Schwarzweißfoto von John Henry Newman als Kardinal

Kirchenlehrer Newman zu katholischer Theologie

Darf dem Ursprung nicht widersprechen


Rom / Regensburg, 9. Okktober 2026

Am 9. Oktober gedenkt die katholische Kirche des heiligen Kirchenlehrers John Henry Newman. Dieser unterschied bei der wahren Lehrentwicklung zwischen Verderbnis und Bewahrung des Ursprungs.

Wahre Entwicklung sei „eine Hinzufügung, die das Gedankengut, aus dem sie hervorgeht, erhellt statt verdunkelt, bekräftigt statt korrigiert“, schrieb Newman 1845 in seinem Essay über die Entwicklung der christlichen Lehre. „Wie Entwicklungen, denen deutliche Hinweise vorausgehen, eine begründete Vermutung für sich haben, so sind jene, die dem Verlauf der Lehre, die vor ihnen entwickelt wurde und aus der sie hervorgehen, nur widersprechen und ihn umkehren, gewiss verderbt; denn eine Verderbnis ist eine Entwicklung in genau jenem Stadium, in dem sie aufhört, die Errungenschaften ihrer bisherigen Geschichte zu erhellen, und beginnt, sie zu beeinträchtigen“, heißt es im selben Abschnitt.

In der überarbeiteten Ausgabe von 1878 fasste Newman die sieben Kennzeichen gesunder Entwicklung einer Idee so zusammen: „Es liegt keine Verderbnis vor, wenn sie ein und denselben Typus, dieselben Prinzipien, dieselbe Organisation beibehält; wenn ihre Anfänge ihre späteren Phasen vorwegnehmen und ihre späteren Erscheinungen die früheren schützen und ihnen dienen; wenn sie die Fähigkeit zur Assimilation und Erneuerung besitzt und von Anfang bis Ende kraftvoll wirkt.“

Newman, ehmals anglikanischer Protestant, schloss sich der katholischen Kirche noch während des Drucks seines Essays an. Am 9. Oktober 1845 wurde er aufgenommen. Im Postskript zur Erstausgabe schrieb er, er unterwerfe „jeden Teil des Buches dem Urteil der Kirche“, mit deren Lehre er „in den behandelten Fragen alle seine Gedanken in Übereinstimmung wissen möchte“. Im November 2025 erhob Papst Leo XIV. Newman zum 38. Kirchenlehrer. Das vatikanische Dikasterium für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung hatte den Gedenktag im Namen des Papstes mit einem Dekret vom 9. November 2025 festgelegt.

Kardinal Arthur Roche schrieb als Präfekt des Dikasteriums in einem Kommentar zum Dekret: „John Henry Newman wurde ein Jünger auf der Suche nach der Wahrheit Gottes: Deshalb ist er für die Gemeinschaft der Gläubigen zu einem Lehrer des Glaubens geworden, der in der Lage ist, aus seinem Schatz Neues und Altes hervorzuholen, indem er aus dem gesamten Schatz der Offenbarung schöpft, aus dem die Weisheit der Heiligen unablässig schöpft.“

„Das Wort Gottes ist also nicht versteinert, sondern eine lebendige und organische Wirklichkeit, die sich in der Überlieferung entfaltet und wächst. Letztere versteht es dank des Heiligen Geistes im Reichtum seiner Wahrheit und verkörpert es in den wandelbaren Koordinaten der Geschichte“, sagte Leo bei der Generalaudienz im Januar. „Eindrucksvoll ist auf dieser Linie das, was der heilige Kirchenlehrer John Henry Newman in seinem Werk mit dem Titel Über die Entwicklung der Glaubenslehre zeigte.“ Der Begriff Depositum lege demjenigen, dem der Schatz des Wortes Gottes anvertraut sei, die Pflicht auf, „den Inhalt zu bewahren, also in diesem Fall den Glauben, und ihn unversehrt weiterzugeben“, sagte der Papst in derselben Ansprache.

Text: CNA Deutsch

(SG / sig)



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