News Bild „Christlicher Glaube ist nicht Privatsache“

„Christlicher Glaube ist nicht Privatsache“

Home / News

Im Rahmen des Jubiläums „Albertus Magnus, 750 Jahre Bischof von Regensburg“ feierte Bischof Gerhard Ludwig Müller am 15. November den Gedenktag des Heiligen Albertus Magnus als Pontifikalamt mit Schülern, Eltern und Lehrern des Albertus Magnus Gymnasiums in der vollbesetzten Dominikanerkirche St. Blasius.

Der Gottesdienst wurde musikalisch von den Chorklassen der Unterstufe gestaltet gemeinsam mit Gesangs- und Instrumentalsolisten. Die Leitung hatte Florian Heigenhauser, der das Kyrie und den Hymnus an den Heiligen komponierte. Der Musiklehrer des Gymnasiums, ein ehemaliger Domspatz, studierte Musik und Komposition an der Musikhochschule München. Der Text beider Werke stammt aus der Feder des AMG-Schuldirektors Doktor Wilhelm Pfaffel.

In der Predigt hob Bischof Gerhard Ludwig Müller die weichenstellende Rolle Albertus Magnus‘ für die europäische Wissenschaft hervor. Der Dominikaner und Bischof von Regensburg lebte von 1200 bis 1280 und gilt als bedeutendster deutscher Universalgelehrter des Hochmittelalters. Die Ergebnisse seiner Arbeit und Forschung füllen 41 Bände mit rund 25.000 Seiten, die Bischof Gerhard Ludwig als „inneren Zusammenklang von Glaube und Vernunft“ beschreibt. Die Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums könnten stolz sein auf den großen Namen, den ihre Schule trage. Der Heilige sei ein wahrhaftes Vorbild. In der Natur suchte Albert die Wahrheit des Schöpfers. Rationales, methodisches und logisches Erkennen der natürlichen Wirklichkeit waren für ihn Quelle seiner Frömmigkeit und seines Glaubens.

Bischof Gerhard Ludwig: „ Als Christ sich zu verstehen bedeutet, an der Erkenntnis Gottes teilzuhaben und zu erkennen, dass wir zur Wahrheit berufen sind und dass die Liebe die Erfüllung der Gebote Gottes ist.“ Gott selber und seine Liebe sei die Antwort auf alle grundlegenden Fragen des Menschen. Die Menschen seien keine stumpfen Befehlsempfänger höherer Mächte oder Spielbälle eines launigen Schicksals, sondern Söhne und Töchter Gottes, die ihren Schöpfer Freund nennen können und Brüder und Schwestern untereinander sind.

Diese Wahrheit erschließe sich dem Menschen in der Person Jesu Christi, dem fleischgewordenen Sohn Gottes: „Wir begleiten Jesus Christus, wenn er verfolgt, verkannt und zuletzt von ungerechten Mächten seiner Zeit zum fürchterlichen Tod am Kreuz verurteilt wird.“

Das Kreuz ist kein Zeichen des Scheiterns Jesu, sondern einer göttlichen Wirklichkeit, in der es für uns alle eine Rettung gibt, die wir zur Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenseins nehmen. Aus dieser Freude des Erlöstseins können wir der Welt positiv begegnen, wir können unseren Kindern lebensbejahende Vorbilder sein und müssen uns nicht flüchten in falsche Heilsversprechen, die innere Leere doch nicht ausfüllen können: „Wenn wir uns von der Hand Gottes leiten lassen, dann werden wir auch durch dunkle Täler hindurchgeführt werden in die endgültige Bestimmung, die jedem von uns geschenkt worden ist.“

Auch in einer säkularisierten Welt haben wir die Freiheit, diesen Weg des Glaubens zu gehen. In einer pluralistischen Gesellschaft, in der wir heute leben, schreibt uns der Staat keine Weltanschauung vor. Vielmehr eröffnet er allen Bürgern den Raum und das Recht, mit ihrem Glauben im öffentlichen Leben präsent zu sein und das gesellschaftliche Leben mitzugestalten. Dieses Recht nehmen auch die Christen in Anspruch. Religion ist keine Privatsache und der öffentliche Raum keine Zone der Nichtglaubenden: „Auch im öffentlichen Raum leben und bekennen Christen ihren Glauben. Jeder muss in einem pluralistischen Gemeinwesen die innere Toleranz und Fähigkeit mitbringen, andere anzuerkennen und die Symbole ihres Glaubens zur Kenntnis zu nehmen. Niemand kann beanspruchen, mit Andersdenkenden niemals in Kontakt zu kommen.“

Ohne diese Fähigkeit zur Toleranz verlöre unsere Gesellschaft ihren inneren Zusammenhalt. „Das Kreuz ist kein Zeichen der Vereinnahmung anderer, sondern auch für die Nichtglaubenden ein Zeichen, dass Ungerechtigkeit, Bosheit und Tod nicht das letzte Wort haben, dass es eine Hoffnung darüber hinaus gibt.“ Vom Heiligen Albert dem Großen, können wir die innere Offenheit für andere Religionen und Kulturen lernen und dass Gottesliebe und Nächstenliebe die bestimmenden Motive sind, aus denen wir handeln.

Der Glaube, in dem die Mehrheit der Menschen in Bayern verwurzelt ist, trägt Kultur und Gemeinwesen unserer Lebensordnung. Sie wird sich nicht gegen die Mehrheit der Menschen und gegen den Richtungssinn ihrer Geschichte und ihrer Kultur positiv weiterentwickeln. Denn was uns trägt, entwickeln wir nicht am Reißbrett. Wir erhalten es als Geschenk. Die wesentliche Quelle unserer menschlichen Existenz ist die Liebe, die Jesus Christus in unserer Geschichte verwurzelt.

Bischof Gerhard Ludwig Müller: „Das Kreuz ist deshalb in unserer Gegenwart Ausdruck einer Zivilisation der Liebe, der Gerechtigkeit, der Solidarität und der menschlichen Würde. Wenn das Kreuz im öffentlichen Raum sichtbar wird, so bezeugt es den Einsatz der Christen für eine Welt des Friedens und der Einheit der Menschen.“

Predigt des Bischofs im Wortlaut