News Bild „Die Sehnsucht nach der Wiedererlangung der Einheit ist der Wunsch des Herrn“ - 50 Jahre Konzilsdokument „Unitatis redintegratio“: ökumenische Vesper im Dom St. Peter

„Die Sehnsucht nach der Wiedererlangung der Einheit ist der Wunsch des Herrn“ - 50 Jahre Konzilsdokument „Unitatis redintegratio“: ökumenische Vesper im Dom St. Peter

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Anlässlich der Verabschiedung des Konzilsdokuments über die Ökumene vor 50 Jahren wurde am Freitagabend im Hohen Dom St. Peter in Regensburg eine ökumenische Vesper gefeiert. Das Dekret trägt den Titel „Unitatis redintegratio“ und war am 21. November 1964 am Ende der dritten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils von den Konzilsvätern in Rom verabschiedet worden. Dem Gottesdienst in Regensburg standen Dr. Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, Dr. Hans-Martin Weiss, Regionalbischof der evangelisch-lutherischen Kirche, der rumänisch-orthodoxe Pfarrer Alexandru Nan und Pfarrer Friedrich Hohenberger als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (Regensburg) vor. In allen deutschen Bischofskirchen wurde der Verabschiedung von „Unitatis redintegratio“ gedacht. Im Hohen Dom St. Peter gestalteten die Regensburger Domspatzen, die Chorodia Basilios und ein Ensemble aus vier Regensburger Posaunenchören den Vespergottesdienst musikalisch. Zahlreiche Gläubige, denen das Miteinander der christlichen Konfessionen ein Anliegen ist, waren in den Dom gekommen. Auftakt der Feier bildete das gemeinsam gesprochene Glaubensbekenntnis.

In seiner Predigt erinnerte Bischof Voderholzer an die Ökumene des Leidens, der Märtyrer und des Bekenntnisses. Das gemeinsame Leiden hatte die getrennten Christen im Lauf des 20. Jahrhunderts etwa während der Zeit des Nationalsozialismus zusammengeführt. Er verwies auf den späteren Münchner Weihbischof Johannes Neuhäusler, Pastor Martin Niemöller und den Priester Michael Höck, die im Konzentrationslager Dachau waren. „Es war zu sehen, wohin sich das christliche Europa bewegt, wenn es von seinen christlichen Wurzeln abgeschnitten wird“, sagte der Bischof und sprach im Weiteren auch von Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp SJ und Alexander Schmorell, die jeweils einer der drei großen Konfessionen angehörten und hingerichtet wurden. Dass die ebenfalls vor 50 Jahren verabschiedete Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ mit dem Hinweis auf Jesus Christus, dem Licht der Völker, beginne, stehe dafür, dass die Kirche nicht um sich selbst kreisen dürfe, sondern das Evangelium allen Geschöpfen verkünden solle. Bischof Voderholzer drückte seine Überzeugung aus, dass die sichtbare Einheit geschenkt werde, wenn sich die Christen bemühen, den Glauben in der Welt zu verkünden, ihn authentisch bezeugen und um die größere Liebe zu den Menschen wetteifern.

Im anschließenden Festakt im Kolpinghaus Regensburg sagte Msgr. Dr. Johann Tauer, Ökumenebeauftragter und Leiter der Ökumenekommission im Bistum Regensburg, das Bemühen um die Ökumene sei kein „zufriedenes Sich-ausruhen“. Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss erklärte, er sei den Konzilsvätern für ihre Weisheit, Weitsicht und ihren Mut dankbar, den sie mit der Verabschiedung von „Unitatis redintegratio“ bewiesen haben. Er erklärte, die Konfessionen müssten ihr Tun an der Heiligen Schrift messen lassen. Die Vertiefung der Ökumene sei nicht nur eine Frage der Basis, sondern auch der Kirchenleitung. Er sagte, er fordere nicht die gemeinsame Eucharistie, wohl aber wünsche er sie sich.

Pfarrer Nan trug eine Botschaft von Metropolit Erzbischof Serafim Joantă, dem Rumänisch-Orthodoxen Metropoliten für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa, vor, der das Zweite Vatikanische Konzil ein „prophetisches Ereignis“ nannte. Es habe die Kirche für die Welt geöffnet. Außerdem habe es sich von der Tradition der alten Kirche inspirieren lassen, die in der Orthodoxie immer lebendig geblieben sei. Der Wunsch und das Gebet des Erlösers, dass alle eins seien, könne keinem Christen gleich sein. Für Pfarrer Wilhelm Unger von der Mennonitengemeinde Regensburg trug Gisela Ludsteck das Grußwort vor. Herzlich dankt Pfarrer Unger darin den großen Konfessionen für die weitgehende Finanzierung der Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK). Sie böten Inspirationen für eine herzliche und alltagsnahe Nachfolge Jesu Christi. „Die Menschen nehmen wahr, wie wir miteinander umgehen“, sagte Pfarrer Unger.

In seinen abschließenden Worten im Kolpinghaus brachte Bischof Voderholzer seine Treue zur Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils und somit auch zu den Dokumenten „Unitatis redintegratio“ und „Lumen Gentium“ zum Ausdruck. Die Sehnsucht nach der Wiedererlangung der Einheit sei nicht „das Hobby von ein paar Theologen“, sondern „der Wunsch des Herrn“. In den Sorgen und Mühen um das Reich Gottes werde die Einheit dazugeschenkt.

Eindrücke von den Feierlichkeiten im Dom sowie im Kolpinghaus erhalten Sie hier.

Viele Bilder sehen Sie im Bilderalbum: Ökumenevesper.