Kirche St. Michael, Zeitz

Brüsewitz: Selbstverbrennung gegen SED-Terror in der DDR

Die Mahnung eines Zeitzeugen


Regensburg, 24. August 2026

Zur Selbstverbrennung des in der DDR lebenden und predigenden Pfarrers Oskar Brüsewitz, mit der er gegen den SED-Terror protestierte und dabei sein Leben einsetzte und verlor, bringen wir einen Kommentar des Zeitzeugen Alexander W. Bauersfeld.

Fast unbeachtet von der deutschen Politik verging der 50. Jahrestag der Selbstverbrennung des evangelischen Pfarrers Oskar Brüsewitz in Zeitz vor der Michaeliskirche. Auch die evangelischen Kirchen haben bis heute ein Problem mit diesem Mann, der sich in eine an die SED-Diktatur anschmiegsame „Kirche im Sozialismus" einfach nicht einpassen wollte, die folgsame Theologen mit Reisepass und Westauto belohnte, den anderen aber – wie Pastor Brüsewitz – die ständige Ausreise in den Westen nahelegte.

Das Wort „Störenfried" wurde für kritische Geister wie ihn geprägt, vor allem von denen in Bischofsämtern, die privilegiert durch die Welt reisten, ihre Kinder ohne Probleme durch das Abitur zum Studium brachten und im Westen „Fahrkartenreden" hielten, in denen sie die Vorzüge des real-existierenden Sozialismus in der DDR priesen, damit diese ihnen die nächste Westreise als Belohnung für so viel „ideologische Biegsamkeit" erlaubte. In dieser Landschaft der Lüge widersprach der aufrichtige Pastor aus Rippicha, denn was waren 20 Jahre DDR gegen 2000 Jahre Jesus Christus?

Nur wenige hielten zu ihm, darunter einige katholische Pfarrer, von denen ihn einer noch kurz vor seinem Tod im Krankenhaus besuchen konnte, als die Staatssicherheit den Sterbenden noch nicht hermetisch abgeriegelt hatte. Seiner Frau jedoch wurde ein Abschiedsbesuch am Bett des Sterbenden verweigert. Hier wird die Unbarmherzigkeit der Ideologie von Marx-Lenin-Stalin besonders deutlich: Der Sozialismus-Kommunismus ist menschenfeindlich. Die Rache am unbeugsamen Pastor aus Rippicha traf mit aller Härte die Familie. Trotz bester Leistungen in der Schule wurde den Töchtern das Abitur verweigert. Die Familie Brüsewitz lebte in den Folgejahren weiter in dem Pfarrhaus neben Kirche und Friedhof unter äußerst bescheidenen Umständen; aus dem kleinen Wohn- und Esszimmer blickten sie auf das Grab des Ehemanns und Vaters, Tag für Tag.

Die Giftigkeit der SED-Propaganda, die voller Hass auf das Fanal in Zeitz reagierte, erschreckte selbst „brave DDR-Bürger"; doch sie blieben weiter brav. Viele Kirchenfunktionäre forderten indessen „Solidarität", doch nicht mit dem Pastor und seiner Familie, sondern „mit dem Staat", also der SED-Diktatur. Bis heute ist diese Verirrung nicht wirklich von allen Kirchen klar verurteilt worden, wenn auch vor allem die Christen an der Basis das kommunistische SED-System schon damals als unterdrückend, ja, als mörderisch erlebten.

Zum 50. Jahrestag der mutigen Selbstopferung von Pastor Oskar Brüsewitz wird es Zeit, dass die EKD endlich die „Kirche im Sozialismus" als Irrweg verurteilt. Es wird Zeit, Pastor Oskar Brüsewitz vielleicht auch konfessionsübergreifend als einen Märtyrer der Christenheit zu ehren.

Text: Alexander W. Bauersfeld / Stephanus Stiftung für verfolgte Christen

(SG / sig)

Weitere Infos

Unser Bild zeigt den Platz, auf dem sich Pfarrer Brüsewitz aus Verzweiflung wegen des sozialistischen SED-Terrors selbst verbrannte, nebst der Michaelskirche in Zeitz, Sachsen-Anhalt.

Alexander W. Bauersfeld war Bürgerrechtler in der DDR. Wegen seiner Mitwirkung an der Friedensbewegung sowie Kontakten nach Westdeutschland wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt und 1984 von der Bundesrepublik freigekauft. Er setzt sich als Zeitzeuge und Kritiker der DDR-Diktatur aktiv für deren Aufarbeitung ein, unter anderem in der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG).



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