Hochschulgemeinden. Die Errichtung und personelle Ausstattung liegt in der Zuständigkeit des jeweiligen Diözesanbischofs und ist kirchenrechtlich im can. 813 CIC geregelt. Grundsätzliches Ziel ist es, Studenten (und auch Mitarbeiter) an den Hochschulen seelsorglich zu betreuen. Die Hochschulgemeinde verbindet daher Menschen, die an den Regensburger Hochschulen studieren und dabei nach der Bedeutung des christlichen Glaubens für ihr Leben fragen.
Welche konkreten Angebote gibt es dort?
Die Katholische Hochschulgemeinde gibt der Kirche im universitären Lebensraum ein Gesicht und unterstreicht auch hier den kirchlichen Anspruch, Menschen in allen Lebenslagen zur Seite zu stehen. Dabei versuchen wir, kirchliches Leben im studentischen Alltag anzubieten und zu etablieren.
An erster Stelle steht der gottesdienstliche Bereich. In der Feier der Hl. Messe an Sonn- und Werktagen, im Morgen- und Mittagsgebet oder in der eucharistischen Anbetung wird der universitäre Alltag bewusst unterbrochen. Studium, Prüfungen und Leistungsanforderungen bestimmen einen großen Teil des studentischen Lebens, sollen aber nicht zu dessen einzigem Horizont werden. Unsere gottesdienstlichen Angebote wollen deshalb Räume schaffen, in denen die Wirklichkeit Gottes in den Blick kommt und der Alltag geheiligt werden kann. Anders ausgedrückt versuchen wir, spirituelle Fenster zu öffnen, die einen weiteren Sinnhorizont für die Deutung des eigenen Lebens ermöglichen.
Ein zweiter wesentlicher Bereich ist die Gemeinschaft. Mit einem Studium beginnt eine Lebensphase, die mit vielen Umbrüchen einhergeht. Junge Menschen treten aus ihren schulischen Kontexten heraus, verlassen womöglich zum ersten Mal das Elternhaus und ziehen in eine neue Stadt. Die Sehnsucht nach zwischenmenschlichen Beziehungen, tragenden Freundschaften und prägenden Gemeinschaftserfahrungen ist bei vielen Studenten deutlich wahrnehmbar. Als Katholische Hochschulgemeinde haben wir zahlreiche Formate, in denen Gemeinschaft entstehen kann. Unser wöchentlicher Gemeindeabend, das Get-together nach der Sonntagsmesse, das Frühstück nach dem Morgengebet, das gemeinsame Mittagessen in der Mensa im Anschluss an das Mittagsgebet oder verschiedene Gesprächskreise laden unkompliziert zu Begegnung ein. Insbesondere unsere verschiedenen Gruppen, wie Ministranten, Chor, Schola, Taizé-Team oder unsere Bibelgruppen ermöglichen es Studenten, entsprechend ihrem Interesse, Anschluss zu finden. Das entscheidende Band unserer Gemeinschaft(en) ist dabei stets der christliche Glaube, der im Miteinander geteilt und gelebt wird.
Daneben gehört auch die persönliche seelsorgliche Begleitung zu unseren Aufgaben. Ein Studium fällt in der Regel in einen Lebensabschnitt, in dem viele grundlegende Entscheidungen getroffen werden. Fragen nach der eigenen Zukunft und einem sinnvollen Lebensentwurf, nach Beruf und Berufung sowie Glaubensfragen stehen im Raum. Für verschiedenste Anfragen – von der Taufvorbereitung bis zur Trauerbegleitung – stehen wir hier als Gesprächspartner zur Verfügung. Unser seelsorglicher Auftrag beschränkt sich aber nicht nur auf ausdrücklich religiöse Fragen.
Auch wenn finanzielle Probleme bei der Bewältigung eines Studiums auftreten, bieten wir Unterstützung an. Insofern kommen Studenten mit unterschiedlichsten Anliegen auf uns zu, was deutlich macht, dass Kirche hier in vielerlei Hinsicht gebraucht wird.
Schließlich gehört auch die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Glauben zu unserem besonderen Angebotsprofil. Als Katholische Hochschulgemeinde sind wir pastoral in einen tendenziell säkularen Ort wissenschaftlichen Suchens, Forschens und kritischen Denkens hineingestellt. Christlicher Glaube hat darin seinen Platz und muss zugleich bereit sein, sich den Anfragen dieses Umfelds zu stellen. Deshalb bieten wir Vorträge, Gesprächsabende und Diskussionsformate zu theologischen, ethischen und gesellschaftlichen Themen an. Wir wollen Studenten Aussagen des Glaubens begründet erschließen und so einen Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen, Wissenschaft und Gesellschaft ermöglichen.

Wie kann ich Ihre Arbeit als Hochschulseelsorger vorstellen?
Meine Arbeit als Hochschulseelsorger verstehe ich zunächst von meinem Priestersein her. Ich versuche mit meiner Berufung ein Lebenszeugnis zu geben, das im studentischen Umfeld die Frage nach Gott offenhält. Das bedeutet für mich zuallererst, am Campus als Priester sichtbar zu sein. Ich versuche den Campus zu einem Teil meines eigenen Lebensraumes zu machen: indem ich mich dort aufhalte, Kontakte pflege und an universitären Veranstaltungen teilnehme. Gleichzeitig gestalte ich diesen Lebensraum gemeinsam mit meinem Team mit. Wer an den Regensburger Hochschulen studiert, kann direkt am Campus die Hl. Messe mitfeiern, an Gebetszeiten teilnehmen oder das „panta rhei“ – einen Café-ähnlichen Begegnungsraum der KHG – besuchen.
Hochschulseelsorge beschränkt sich dabei nicht nur auf den Campus, sondern erstreckt sich auf viele Orte der Stadt, wo studentisches und kirchliches Leben zusammenkommen. Für die Mehrzahl der Veranstaltungen und Angebote steht das Gemeindezentrum der katholischen Hochschulgemeinde zur Verfügung, das sich in der Nähe des Fernsehturms am Weiherweg befindet. Eine besondere geistliche Heimat ist mir zudem die Dominikanerkirche St. Blasius in der Altstadt geworden. Die dortige Sonntagsmesse mit anschließendem Get-together ist für mich und viele Studenten der wöchentliche Höhepunkt des Gemeindelebens. Zuletzt stehe ich auch der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Stadtamhof als Seelsorger zur Verfügung, wo ich jede Woche mit einem Teil der Studenten einen Gottesdienst in St. Andreas feiere.
Die Arbeit ist stark geprägt von den Vorlesungszeiten der Hochschulen und orientiert sich an den Zyklen (Semesteranfang, Semesterende, Prüfungszeiten etc.) dieser Lebenswelt. Von Semester zu Semester gilt es, zusammen mit den Studenten der KHG, ein neues Programm zu entwickeln, das den vielen Wünschen der Gemeindemitglieder entspricht.
Bei aller Vielfalt des Angebots ist mir eine Verankerung in Gottesdienst und Gebet wichtig, damit das geistliche Fundament als entscheidendes Charakteristikum der Katholischen Hochschulgemeinde nicht verloren geht.
Meine Hauptaufgabe ist die unmittelbare Zuständigkeit für die Hochschulen in Regensburg. Als Hochschulpfarrer habe ich aber zugleich die Hochschulseelsorge in der gesamten Diözese Regensburg im Blick und stehe mit den pastoralen Mitarbeitern an den einzelnen Standorten in Verbindung. Neben den drei Hochschulen in Regensburg (Universität Regensburg, Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik) zählen dazu auch die Technische Hochschule Deggendorf, der TUM Campus Straubing und die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden. Insgesamt studieren an diesen Hochschulen gegenwärtig knapp 45.000 Menschen. Für diese Menschen steht ein Hochschulseelsorgeteam aus zwei Priestern, drei Pastoralreferenten und einer theologischen Referentin zur Verfügung.
Meine Arbeit bewegt sich damit zwischen Gottesdienst und persönlicher Begegnung, theologischer Auseinandersetzung und Veranstaltungsplanung, der Begleitung von Studenten und organisatorischer Verantwortung. Gerade diese Vielfalt macht für mich den besonderen Reiz der Hochschulseelsorge aus.
Was ist das Besondere an Ihrem Beruf als Hochschulseelsorger?
Das besondere Profil der Hochschulseelsorge ergibt sich wesentlich aus ihrer Zielgruppe und deren spezifischer Lebenssituation. Ich erlebe die Arbeit als ausgesprochen abwechslungsreich und lebendig, nicht zuletzt, weil unsere Gemeinde überwiegend aus jungen Menschen besteht. Die Lebenswelt der Universitäten ist zugleich von Flüchtigkeit gekennzeichnet. Wer einen Bachelor- oder Masterstudiengang anstrebt, ist etwa drei bis fünf Jahre vor Ort. Oft führt ein Teil der Studienzeit Studenten auch an einen anderen Studienort. Für unsere Gemeinde bedeutet das, dass sie sich in einem permanenten Umbruch befindet und sich von Semester zu Semester verändert. Dies unterscheidet unsere Hochschulgemeinde erheblich von einer klassischen Territorialpfarrei.
Aus dieser andauernden Veränderung folgt für uns die Notwendigkeit einer ausgeprägten Willkommenskultur. Wir müssen immer wieder neu auf unsere Angebote aufmerksam machen, neue Studenten ansprechen und als Kirche im Hochschulalltag sichtbar sein. Das erfordert viel Ausdauer, Kreativität und Mut, einladend auf zunächst fremde Menschen zuzugehen. In besonderem Maße müssen wir aktiv Menschen gewinnen, ein Teil unserer Gemeinde zu werden.
In den vergangenen Semestern ist es uns gelungen, mehr und mehr Studenten für unsere Angebote zu begeistern, sodass wir im Rahmen unserer Arbeit eine Aufbruchsstimmung erleben dürfen.
Gibt es eine Suche nach Glauben bei den jungen Menschen und wie äußert sich der?
Ich habe den Eindruck, dass viele junge Menschen ernsthaft nach tragfähigen Möglichkeiten suchen, ihr Leben zu deuten. Wie das Leben aller Menschen ist auch ihres von Erfahrungen geprägt, die sich nicht vollständig aus dem unmittelbar Sichtbaren heraus erklären lassen. Dazu gehören grundlegende Erfahrungen von Dasein, Liebe und Freundschaft, aber ebenso von Einsamkeit, Krankheit und Tod. Sie werfen Fragen auf, die über den Alltag hinausweisen, und wecken nicht selten eine unruhige Sehnsucht nach Sinn. Hier nehme ich ein großes Interesse wahr, die Perspektiven des christlichen Glaubens kennenzulernen. Bei vielen scheint ein Gespür dafür vorhanden zu sein, dass die Kirche mit ihrer zweitausendjährigen Tradition einen bewährten Resonanzraum für jene Fragen bietet, die durch solche menschlichen Grunderfahrungen hervorgerufen werden.
Die Suche junger Menschen äußert sich dadurch, indem sie insbesondere Angebote wahrnehmen, die Raum für eben diesen Suchprozess eröffnen. Als Beispiel möchte ich hier unsere Bibelgruppenarbeit nennen. Vor nur zwei Semestern haben wir die ersten Gruppen gegründet, die darauf angelegt sind, zu wöchentlichen Treffen in einer Kleingruppe zusammenzukommen. Bei einem gemeinsamen Essen findet zunächst ein Austausch über die zurückliegenden Tage statt, danach wird ein Bibeltext gelesen und diskutiert, sowie in seiner Bedeutung für das eigene Leben erschlossen. Aufgrund des großen Zulaufs gibt es nun sechs Bibelgruppen mit ca. 35 Studenten, die daran teilnehmen.
Auch unsere Gottesdienstangebote, wie die Sonntagsmesse oder die Tagzeitenliturgie, werden gerne angenommen. Das, was junge Menschen erreicht, sind meines Erachtens oft weniger experimentelle Formen, sondern überlieferte klassische liturgische Angebote der Katholischen Kirche, über die dann auch eine kirchliche Beheimatung stattfinden kann.
Junge Menschen zeigen in ihrem Blick auf die Kirche, ihre Verkündigung und Traditionen, eine überraschende Unvoreingenommenheit und Offenheit, was für die Pastoral der Zukunft eine große Chance darstellt.
Die Fragen stellte Christian Beirowski.
Text: Christian Beirowski
Fotos: Katholische Hochschulgemeinde
(chb)
Weitere Infos
Sehen Sie sich weitere Menschen unserer Diözese an, die wir Ihnen als Person der Woche vorgestellt haben.
Alle Informationen über die Hochschulseelsorge finden Sie hier: Katholische Hochschulgemeinde (KHG)
Auch bei Instagram ist die Katholische Hochschulgemeinde Regensburg vertreten:







