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Misereor warnt vor Zerstörung gewachsener Lebensräume
Uganda als warnendes Beispiel
Aachen / Regensburg, 27. Mai 2026
Der Abbau von Rohstoffen, insbesondere Seltene Erden, auch für den europäischen Markt; die Ausweisung von Nationalparks zur Nutzung für touristische Zwecke; die Absperrung von Naturflächen zur Kompensation von CO2-Emissionen im globalen Norden. Projekte solcher und anderer Art gefährden in Ländern wie Uganda, Kenia und Tansania zunehmend die Lebensgrundlage nomadisch lebender Viehhirten. Darauf weist das katholische Hilfswerk Misereor mit Blick auf eine derzeit in Nepal stattfindende Weltkonferenz hin, die den Titel trägt „The Global Gathering of Pastoralist Women“.
Nomadisch lebende Hirten werden nach Erkenntnissen von Misereor in vielen Regionen der Welt und immer häufiger von ihren angestammten Weidegründen vertrieben, weil deren Nutzung nicht zuletzt mit den Interessen von Menschen aus wohlhabenden Ländern kollidiert. Vor allem für moderne Technologien werden Rohstoffe benötigt, deren Extraktion vor Ort zu massiven Landrechtskonflikten und zur Verdrängung marginalisierter Gruppen führt. Die Interessen der Hirten, auch Pastoralisten genannt, die mit ihren Viehherden in größeren Naturgebieten unterwegs sind, werden dabei häufig kaum wahrgenommen.
Lebenswichtige Routen werden unterbrochen
In Uganda betrifft diese Dynamik unter anderem die Region Karamoja, wo massive Vorkommen von Gold, Marmor, Kalkstein und strategischen Materialien wie Seltene Erden entdeckt wurden, wie etwa Niob, das für Spezialstähle für Pipelines und Flugzeugturbinen eingesetzt wird, Antimon, das unter anderem für die Halbleiterindustrie und Infrarotgeräte notwendig oder Coltan, das bei der Herstellung von Akkus unverzichtbar ist.
Pastoralismus ist auf Mobilität angewiesen, um in ariden Gebieten flexibel auf Wasser- oder Weideverfügbarkeiten zu reagieren. Deshalb haben großflächige Absperrungen für Bergbauvorhhaben einschneidende Konsequenzen: Routen, die für die nomadische Bevölkerung überlebenswichtig sind, werden durch eingezäunte Abbaugebiete abgeschnitten. Bei der Rohstoffgewinnung werden durch den Einsatz von Chemikalien Wasser- und Bodenressourcen stark kontaminiert, im Tagebau große Flächen der oberen Bodenschichten abgetragen und zerstört. Für die Herden gehen damit wichtige Weideflächen und Wasserquellen unwiederbringlich verloren.
„Unsere Partnerorganisationen berichten, dass die Ausweisung von Nationalparks, die unter anderem für den Tourismus wichtig sind, ebenfalls den Zugang zu traditionellen Weidegebieten und Wasserquellen einschränkt oder ganz verhindert“, sagt Jutta Himmelsbach, Fachreferentin für Wasser- und Sanitärversorgung bei Misereor. „Hinzu kommen private Farmen, die häufig internationalen Unternehmen oder ehemals kolonialen Familien gehören und große Flächen einzäunen. In Tansania werden nomadisch lebende Gruppen - vor allem die Massai -zwangsumgesiedelt und dabei teilweise mit Waffengewalt aus ihren angestammten Weidegebieten vertrieben.“
Frauen-Rechte im Blickpunkt
Jutta Himmelsbach stellt klar: „Schon am 10. Mai hatte Deutschland seinen diesjährigen Anteil an global verfügbaren erneuerbaren Ressourcen verbraucht. Wie das Beispiel der Pastoralistinnen und Pastoralisten zeigt, müssen wir uns bewusst werden, wie unser Wohlstand und Lebensstil sich auf das Leben der Menschen an anderen Orten und auf die Natur auswirken – nicht nur in der Gegenwart, sondern auch mit Blick auf zukünftige Generationen.“
Vor dem Hintergrund der genannten Entwicklungen wird es bei der Pastoralistinnen-Konferenz in Kathmandu in dieser Woche darum gehen, die Vertreibung von Hirtenvölkern und die vielfache Verletzung ihrer Menschenrechte stärker sichtbar zu machen und auf Land- und Ressourcenrechte insbesondere von Frauen hinzuweisen.
Text: Ina Thomas
(sig)




