Hartmut Rosa Porträt vor dem Hintergrund von Regensburg mit Dom und Donauufer

Medienempfang der Presse- und Medienabteilung des Bistums Regensburg

Prof. Hartmut Rosa spricht über Religion und Demokratie


Regensburg, 25. September 2025

Prof. Dr. Hartmut Rosa hat mit seiner Resonanztheorie ein Denkmodell geschaffen, das weit über soziologische Fragen hinausweist. In seinem Werk „Demokratie braucht Religion“ betont er, dass Demokratie auf Erfahrungen lebendiger Resonanz angewiesen ist – auf Bezüge, die über das rein Rationale hinausreichen. Religion eröffnet in diesem Kontext eine Dimension der Transzendenz, die nicht Herrschaft, sondern Beziehung stiftet. Damit wird sie zum Korrektiv gegen die Erstarrung politischer Systeme und zum Nährboden demokratischer Vitalität.

Zu diesem Anlass laden wir Sie sehr herzlich zu unserem diesjährigen Medienempfang ein, der am Donnerstag, 13. November 2025, ab 18 Uhr im Andreasstadel stattfinden wird. Als Hauptredner dürfen wir in diesem Jahr Prof. Dr. Hartmut Rosa begrüßen, der in seiner Keynote zum Thema „Braucht Demokratie Religion?“ neue Impulse und Denkanstöße geben wird.


Wann? Donnerstag, 13. November 2025, Ab 18 Uhr 

Wo? Andreasstadel, Andreasstraße 28, 93059 Regensburg

Im Anschluss bleibt ausreichend Zeit für persönlichen Austausch in geselliger Runde bei Speisen und Getränken. Wir würden uns sehr freuen, Sie an diesem Abend willkommen zu heißen.

Anmeldung bis 29. Oktober

Bitte lassen Sie uns bis spätestens Mittwoch, 29. Oktober 2025, wissen, ob wir mit Ihrer Teilnahme – gegebenenfalls auch in Begleitung - rechnen dürfen. Eine Rückmeldung senden Sie bitte an: sekretariat.medien(at)bistum-regensburg.de. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Zur Person

Prof. Dr. Hartmut Rosa ist ein Denker, der die Moderne nicht aus der Distanz der nüchternen Soziologie betrachtet, sondern sie in ihren Erschütterungen, in ihrem inneren Beben sichtbar macht. Er wurde am 15. August 1965 im südbadischen Lörrach geboren und wuchs im Hochschwarzwald auf, wo er früh in einer kleinen evangelischen Gemeinde Orgel spielte – ein Moment von Resonanz, der wie ein Leitmotiv sein Denken prägen sollte. Nach dem Abitur am Hochrhein-Gymnasium Waldshut leistete er Zivildienst und begann 1986 ein Magisterstudium der Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, das er 1993 mit Auszeichnung abschloss. Ein Studienjahr führte ihn mit einem Stipendium der Studienstiftung an die London School of Economics, 1997 wurde er an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit über Charles Taylor zum Dr. rer. soc. promoviert. Seine Habilitation an der Universität Jena widmete er der Theorie der sozialen Beschleunigung, seit 2005 lehrt er dort als Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie. Heute ist er zudem Direktor des Max-Weber-Kollegs an der Universität Erfurt. 

Sein Begriff der Beschleunigung ist längst zum Zeichen einer Epoche geworden, die das Tempo zum Maßstab aller Dinge erhebt und im Rausch der Verfügbarkeit den Sinn zu verlieren droht. Doch Rosa bleibt nicht beim Befund stehen, er sucht das Gegenwort – und findet es in der Resonanz. Resonanz bedeutet Antwort, Beziehung, ein Weltverhältnis, in dem der Mensch nicht zum Herrscher degradiert, sondern zum Hörenden, zum Antwortenden wird. Darin liegt mehr als Soziologie: eine Philosophie der Gegenwart, die das Verfügbare vom Unverfügbaren unterscheidet. In diesem Spannungsfeld verbindet er Politik und Religion. Sein Buch „Demokratie braucht Religion“ ist keine Verteidigung der Konfessionen, sondern ein Plädoyer für die spirituelle Tiefe, ohne die Demokratie selbst erstarrt. Denn politische Ordnung lebt nicht allein von Verfahren, sondern von Resonanzräumen, in denen Menschen einander begegnen, einander antworten, einander anerkennen. Religion öffnet hier die Dimension des Unverfügbaren, sie unterbricht die Logik der permanenten Steigerung, sie hält den Raum offen für das, was nicht machbar ist. Rosas Denken ist kein Utopismus, sondern ein ernster Versuch, die Moderne vor ihrer Selbstzerstörung zu bewahren. Er zeigt, dass ohne Resonanz keine Freiheit, ohne Religion keine Demokratie und ohne Unterbrechung der Beschleunigung kein Leben möglich ist. 

 

Text: Dr. Dr. Stefan Groß

(kw)



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